Westercelle

Neues Feuerwehrhaus Ende 2022 fertig

Eigentlich tun Feuerwehrleute alles, um verkohlte Fassaden zu vermeiden. Bei ihrem eigenen Haus machen Westercelles Brandschützer da eine Ausnahme.

  • Von Michael Ende
  • 14. Okt. 2021 | 16:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
  • Von Michael Ende
  • 14. Okt. 2021 | 16:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
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Westercelle.

Auf diesen feierlichen Moment haben Westercelles Blauröcke lange warten müssen: Am Mittwochabend wurde der Grundstein für das neue Feuerwehrgerätehaus (FGH) an der Hannoverschen Heerstraße 140 gelegt. Nun könne man endlich nach einer Phase intensiver Diskussion und Vorbereitungen die Planungen beenden und den ersten Schritt zum Gelingen des Baus gehen, sagte Erster Stadtrat Thomas Bertram: „Das ist ein schönes Gefühl.“

Streit um Standort-Suche schwelte lange

Und es waren längst nicht nur positive Emotionen, die im Vorfeld die Planungen für das FGH begleitet hatten. Umweltschützer hatten massiv gegen den Bau protestiert . Das Grundstück hatte die Stadt dem Reit- und Fahrverein Westercelle/Altencelle, der es gepachtet hatte, weggenommen, als nach langer Abwägung feststand: Es gibt keinen geeigneteren Standort für den Nachfolgebau des alten Feuerwehrhauses an der Westerceller Straße, das aus allen Nähten platzt. Besonders die Feuerwehr hatte mehrfach betont, dass es keine Alternative zum Bau auf genau diesem Wiesen- und Waldgelände gebe.

Streit um Ameisen-Umsiedlung

Dort hatten unter andrem Aktivisten des BUND nicht nur alte Bäume und seltene Pflanzen im Blick, sondern sich auch Sorgen um die Zukunft mehrerer Ameisenvölker gemacht. Die Tiere wurden von ausgewiesenen Ameisen-Experten ins Neustädter Holz umgesiedelt – völlig unfachmännisch, wie Kritiker meinten. Die Empörung ist verstummt, jetzt wird auf der alten Pferdekoppel zwischen der ehemaligen Bundesstraße 3 und dem Triftweg gebaut. Das Vorhaben nimmt 2600 Quadratmeter Wald in Anspruch, was die Stadt andernorts mit einer Ersatzaufforstung von 4378 Quadratmetern Wald ausgleichen will. Das sei zwar viel mehr als eigentlich notwendig, doch aus Klimaschutzgründen sinnvoll, so die Verwaltung.

Kokel-Design mit architektonischem Augenzwinkern

Das FGH mit einer Nutzfläche von rund 700 Quadratmetern besteht aus einer Fahrzeughalle für vier Einsatzfahrzeuge und einem Verwaltungsteil mit Brandmeisterbüro, Schulungsraum, Jugendfeuerwehr-Raum, Sanitärbereich und Umkleiden für 80 Männer und 20 Frauen. Das eingeschossige Gebäude bekommt über der Wache ein Flachdach sowie über der Halle ein gering geneigtes Blechdach. Wände und Dachdecke werden in Holzbauweise erstellt. Ein besonders für Feuerwehrleute witziges Detail: Die Fassade wird mit karbonisierter vertikaler Holzverschalung versehen – das heißt, das Holz wird gezielt angekokelt und so haltbarer gemacht. Ein augenzwinkernder Wink: Feuer kann sogar nützlich sein, wenn man es zu zügeln versteht.

Hoffen auf gute Geister

„Das Legen des Grundsteines bedeutet im historischen Sinne, böse Geister vertreiben zu wollen. Böse Geister werden sicherlich nicht über diesen Ort wachen, ganz im Gegenteil: Dieser Ort wird später von den guten Geistern – nämlich den Kameraden der Feuerwehr hier in Westercelle – beseelt sein“, sagte Bertram. Die Fertigstellung des FGH ist für Ende 2022 geplant.

Baukosten steigen

Bertram, der auch Stadtkämmerer ist, wies darauf hin, dass Bauvorhaben derzeit fast täglich immer teurer würden. Ursprünglich hatte die Stadt für das FHG 2,7 Millionen Euro ausgeben wollen. Jetzt sei man bei voraussichtlich 3.250.000 Euro gelandet, so Bertram: „Diese erhebliche Kostenerhöhung ist bedingt durch die allgemeine Wirtschaftslage, die Corona-Pandemie sowie extrem angestiegene Baustahl- und Holzpreise.“ Immerhin gebe es Fördergelder: „Als Bedarfszuweisung des Landes in Höhe von einer Million Euro.“