Theater

Superschräge Reise durchs Schauspielhaus

Sebastian Jakob Doppelbauer präsentiert am Samstag um 19.30 Uhr zusammen mit Oliver Meyer das Filmprojekt „Aller Abend Tage“ in drei Gängen ...

  • Von Cellesche Zeitung
  • 22. Jan. 2021 | 08:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Celle.

Originelle Kulturangebote sind zurzeit dringend gefragt. Sebastian Jakob Doppelbauer aus dem Ensemble des Schauspiels Hannover hat sich nun etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Beim Filmprojekt „Aller Abend Tage“ unternimmt der Darsteller, bekannt unter anderem durch die Verkörperung der Titelrolle in Schillers „Don Karlos“ und das Mitwirken in der Netflix-Serie „Biohackers“, eine superschräge Reise durch das Schauspielhaus. Einzelne Häppchen werden aktuell nach und nach auf der Facebook-Seite des Schauspiels veröffentlicht, am morgigen Samstag um 19.30 gibt‘s dann auf www.schauspielhannover.de die Premiere des kompletten Films im Rahmen einer Live-Show mit Gewinnspiel. Es ist schon eigenartig, was der Hauptfigur da in den unterschiedlichsten Räumlichkeiten widerfährt. Sonderbare Gegenstände wie leuchtende Flaschen tauchen auf, nicht minder eigenartige Gestalten kreuzen den Weg – wer rechnet etwa damit, inmitten der WCs Kronprinz Rudolf zu begegnen? Ganz zu schweigen vom dadaistischen Fahrstuhl … Wenigstens sind immer wieder Musikinstrumente griffbereit, auf denen sich unser verwirrter Antiheld austoben kann. Im Gespräch mit CZ-Mitarbeiter Jörg Worat äußert sich Doppelbauer zu seinem Projekt, das er zusammen mit Oliver Meyer entwickelt hat.

War das Projekt vom Ansatz her eine Spontan-Entscheidung, oder haben Sie gleichsam nach etwas gesucht, das man in der Pandemiezeit aufführen könnte?

Wie so oft bei solchen Dingen war es eine Mischung. Ich habe weniger an die Aufführung gedacht als an eine Möglichkeit, etwas zu pandemischen Zeiten zu machen. Ich habe zum Beispiel meinen Solo-Abend „Spielplatz der Helden“ als Hörspiel konzipiert und aufgenommen, und habe auch schon mehrfach mit dem Medium Film experimentiert. Da war es fast eine logische Konsequenz, besonders zu Zeiten des harten Lockdowns, filmisch zu arbeiten. Die erste Idee war aber so was wie ein digitaler Liederabend.

Wie würden Sie die Atmosphäre in den vielen Räumlichkeiten des Theaters zurzeit beschreiben – ist „gespenstisch“ ein passendes Wort?

Momentan ist alles sehr still, um und im Theater. Es finden keine Proben statt. Es ist für mich weniger gespenstisch als traurig, auch wenn es gute Gründe für den Halt auf freier Strecke gibt. Auf der anderen Seite muss man feststellen, dass man sich wirklich schnell an alles gewöhnt. Auch als wir die ersten zwei Monate im Herbst noch gespielt und geprobt haben, war es sehr schnell einfach wieder der Alltag. Ich hätte gerne noch eine Szene im Kostümfundus gedreht, ein stiller, leerer Raum mit tausenden Hosen und Hemden, die einmal getragen wurden auf der Bühne. Mir fällt auch das Wort „surreal“ ein.

Spielt das Musikalische bei Ihnen eine besondere Rolle, da Sie ja eine ganze Reihe von Instrumenten beherrschen? Und sind Sie mit dem Komponisten Josef Friedrich Doppelbauer verwandt?

Ich bin musikalisch vorbelastet, mache gerne selbst Musik, mein kleiner Bruder ist Musiker, bei uns zu Hause wurde immer Musik gemacht. Und ja, J.F. Doppelbauer ist mein Großvater.

Da Sie in Österreich aufgewachsen sind: Haben Sie vielleicht einen Hang zum Skurrilen, leicht schwarz Angehauchtem in Ihren Genen?

Ich kenne auch viele Österreicher, die keinen Humor haben und Skurriles und Dunkles blöd finden. Aber ich denke schon, dass mich das Land und seine Kultur stark sozialisiert haben, sei es Josef Hader, Helmut Qualtinger, Wiener Lieder oder auch Wolfgang Ambros.

Was passiert denn so alles in der abschließenden Live-Show? Ich bitte um ein paar geheimnisvolle Andeutungen, die die Leser neugierig machen.

Oliver Meyer und ich werden den Film in drei Gängen servieren und zwischendurch live im Stile einer Late-Show moderieren, Fragen beantworten, ein Gewinnspiel präsentieren und Bildungslücken zum Thema griechische Mythologie füllen.

Wie hat man sich das „Fensterkonzert“ vorzustellen, das man dabei gewinnen kann? Und was machen Sie, wenn der Sieger im 17. Stock wohnt?

Wir kommen mit einem Sprinter, einer Diskokugel und guter Laune angefahren und machen unter dem Fenster der Gewinner Musik. Wenn man im 17. Stock wohnt, muss man vielleicht ‘ne Jacke anziehen und zu uns auf die Straße kommen …

Von Jörg Worat

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