Ausstellung eröffnet

Spezielle Faszination von Bilderzwillingen

Werke von Rainer Gross werden in der Galerie Koch in Hannover gezeigt - die meisten seiner Bilder tragen den Namen "Twins".

  • Von Cellesche Zeitung
  • 29. Sept. 2021 | 15:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
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  • 14. Juni 2022
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Hannover.

„Twins“ nennt Rainer Gross die meisten seiner Arbeiten, und tatsächlich sind in der Galerie Koch in Hannover vorwiegend Bildpaare zu sehen. Wobei die Bestandteile dieser Diptychen jeweils zwar unübersehbare Ähnlichkeiten aufweisen, aber doch nicht wirklich identisch sind – sie kommen also gleichsam nur bedingt wie eineiige Zwillinge daher.

Für Bildzwillinge werden zwei Leinwände auf unterschiedliche Art präpariert

Das hat mit dem Vorgehen des Künstlers zu tun, der in New York lebt, aber nach wie vor zuweilen in seinen Geburtsort Köln zurückkehrt – er ist übrigens gut mit „BAP“-Frontmann Wolfgang Niedecken befreundet. Für seine Bildzwillinge präpariert Gross zwei Leinwände auf unterschiedliche Art, bedeckt die eine mehrschichtig mit Ölfarbe, die andere mit in Wasser gemischten Pigmenten. Anschließend werden beide Teile aufeinandergepresst.

Muster nach dem Prinzip des kontrollierten Zufalls

Die besagten Differenzen in der Wirkung beider Bildtafeln kommen durch verschiedene Faktoren zustande, wobei der offensichtlichste ist, dass der Künstler nach der Fertigstellung eine Leinwand um 180 Grad zu drehen pflegt. Es ergeben sich aber auch Muster nach dem Prinzip des kontrollierten Zufalls: Zwar hat Gross im Laufe der Zeit Techniken entwickelt, wie man die Gestaltung beim Drücken bis zu einem gewissen Grad beeinflussen kann; auch spielt natürlich eine Rolle, welche Farben in welcher Form und Verteilung zum Einsatz kommen – das endgültige Erscheinungsbild, das durch die wechselseitigen Anhaftungen entsteht, lässt sich indes nie exakt voraussagen. Im Einzelfall würde der Betrachter nicht einmal mehr unbedingt auf die Idee kommen, dass ein Paar den gleichen Ursprung hat.

Namen sind willkürlich aus dem New Yorker Telefonbuch herausgepickt

Manche Diptychen wirken luftig, andere massiver. Mal dominiert eine Streifen-, mal eine Wirbelstruktur, und mal scheint sich ein feinadriges Geflecht über die Bildflächen auszubreiten. Die Titel der Arbeiten mögen die Fantasie des Betrachters anregen, ohne sie allerdings in eine bestimmte Richtung zu lenken: Wer über eine tiefere Bedeutung von „Morton Twins“, „Herzog Twins“ oder „Levine Twins“ nachzudenken beginnt, ist womöglich auf der falschen Fährte – laut Auskunft der Galeristen pickt Gross die Namen mehr oder minder willkürlich aus dem New Yorker Telefonbuch heraus.

Farbstarke Monotypien sowie Einzelbilder

Die Ausstellung zeigt auch einige farbstarke Monotypien auf Lithographie-Basis sowie Einzelbilder, bei denen das Gegenstück aus dem einen oder anderen Grund abhanden gekommen ist und die Gross zuweilen später weiter bearbeitet hat. Sie wirken zwar nicht gerade wie Fremdkörper in der Ausstellung – aber die spezielle Faszination der Zwillinge erreichen sie dann doch nur annähernd.

Von Jörg Worat

Die Ausstellung ist bis zum 16. Oktober in der Galerie Koch, Königstraße 50, in Hannover zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags bis freitags, 10 bis 18 Uhr, samstags, 11 bis 14 Uhr sowie nach Vereinbarung.

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