Blasorchester

Weltklasse-Tubist in Celler Reihen

Das Symphonische Blasorchester Celle probt für Weltpremiere im Februar. Der argentinische Solotubist Patricio Cosentino verstärkt die Reihen.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 15. Nov. 2021 | 13:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
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  • 15. Nov. 2021 | 13:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
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Celle.

„Die Dynamik in der Mitte bewahren! Nach Ludwig mehr Kraft in der Intensität!“ – die Ansagen von Dirigent Martin Göbel sind klar und deutlich, jedenfalls für die anwesenden Musiker bei den Proben des Symphonischen Blasorchesters Celle im Musikraum der Paul Klee-Schule. Als Amateur und Proben-Neuling ist man indes geneigt, bei der Ankündigung „Eins, zwo, eins – jetzt kommt Cesar“, den Blick zur Eingangstür zu wenden. Bald dämmert es einem aber doch, dass bei Ida, Heinrich, Berta und Co keine Personen gemeint sind, sondern der Verweis auf die Noten in der Partitur.

Kunst der Musiker beeindruckt

Die Stimmung ist konzentriert, aber nicht angespannt. Martin Göbel ist seine langjährige Erfahrung als Pädagoge und Musiklehrer anzumerken. Ihm gelingt es, einerseits präzise die notwendigen Korrekturen anzumahnen, andererseits für ein harmonisches Arbeitsklima zu sorgen. Als Zuhörer ist man beeindruckt von der Kunst der Musiker auf ihren Instrumenten und denkt mitunter, dass der Dirigent nicht so streng sein sollte, wenn er hier etwas mehr Tempo und dort etwas weniger Druck einfordert. Aber wenn dann sein erlösendes „So war es gut“ erklingt, erkennt man auch, dass die finale Version die richtige Spielweise war. Gut drei Monate sind noch Zeit bis zum großen Auftritt im Februar, doch schon nach der ersten Probe bestehen keine Zweifel, dass das Zusammenspiel der Musiker dann keine Wünsche offen lassen wird.

Es bedarf keiner prophetischen Fähigkeiten, um zu sagen, dass das Konzert eines der musikalischen Highlights 2022 in Celle werden wird. Das liegt auch an zwei ganz besonderen Faktoren: Zum einen handelt es sich bei dem Stück „A South American Fantasy“ aus der Feder des jungen deutschen Komponisten Georg Puntigam um eine Weltpremiere, und zum anderen kann das Celler Orchester mit Patricio Cosentino einen absoluten Weltklasse-Tubisten in ihren Reihen begrüßen.

Der gebürtige Argentinier lebt mittlerweile in Jena und gilt als einer der besten und aktivsten Tubaspieler Südamerikas. Im Jahr 2009 wurde er in das Sinfonische Staatsorchester Argentiniens berufen. „Zum Glück ist meine zweite Leidenschaft das Reisen und das Kennenlernen anderer Menschen und Kulturen“, sagt der sympathische Ausnahmemusiker lächelnd und spricht damit seine äußerst rege Reisetätigkeit an. Er spielt regelmäßig als Solo-Tubist in den renommiertesten Orchestern Südamerikas, Europas und den USA. Seine Liebe zur Musik und zu Deutschland wurde schon in seiner Kindheit in Buenos Aires geweckt. Seine Eltern arbeiteten in einem VW-Werk und Patricio besuchte eine deutsche Schule für Werksmitarbeiter.

Durch die Tanzlehrertätigkeit seiner Eltern ist er mit Musik praktisch aufgewachsen. Schnell zeigte sich in der ersten Musikschule sein immenses Talent und mit 15 Jahren war er felsenfest davon überzeugt, professioneller Musiker zu werden. Anfangs gegen den Willen seiner Mutter, die ihn viel lieber in einem normalen Beruf gesehen hätte, ohne die Unwägbarkeiten eines Musiker-Lebens.

„Mittlerweile ist sie aber sehr stolz auf ihren Sohn“, erzählt Patricio Cosentino und seine Freude darüber ist ihm anzumerken. Seine Ausbildung an der Musikhochschule „Franz Liszt“ in Weimar war für ihn ein sehr wichtiger Schritt. Er bezeichnet seinen damaligen Professor Walter Hilgers als sein Vorbild. Mittlerweile ist er selbst ein sehr gefragter Dozent und unterrichtet an der Brass Academy in Alicante, und führte das Jenaer Jugendorchester „BlechKlang“ zum deutschen Meistertitel.

Wer sich einen Eindruck von seiner Kunst verschaffen möchte, findet auf YouTube ein beeindruckendes Beispiel – der Musiker interpretiert das Stück „Contrabajeando“ des legendären argentinischen Komponisten Astor Piazzolla im Zusammenspiel mit Klavier. Um ihn live erleben zu dürfen, sichert man sich am besten rechtzeitig Karten für die Celler Weltpremiere im Februar.

Von Georg Wießner

Mehr Infos

Die beiden Abschlusskonzerte sind für Samstag, 5. Februar, um 17 Uhr in der Paul-Klee-Schule, Wittestraße 14, und am Sonntag, 6. Februar, um 15.30 Uhr in der Wandelhalle in Bad Nenndorf geplant. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.Es müssen die dann geltendenCorona-Regeln beachtet werden.

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