Feuerwehrhaus Westercelle

BUND: Anzeige ja – Klage nein

Wegen angeblicher Naturschutz-Sünden bei den Vorbereitungen zum Bau des Feuerwehrhauses Westercelle hat der BUND die Stadt Celle angezeigt. Darum geht es.

  • Von Michael Ende
  • 07. Okt. 2020 | 18:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
  • Von Michael Ende
  • 07. Okt. 2020 | 18:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
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Westercelle.

Die Westerceller Feuerwehrleute und die Menschen, die sie in ihrem Ortsteil beschützen, wird es freuen, wenn am Donnerstag der Celler Stadtrat grünes Licht für den Bau des neuen Feuerwehrhauses an der Hannoverschen Heerstraße gibt. Angesichts klarer Voten in den Vorberatungen scheint das sicher zu sein. Doch Umweltschützer des BUND, die sich über ihrer Meinung nach missglückte Ameisen-Umsiedlungen und weitere Naturschutz-Pannen im Vorfeld beschweren, sind erbost. Sie haben wegen des ihrer Ansicht nach rücksichtslosen Vorgehens der Stadt Anzeige erstattet. Doch die dürfte den Bau kaum aufhalten. Gegen das Projekt insgesamt will der BUND keine Klage einlegen. Dafür wäre es auch ziemlich spät: Die Forstarbeiter, die mit ihren Motorsägen Platz für das Feuerwehrhaus schaffen müssen, könnten bereits morgen loslegen – theoretisch. Geplant sei das in dieser Woche noch nicht, heißt es aus dem Rathaus.

Stadt verpflichtet sich zum Artenschutz

Kritik hatte es daran gegeben, dass dem Neubau Bäume weichen müssen. Das Vorhaben nimmt 2600 Quadratmeter Wald in Anspruch, was die Stadt mit einer Ersatzaufforstung von 4378 Quadratmetern Wald ausgleichen will. Das sei zwar viel mehr als notwendig, doch aus Klimaschutzgründen sinnvoll, so die Verwaltung. Auch gegen die von der städtischen Umweltbehörde angeordnete Umsiedlung mehrerer Ameisenvölker durch den Vorsitzenden der Deutschen Ameisenschutzwarte Kreisgruppe Uelzen, Alfred Rabe , regt sich Protest. Auch als Reaktion darauf verpflichtet sich die Stadt, die in der Artenschutzrechtlichen Untersuchung zum Bebauungsplan festgelegten Maßnahmen durchzuführen und dauerhaft zu unterhalten: "Dies betrifft sowohl die Anbringung von Fledermausunterkünften und Nisthilfen als auch die Versetzung der Ameisennester soweit dies für den Bau der Feuerwehr erforderlich sein sollte. Die Stadt Celle verpflichtet sich für die entfallenden Alleebäume neue Bäume zur Ergänzung der vorhandenen Allee zu pflanzen und diese dauerhaft zu erhalten."

BUND hat Anzeige erstattet

Das ändert nichts daran: Der Celler BUND ist nicht zufrieden mit der Planung. Wird er deshalb auch dagegen klagen, ähnlich wie er mit dem Landes-BUND gegen die B3-Ostumgehung zu Felde gezogen ist? Auf CZ-Nachfrage hatte BUND-Aktivistin Helga Habekost dies zunächst offen gelassen. Jetzt erklärt Heinrich Lammers, Vorsitzender der BUND-Kreisgruppe Celle auf erneute Nachfrage, dass der BUND bei der Polizei Anzeige gegen die Stadt Celle erstattet habe. Die Umsiedlung der Ameisenvölker sei so unfachmännisch begonnen und noch nicht beendet worden, dass davon auszugehen sei, dass die betroffenen Völker wahrscheinlich nicht überlebten, weil die Königinnen noch immer tief im Westerceller Boden verblieben seien, so Lammers Vorwurf.

Auch Orchideen gefährdet?

Auch Orchideen-Pflanzen des „spätblühenden breitblättrigen Sitters“ drohten durch das Bauvorhaben unter die Räder zu kommen. Die Stadt müsse wegen Verstößen gegen artenschutzrechtliche Vorschriften zur Verantwortung gezogen werden, fordert Lammers, der gleichzeitig verneint, dass der BUND gegen das Feuerwehr-Projekt an sich klagen will. Er meint: "Da jetzt aber die Ameisenvölker noch nicht vollständig umgesiedelt worden sind und dies auch erst im nächsten Frühjahr erfolgen kann, darf man dort natürlich auch noch keine Bäume abholzen."

Darf man nicht? Das könnte den Bau des Feuerwehrhauses um ein Jahr verschieben. Die städtische Pressesprecherin Myriam Meißner schüttelt den Kopf: "Eine Entnahme von Bäumen wäre theoretisch sofort nach dem Satzungsbeschluss des Rates möglich." Also schon am Freitag.