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Westercelle Er schaut über den Tellerrand
Celle Aus der Stadt Westercelle

Lohnt sich Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker?: Das sagt der Celler Neuhaus

10:07 09.02.2021
Philipp Neuhaus inspiziert unter der Hebebühne die wesentlichen Teile eines Autos. Unverzichtbar dabei: die Lampe.
Philipp Neuhaus inspiziert unter der Hebebühne die wesentlichen Teile eines Autos. Unverzichtbar dabei: die Lampe. Quelle: Lothar H. Bluhm
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Celle

Mit Verbrennungsmotoren, elektrischen Antrieben und Wasserstoffaggregaten sieht Philipp Neuhaus den technologischen Fortschritt bei Automobilen kommen. Er ist als auszubildender Kfz-Mechatroniker beim Autohaus Marhenke ziemlich dicht dran an der Entwicklung, überprüft er doch gerade ein fabrikneues E-Fahrzeug zur Auslieferung an den Kunden. Das jetzige Umsteuern auf und erhebliche Subventionieren von E-Motoren sei nur eine vorübergehende Zwischenlösung, prognostiziert der 19-jährige Wathlinger – bis die Wasserstofftechnologie serienreif ist.

Eine Woche Probezeit in Adelheidsdorf

„Philipp hat uns gleich überzeugt, hat mitgedacht und auch über den Tellerrand geschaut“, sagt sein Ausbilder Sven Hoffmann jetzt, nachdem Philipp Neuhaus nach einer Woche Probearbeit seine zunächst in Adelheidsdorf begonnene Ausbildung in Westercelle fortsetzte. Das Glück für ihn war, dass bei Marhenke gerade ein Ausbildungsplatz frei war.

Philipp Neuhaus hat seine Ausbildung in Westercelle fortgesetzt. Quelle: Lothar H. Bluhm

Es habe einfach nicht geklappt in seinem früheren Betrieb, sagt Philipp Neuhaus, der mit dem Hauptschulabschluss seine Lehre begann. „Aber hier ist alles gut“, stellt er erleichtert fest. Kein Wunder, dass der Auszubildende die durch die Corona-Pandemie zweimal verschobene Zwischenprüfung kürzlich mit gutem Ergebnis bestanden hat: „Ich bin absolut zufrieden.“ Nun steuert er auf den Lehrabschluss im Dezember 2021 zu. Dafür muss er sich im letzten Ausbildungsjahr entscheiden, ob er in der Berufsschule den Schwerpunkt Hochvolt-Technologie wählt.

An den Berufsbildenden Schulen II werden zurzeit 162 Kraftfahrzeugmechatroniker sowie 24 Schüler der Berufsfachschule Fahrzeugtechnik beschult.

Praktika in Kfz-Werkstätten während Schulzeit

Mit dem Wechsel des Ausbildungsbetriebes waren auch die Eltern von Philipp Neuhaus sehr zufrieden, hatten sie doch zuvor vermehrt Unzufriedenheit und Frustration bei ihrem Sohn festgestellt. „Meine Mutter sagt, ich sei jetzt viel unbeschwerter“, berichtet der Azubi von zu Hause: „Das war definitiv die richtige Entscheidung. Hier stimmen meine Erwartungen und die Realität genau überein.“ Schon während seiner Schulzeit hat Philipp Neuhaus verschiedene Praktika in Kfz-Werkstätten absolviert. „Zweimal Autos, einmal Lkw. Aber Lastwagen sind ein bisschen groß und schwer …“, begründet er seine Vorliebe für Personenkraftwagen. „Das ist mein Ding.“

Philipp Neuhaus hat eine Vorliebe für Personenkraftwagen. Quelle: Lothar H. Bluhm

Jetzt erledigt er Inspektionen, wechselt Zahnriemen, stellt die Spur ein und führt Reparaturen durch. Auch der Umgang mit dem Diagnosegerät gehört zu seinen Aufgaben. In der Karosserieabteilung ist er mit der Beseitigung von Unfallschäden betraut.

