Neustädter Kirche Celle

Konzert erinnert an 1700 Jahre Jüdisches Leben

Ganz besondere Musik für Orgel und Cello über jüdische und christliche Themen in der Neustädter Kirche Celle

  • Von Cellesche Zeitung
  • 07. Aug. 2021 | 14:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 07. Aug. 2021 | 14:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Celle.

Thorsten Laux, einst als Alternative für den inzwischen 25 Jahre im Amt befindlichen Ulfert Smidt als Organist der Marktkirche Hannover hoch gehandelt, hat inzwischen anderweitig beachtlich Karriere gemacht, hat eine Professur und tourt durch die gesamte Republik mit seinem gigantisch großen und originellen Repertoire, das nicht nur die übliche Orgel-Literatur umfasst, sondern auch viele Raritäten und Bearbeitungen.

Der aus der Domstadt Worms am Rhein stammende Musiker hat dabei auch durchaus seine lokalen Wurzeln im Blick und interessiert sich sehr wohl für Musiker aus seiner rheinhessischen Heimat, so unter anderem auch die Werke des ganz jung im Ersten Weltkrieg gestorbenen Rudi Stephan und die des Romantikers Friedrich Gernsheim. Dieser von Brahms sehr geschätzte jüdische Komponist hat unter anderem ein Stück für Cello und Orchester geschrieben, das Organist Laux für Orgel und Cello bearbeitet hat und das unter anderem in der Neustädter Kirche am kommenden Sonntag zur Aufführung kommen wird.

Differenzierter Orchesterklang auf neobarocker Orgel

Auf die Frage, wie sich denn der differenzierte Orchesterklang auf eine so kleine, neobarocke Orgel übertragen lässt, antwortet Laux entwaffnend: „Dann entgehe ich zumindest der Versuchung romantischen Orchesterklang nachmachen zu wollen. Ich muss auf andere Weise sehen, wie ich der Vorlage gerecht werden kann. Es wird was ganz Neues dabei entstehen, das aber doch getragen ist von den originalen Vorgaben des Komponisten.“

Ganz generell widmet sich dieses Programm mit dem Organisten Laux und dem Cellisten Stephan Breith dem Thema „Jüdisches Leben in Deutschland seit 1700 Jahren“. Dementsprechend kombiniert das Konzert Stücke christlicher und jüdischer Komponisten mit jüdischen und christlichen Themen. Darunter sind sehr bekannte Werke wie das Kol Nidrei von Max Bruch, gleichfalls einem Romantiker, oder Ernst Bloch, aber auch unbekanntere Stücke wie Eigenkompositionen des Organisten über Jüdische Psalmen und, als große Besonderheit für das Celler Kulturleben, ein vielgespieltes Cello-Stück des wie Stephan und Gernsheim gleichfalls rheinhessischen Komponisten Volker David Kirchner.

Improvisationskurs für nebenamtliche Organisten

Dessen Stück „Und Salomo sprach“ hat Breith im Rahmen der damals sehr renommierten Maifestspiele Wiesbaden uraufgeführt und inzwischen, so seine eigene Aussage, „bestimmt hundert Mal im Konzert musiziert“. Es handelt sich also um ein für zeitgenössische Musik außerordentlich viel gespieltes Stück, das „die Menschen immer erreicht. Das ist die große Qualität meines Musikerfreundes“. Kirchner sieht sich selbst in der Figur des Salomo, die in Christentum, Judentum und beim Islam eine Rolle spielt. Insofern ist diese Figur überreligiöser Art und passt ideal zu dem Menschen Kirchner, der sich insbesondere zum Alten Testament hingezogen gefühlt hat und als moderner Mystiker und musikalischer Bildermaler einen künstlerischen Weg beschritten hat, der immer ganz eigenständig geblieben ist und dabei nie die Bodenhaftung und eine gewisse religiöse Rückbezüglichkeit verloren hat. Man darf gespannt sein auf diese Klänge.

Und übrigens: Da Laux ohnehin schon mal vor Ort ist, gibt er am Samstag noch einen Improvisationskurs für nebenamtliche Organisten in der Laurentiuskirche in Nienhagen.

Von Reinald Hanke

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