Ballett uraufgeführt

Erstes Ausrufezeichen der Saison gesetzt

Das Staatstheater Hannover ist mit der Uraufführung von Nadav Zelners Choreografie „Toda“ im Opernhaus in die neue Saison gestartet.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 28. Sept. 2021 | 15:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
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  • 28. Sept. 2021 | 15:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Hannover.

Eine Gottheit müsste man sein. Der ganze Tag stünde dann für das spielerische Ausloten eigener Möglichkeiten zur Verfügung, einschließlich der Fähigkeit, sich von der Bühne des hannoverschen Opernhauses in den Orchestergraben zu stürzen, ohne einen Kratzer davonzutragen. Das implizierte zumindest die Uraufführung von Nadav Zelners Choreografie „Toda“, mit der das Staatsballett das erste Ausrufezeichen der Saison setzte.

Warme Farben und Klänge dominieren Choreografie

Das Stück handelt von Göttinnen und Göttern, die zwar allmächtig sind, aber gleichwohl noch lernen müssen, mit diesem Potenzial auch angemessen umzugehen. Das klingt vielleicht konfliktreicher, als es sich in der Umsetzung darstellt, ist dies doch vor allem ein Abend der Beschwingtheit und der guten Laune. Warme Farben und warme Klänge dominieren in der knapp einstündigen Choreografie.

Hochmusikalische Compagnie serviert einen Bewegungs-Cocktail

Das Niedersächsische Staatsorchester unter Valtteri Rauhalammi ist zwischen Bach und Pärt für den elegischen Teil des Soundtracks zuständig, eine vierköpfige Celtic Band bringt zunehmend Leben in die Bude. Und die hochmusikalische Compagnie serviert dazu einen Bewegungs-Cocktail, der sich aus gemäßigter Moderne, einer Prise Riverdance, übermütigen Bocksprüngen und Reigenformationen, Anmutungen von Stammestänzen sowie ein paar klassischen Ballett-Einsprengseln zusammensetzt.

Geräuschhaftes vom Zischen bis zum Kampfschrei

Es gibt zahlreiche Mini-Moves, die jedoch stets im Fluss bleiben. Auch mimisch ist das Ensemble auf Zack, das immer wieder angehalten ist, Geräuschhaftes vom Zischen bis zum Kampfschrei von sich geben. Und der dramatische Höhepunkt ist der besagte, natürlich abgefederte Sturz in die Tiefe, aus dem ebenfalls Tanz wird, weil jeder und jede für diese Soloeinlage eine andere Pose wählt.

Im Bühnenbild von Eran Atzmon tauchen viele Dreiecke auf

Rollenzuschreibungen gibt es nicht, zudem sind die Figuren eher androgyn gestylt. Im Bühnenbild von Eran Atzmon tauchen viele Dreiecke auf, ein mehrdeutiges Symbol, das für Körper-Seele-Geist stehen mag oder für These-Antithese-Synthese. Wobei man den Abend allerdings nicht mit gar zu hoch angesiedelten Deutungsmustern überfrachten sollte.

Publikum spendet am Schluss langen Beifall

Einen Abend, der mit Schrifteinblendungen beginnt, wobei zwecks Schärfung der Innensicht als erstes vorgeschlagen wird, die Augen zu schließen – genau genommen ein etwas kurioses Begehren bei einer Ballettaufführung. Das Publikum schaut dann auch lieber hin und spendet am Schluss langen Beifall, der mit dem Begriff „begeistert“ fast noch unzureichend beschrieben ist. Und interpretiert damit den Stücktitel auf seine Weise – „Toda“ ist das hebräische Wort für „Danke“.

Von Jörg Worat

Weitere Termine jeweils um 20 Uhr im Opernhaus in Hannover: 1., 9., 13., 16., 21. und 29. Oktober sowie am 24. Oktober um 18.30 Uhr.

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