Seit 2016 KfZ-Meister bei Marhenke

Insgesamt sind zwei Meister, sieben Gesellen und fünf Azubis in der Werkstatt beschäftigt. „Pünktlichkeit, Ehrlichkeit und Sorgfalt gehören zu den Eigenschaften, die ein Mitarbeiter haben muss“, benennt Sven Hoffmann seinen Anspruch an die Kollegen. Er ist seit 2016 Kfz-Meister bei Marhenke. „Nicht nur eine normale Inspektion ist gefragt, sondern auch immer ein Blick über die Checkliste hinaus – diese Weitsicht erwarten die Kunden zu Recht von uns.“

Ausbilder Sven Hoffmann ist zufrieden mit der Leistung von Neuhaus. Quelle: Marhenke

Wenn Philipp Neuhaus in die Zukunft schaut, sieht er sich durchaus hier im Autohaus arbeiten, „wenn sie mich dann übernehmen …“ Ansonsten möchte er weitere Praxiserfahrungen sammeln und kann sich auch vorstellen, in der Werkstatt eines Bundeswehr-Fuhrparks zu arbeiten. „Da bin ich flexibel – auch was den Standort betrifft“, sagt der 19-Jährige.

Motorrad-Ausfahrten mit Freunden

Noch wohnt er bei seinen Eltern zu Hause. „Mit einer eigenen Wohnung lass‘ ich mir Zeit“, so Philipp Neuhaus. In seiner Freizeit unternimmt er mit seinen Freunden gern Motorrad-Ausfahrten, auch mal auf Rennstrecken in Hamburg oder Berlin. Ansonsten schraubt er an Computern und – natürlich – an Autos: „Ein Auto, das ich mir kaufe, muss haltbar sein. Der Motor sollte tiptop und das ganze Fahrzeug scheckheftgepflegt sein. Dann müssten 300.000 Kilometer Gesamtleistung durchaus drin sein“, skizziert Neuhaus seine Vorstellungen. Unter der Hebebühne beleuchtet er dabei sorgfältig das Neufahrzeug: „Fertig zur Auslieferung!“

Nachgefragt bei Holger Völkers

Oberstudienrat Holger Völkers ist Bildungsgangleiter für Fahrzeugtechnik und Fluggerättechnik an den BBS 2 Celle (Axel-Bruns-Schule). Quelle: cz

Wie lange dauert die Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechatroniker?

Im Regelfall dauert die Ausbildung dreieinhalb Jahre. Durch gute Noten und gute Beurteilungen im Betrieb kann die Ausbildung um sechs Monate verkürzt werden.

Worum geht es bei dem schulischen Teil?

Anders als an allgemeinbildenden Schulen gibt es in der Berufsschule Lernfelder. In 14 Lernfeldern wird beginnend bei der Wartung und Pflege bis hin zur komplizierten Diagnose und Reparatur an zum Teil sehr komplexen Fahrzeugsystemen praxisorientiert unterrichtet. Da so gut wie kein System eines modernen Kraftfahrzeugs ohne Elektrik beziehungsweise Elektronik auskommt, sind dies wichtige Unterrichtsinhalte in fast allen Lernfeldern. Neben den technischen Lernfeldern gibt es allgemeinbildende Unterrichtsfächer wie Politik oder Deutsch.

Wie gliedert sich die Ausbildung?

Der Ausbildungsberuf des Kraftfahrzeugmechatronikers wird in verschiedenen Schwerpunkten angeboten. Neben der klassischen „Pkw-Technik“ gibt es noch den Schwerpunkt „System- und Hochvolttechnik“ mit Bezug zur E-Mobilität sowie die Schwerpunkte „Nutzfahrzeugtechnik“, „Motorradtechnik“ und „Karosserietechnik“. In den ersten 18 Monaten werden die Auszubildenden über verschiedene Lernfelder mit den Grundlagen der Fahrzeugtechnik vertraut gemacht. Abgeschlossen wird dieser Teil mit der Gesellenprüfung Teil 1. In den folgenden Monaten werden diese Grundlagen vertieft und mit Lerninhalten zu immer komplexer werdenden Fahrzeugsystemen ergänzt. Nach dreieinhalb Jahren erfolgt dann die abschließende Gesellenprüfung Teil 2. Mit der bestandenen Gesellenprüfung erhält man im Regelfall den Sekundarabschluss I, den Realschulabschluss.

