Weltklassik am Klavier

Reife, Gestaltungskraft und Technik

Die Pianistin Severine Kim hat im Wieckenberger Büchtmannshof mit ihrem Konzert in der Reihe „Weltklassik am Klavier“ das Publikum fasziniert.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 23. May 2022 | 15:00 Uhr
  • 14. Jun 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 23. May 2022 | 15:00 Uhr
  • 14. Jun 2022
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Wieckenberg.

Wie kann das sein: Da spielt eine junge Pianistin aus Südkorea mit fulminanter Technik Brahms und Liszt, ist wohl auch ganz gut im Geschäft bei kleineren Veranstaltern, aber bei einem breiteren Publikum ist sie kaum bekannt: Die Rede ist von Severine Kim, die in Celle mit ihrem Partner Knut Hanßen im vergangenen Jahr die Celler Sommerkonzerte ins Leben gerufen hat. Nun hat sie im Rahmen der Reihe Weltklassik.de im Wieckenberger Büchtmannshof einen fulminanten Klavierabend gegeben mit durchgehend hochromantischer Musik.

Schwierigste Programmpunkte in erster Hälfte

In der ersten Hälfte des Programms gab es die beiden für die Zuhörer schwierigsten Programmpunkte mit den vier Balladen von Johannes Brahms und der zweiten Ballade von Franz Liszt. Es folgten nach der Pause noch die acht Fantasiestücke von Schumann und die f-moll-Fantasie von Chopin. Sieht man einmal von den gut zugänglichen Stücken von Schumann ab, so war das ein Programm von einer gewissen Sperrigkeit, weil die ausgewählten Stücke vorzugsweise ins Innere führen. Ins Innere der Komponisten, der Musikerin und auch der Zuhörer.

Musik schlüssig und überzeugend dargeboten

Die Brahms-Balladen erzählen musikalisch von Konflikten und Stimmungsschwankungen, aber auch von der Gleichzeitigkeit unterschiedlichster Gefühlslagen, die sich in einer vielschichtigen Faktur der Musik äußert. Diese Balladen führen aber auch in ein Reich geistiger Klarheit, das meist nur reifen Musikern zugänglich ist. Dass die 1994 geborene Kim diese Musik so schlüssig und rundum überzeugend darbot, das war bereits die erste Überraschung dieses Konzerts.

Kim beweist nicht technische Überlegenheit

Der Höhepunkt folgte direkt danach mit der Liszt-Ballade, in der Kim nicht nur ihre technische Überlegenheit demonstrierte, sondern auch vorführte, wie sie in der Lage ist, weite musikalische Bögen zu spannen und ihr Spiel immer auf eine große Linie hin auszurichten. Sie verliert sich nicht in Details und in effektvoller Präsentation der schwierigsten Stellen, sondern lässt die Musik als atmendes Ganzes sprechen. Das war großartig.

Herausragende Pianistin bei Sommerkonzerten wieder in Celle

Nach der Pause faszinierte Kims Schumann zwar ob ihrer Fähigkeit, sich ganz auf die so unterschiedlichen Charaktere der einzelnen Stücke einstellen zu können, aber insgesamt fehlten hier wie auch beim abschließenden Chopin die leisen Töne. Da Kim eine großartige Gestalterin ist, verwunderte das ein wenig. Wie gut, dass diese herausragende Pianistin wohl spätestens im August im Rahmen der Celler Sommerkonzerte wieder hier zu erleben sein wird.

Von Reinald Hanke

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