Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Westercelle „Das passt alles“
Celle Aus der Stadt Westercelle

Celler Azubi möchte Schilder- und Lichtreklamehersteller werden

16:23 13.04.2021
Celina Hasselmann an ihrem Arbeitsplatz.
Celina Hasselmann an ihrem Arbeitsplatz. Quelle: Trispel
Anzeige
Westercelle

Das passte wirklich gut: Die Berufsstartermesse in der CD-Kaserne in Celle präsentierte viele Ausbildungsberufe und erleichterte die Berufswahl. Etwa nach dem Motto „Schule – und dann?“ Auch für Celina Hasselmann aus Oldau. Sie beendete gerade ihre Schulzeit, als sie sich dort genau informierte. „Für mich stand fest, dass ich gleich in den Beruf einsteigen und etwas Handwerkliches machen wollte“, war sie sicher, als sie wusste, dass sie den Erweiterten Realschulabschluss schaffen würde. „Ich hatte erst überlegt, Sattlerin zu werden, aber das wäre mit viel Fahrerei verbunden gewesen. In Celle wird der Beruf nicht ausgebildet.“ Die Verbindung zur Sattlerei und zu gut riechendem Leder erhielt sie durch ihr Hobby: Sie reitet regelmäßig in Hornbostel – am liebsten auf „Wöhler“, einem braunen Hannoveraner.

Celina Hasselmann präsentiert eine Folie, die sie im Anschluss an den Fototermin auf den Kleinwagen im Hintergrund aufgebracht hat. Die 18-Jährige hat viel Spaß an ihrer Ausbildung ünd fühlt sich bei der Trispel GmbH wohl. Quelle: Trispel Gmbh (3)

Messestand hat sie überzeugt

Der Stand der Trispel GmbH bei dieser Messe hat Celina Hasselmann beeindruckt: „Da wurde gerade eine Autotür foliert, das fand ich interessant.“ Es folgten die Bewerbung, ein Vorstellungsgespräch und die Zusage. „Wir hatten rund zehn Bewerbungen um die Stelle als Schilder- und Lichtreklamehersteller“, sagt Ausbilderin Leonie Ellermann. „Der Ausbildungsgang ist noch recht neu und deshalb noch nicht so bekannt.“ Die 18-jährige Celina Hasselmann ist die erste Auszubildende für den Beruf bei Trispel in Westercelle. Ihre Berufsschule befindet sich in Hannover (siehe das Nachgefragt unten).

Sie schließt den Gesamtprozess ab

„Es geht praktisch darum, dass die bei uns im Vorfeld entworfenen und hergestellten Produkte angebracht werden. Der Schilder- und Lichtreklamehersteller ist also der Letzte im Glied, derjenige, der den Gesamtprozess abschließt“, beschreibt Ellermann den Job. Und das sieht man dann: Ob an Firmenfahrzeugen eines Elektrounternehmens, am Schaufenster eines Herrenausstatters in der Celler Innenstadt oder an Loks und Waggons der Bahn. Überall legt der Schilder- und Lichtreklamehersteller Hand an, appliziert die im Betrieb hergestellten Folien.

Ausbilderin bei der Trispel GmbH ist Leonie Ellermann. Quelle: Trispel

Auch in Braunschweig im Einsatz

Erst vor kurzem war Celina Hasselmann im Instandhaltungswerk der Bahn in Braunschweig, um für eine Lok-Leasingfirma Fahrzeuge neu zu gestalten. Das passiert etwa alle zwei bis drei Wochen. „Ich finde die Arbeit sehr abwechslungsreich. Genau so habe ich mir das vorgestellt“, ist Hasselmann sehr zufrieden mit ihrer Berufswahl. Kein Wunder, dass sie sich vorstellen kann, auch nach ihrer Ausbildung im Ausbildungsbetrieb zu bleiben und weitere Erfahrungen zu sammeln. „Der Beruf ist ein echter Handwerksberuf, der in der Handwerksrolle eingetragen ist“, sagt Ausbilderin Leonie Ellermann. Entsprechend könnte sich auch die Weiterbildung zum Meister anschließen.