Wem würden Sie die Ausbildung empfehlen?

Als Kfz-Mechatroniker sollte man Spaß an handwerklichen Arbeiten haben und körperlich belastbar sein. Außerdem in Deutsch, Mathe und Physik halbwegs sicher sein und ein nicht zu kleines Verständnis von Elektronik mitbringen, da in modernen Pkw sehr viel komplexe Technik enthalten ist.

Wie sind die Aussichten auf dem Ausbildungsmarkt und dem Arbeitsmarkt?

Im Moment sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt für Kraftfahrzeugmechatroniker gut. Nach einer abgeschlossenen Ausbildung stehen weitere Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen, wie der Servicetechniker oder Meister, offen. Mit dem Gesellenbrief und dem damit verbundenen Sekundarabschluss I (Realschulabschluss) kann die Klasse 12 der Fachoberschule Technik an der BBS II besucht werden, wo die Fachhochschulreife erlangt werden und anschließend ein Bachelorstudium begonnen werden kann.

Von Lothar H. Bluhm

Weitere interessante
Ausbildungsberufe im Celler Land finden sich unter
www.cz.de

Was macht man in diesem Beruf?

Kraftfahrzeugmechatroniker mit dem Schwerpunkt Personenkraftwagentechnik halten mechanische, elektronische, hydraulische und pneumatische Systeme beziehungsweise Anlagen von Autos instand. Mithilfe elektronischer beziehungsweise computergestützter Mess- und Diagnosegeräte testen und analysieren sie zum Beispiel Antriebsaggregate, Dämpfungs-, Niveauregelungs- und Fahrerassistenzsysteme. Sie schmieren

Teile, tauschen defekte Bauteile aus, reparieren Antriebskomponenten oder wechseln Schmierstoffe,

Brems- bzw. Hydraulikflüssigkeiten. Zudem kontrollieren sie, ob die straßenverkehrsrechtlichen Vorschriften eingehalten werden, führen Probefahrten und Abgasmessungen durch. Auf Wunsch bauen

sie Zusatzeinrichtungen wie Navigationsgeräte oder Freisprechanlagen ein. Kraftfahrzeugmechatroniker/können zudem im Bereich Elektromobilität tätig werden.

Wo arbeitet man?

Beschäftigungsbetriebe:

Kraftfahrzeugmechatroniker mit dem Schwerpunkt Personenkraftwagentechnik finden Beschäftigung

• in Reparaturwerkstätten

• bei Herstellern von Kraftwagen

Arbeitsorte:

In erster Linie in Werkstätten und Fertigungshallen.

Welcher Schulabschluss wird erwartet?

Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen Betriebe überwiegend Auszubildende mit mittlerem Bildungsabschluss ein.

Worauf kommt es an?

• Sorgfalt (zum Beispiel beim Vermessen von Fahrzeugkarosserien oder Prüfen der Funktion elektrischer Bauteile)

• Verantwortungsbewusstsein (zum Beispiel beim Einstellen und Warten sicherheitsrelevanter Bauteile wie

Bremssysteme)

• Handwerkliches Geschick und Auge-Hand-Koordination (zum Beispiel beim Ausbau von Getrieben oder

Montieren von Ersatzteilen)

• Technisches Verständnis (zum Beispiel Ermitteln der Ursachen von Fehlern, Störungen und Schäden)

Wichtige Schulfächer:

• Werken/Technik (zum Beispiel zum Durchführen von Instandsetzungsarbeiten)

• Mathematik (zum Beispiel beim Berechnen von Einstellwerten und Interpretieren von Messwerten)

• Physik (zum Beispiel zum Verständnis der Fahrzeugtechnik)

Was verdient man in der Ausbildung?

Beispielhafte Ausbildungsvergütung im Kraftfahrzeuggewerbe in Niedersachsen (monatlich brutto):

1. Ausbildungsjahr: 780 Euro

2. Ausbildungsjahr: 850 Euro

3. Ausbildungsjahr: 970 Euro

4. Ausbildungsjahr: 1010 Euro