Zwischenprüfung absolviert

„Meinen Eltern ist wichtig, dass mir gefällt, was ich beruflich mache. Das war meine Entscheidung, dass ich mich für diese Ausbildung entschlossen habe. Und die Wahl war hundertprozentig richtig.“ Zwar weiß sie momentan nicht genau, wie sie kürzlich die Zwischenprüfung abgeschlossen hat, sie klingt aber zuversichtlich: „Ich denke, dass es ganz gut war. Im Theoriebereich musste ich das Spationieren erläutern, also das systematische und selektive Erweitern von Abständen und Buchstaben, von Satzzeichen und Leerräumen.“ Im Praxisteil musste sie einen Rotfilm einer Vorlage entsprechend präzise für den Siebdruck vorbereiten. „Die Kunst besteht darin, die unterschiedlichen Schichten genau zu bearbeiten, ohne die andere zu beschädigen.“

Lichtreklame- und Schilderhersteller müssen auch im Team arbeiten. Quelle: Trispel

100 Mitarbeiter bei Trispel

In der Trispel GmbH in Westercelle sind rund 100 Mitarbeiter tätig. Auch in diesem Jahr wird wieder zum Schilder- und Lichtreklamehersteller ausgebildet. Das Unternehmen bietet vielfältige Produkte und Dienstleistungen im Bereich Beschriftungen und Foliendesign an, vom Entwurf und der Produktion von Aufklebern und Schriftzügen, bis hin zu Großflächendrucken, Werbetechnik und Folienmontagen. Dabei geht das mittelständische Unternehmen auf die individuellen Bedürfnisse der Kunden ein.

Stimmung im Team ist gut

Für die Auszubildende ist wichtig, dass sie selbstständig arbeiten kann und dass das Klima im Team gut ist. Das zeigte sich auch schon in der Zeit, bevor sie einen Führerschein hatte: Kollegen waren immer bereit, sie im Auto mitzunehmen, wenn es nötig war. „Das passt alles!“

Das Logo der BBS3 in Hannover. Quelle: BBS 3 Hannover

Nachgefragt bei Anke Hehmsoth

Anke Hehmsoth ist Bildungsgangleiterin des Bereiches Schilder- und Lichtreklamehersteller an der Berufsbildenden Schule 3 in Hannover.

Wie lange dauert die Ausbildung?
Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre, kann aber auf zweieinhalb mit entsprechenden Noten und Zustimmung des Ausbildungsbetriebes verkürzt werden. Wer bestimmte Voraussetzungen erfüllt, zum Beispiel einen höheren Schulabschluss oder eine vorangegangene abgeschlossene Berufsausbildung, könnte auch direkt im zweiten Ausbildungsjahr starten.

Es handelt sich um eine duale Ausbildung. Worum geht es im schulischen Teil?
In der Berufsschule erwarten die Auszubildenden zwölf vielfältige und abwechslungsreiche Lernfelder mit Kundenaufträgen, die die fachtheoretischen Grundlagen zur Gestaltung, zu Werkstoffen und Materialien sowie Arbeitsabläufen beinhalten. In die Lernfelder eingebunden ist die Arbeit am PC, hier insbesondere Entwurfs- und Gestaltungsarbeiten mit Hilfe von Grafiksoftware.

Wem würden Sie die Ausbildung empfehlen?
Diese Ausbildung eignet sich für Menschen, die sowohl handwerkliches Geschick und technisches Verständnis haben, aber auch Spaß an Gestaltung und Kreativität. Sie sollten räumliches Vorstellungsvermögen haben und gut mit Schriften, Farben und Formen umgehen können. Außerdem ist wie in vielen anderen Berufen Teamfähigkeit gefragt.

Wie gliedert sich die Ausbildung?
Der erste Teil der Gesellenprüfung findet nach eineinhalb Jahren in Theorie und Praxis in den Bereichen Vektorisierung, Spationierung und Manuelle Beschriftung statt. Die Schilder- und Lichtreklamehersteller haben damit eine gestreckte Abschlussprüfung und keine Zwischenprüfung mehr. Der zweite Teil der Abschlussprüfung, der aus drei schriftlichen Teilen und einer praktischen Prüfung besteht, findet nach drei Jahren statt.

Und wie sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt?
Schilder- und Lichtreklamehersteller haben Chancen in vielen Bereichen, wie in Firmen der Werbetechnik und Lichtwerbung, bei Ausstellungs- und Kongressveranstaltern und Firmen im Bereich Fahrzeugbeschriftung. Nach der Ausbildung haben die Auszubildenden vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten etwa zum Schilder- und Lichtreklamemeister, zum Kommunikationsfachwirt oder mit Hochschulreife ist ein Studium in den Bereichen Industrie-, Grafik- oder Kommunikationsdesign sowie Foto- und Filmdesign möglich.

Von Lothar H. Bluhm

Steckbrief Schilder- und Lichtreklamehersteller

Was macht man?
Schilder- und Lichtreklamehersteller entwerfen und realisieren nach Kundenwünschen zum Beispiel
Leuchtreklameanlagen, Schilder und Anzeigetafeln. Ihre Arbeit beginnt mit Entwurfsskizzen, die sie mit dem Kunden besprechen und als digitale Daten am Bildschirm fertig ausarbeiten. Nach diesen Vorlagen bearbeiten sie die Trägermaterialien für das Endprodukt, schneiden zum Beispiel Plexiglas für beleuchtete Buchstaben oder Metalle und Kunststoffe für Schilder zu. Außerdem bekleben sie Schaufenster oder beschriften Fahrzeuge. Im Schwerpunkt Grafik, Druck, Applikation achten Schilder- und Lichtreklamehersteller vor allem
auf optimale Gestaltung und Verarbeitung: Sie wählen Schriftarten aus, plotten und kleben Folien, verwenden bildliche Darstellungen oder setzen Digitaldruckverfahren ein. Im Schwerpunkt Technik, Montage, Werbeelektrik/-elektronik sorgen sie dafür, dass Werbeschilder und Lichtreklame fachgerecht befestigt werden. Sie verlegen Leitungen und stellen elektrische Anschlüsse her. Auch elektronische Steuerungen montieren und konfigurieren sie und testen deren Funktion.

Wo arbeitet man?
• in Firmen der Werbetechnik
• in handwerklichen Schilderwerkstätten
• bei Ausstellungs- und Kongressveranstaltern
• in Firmen im Bereich Fahrzeugbeschriftung
Arbeitsorte:
in erster Linie in Werkstätten, auf Baustellen oder
in Ausstellungsräumen.

Welcher Schulabschluss wird erwartet?
Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen Betriebe überwiegend Auszubildende mit mittlerem Bildungsabschluss ein.

Worauf kommt es an?
• Handwerkliches Geschick (zum Beispiel beim Verkleben von Spezialfolien oder Zuschneiden von Plexiglas für beleuchtete Buchstaben)
• Sorgfalt (zum Beispiel beim Anfertigen einer Reinzeichnung für die Herstellung)
• Kreativität
• Teamfähigkeit (zum Beispiel beim Zusammenarbeiten mit anderen Fachkräften beim Anbringen großformatiger Kommunikations- und Werbeanlagen)
• Gute körperliche Konstitution

Wichtige Schulfächer:
• Werken/Technik (zum Beispiel beim Gestalten und Montieren werbewirksamer Leuchtreklamen, Schilder und Werbeträger)
• Kunst (zum Beispiel beim Anfertigen von Skizzen zu neuen Produkten und Ideen sowie Gestalten von
perspektivischen Entwürfen)
• Mathematik (zum Beispiel für das maßstabsgetreue Arbeiten und das Berechnen der richtigen Platzierungen für Schrift und Bilder an Bussen oder Plakatwänden)

Was verdient man in der Ausbildung?
Beispielhafte Ausbildungsvergütungen pro Monat:
• 1. Ausbildungsjahr: 650 Euro
• 2. Ausbildungsjahr: 700 Euro
• 3. Ausbildungsjahr: 800 Euro

Benjamin Behrens 31.03.2021
28.02.2021
Politik gibt grünes Licht - Lösung für Musterhauspark in Sicht
Gunther Meinrenken 14.02.2021