NDR-Radiophilharmonie: Roter Faden fehlt bei Abend mit Saxofon-Solistin
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NDR-Radiophilharmonie: Roter Faden fehlt bei Abend mit Saxofon-Solistin

13:00 15.10.2021
Saxofonistin Jess Gillam hat mit ihren 23 Jahren schon für Furore gesorgt, nur leider nicht an diesem Abend im Großen Sendesaal.
Saxofonistin Jess Gillam hat mit ihren 23 Jahren schon für Furore gesorgt, nur leider nicht an diesem Abend im Großen Sendesaal. Quelle: NDR
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Wenn das Hauptinteresse bei einem Symphoniekonzert dem solistischen Part gilt, ist daran nichts Ungewöhnliches. Der jüngste Auftritt der NDR-Radiophilharmonie im Großen Sendesaal nahm diesbezüglich allerdings besondere Dimensionen an – zum einen, weil das Saxofon als Soloinstrument hier doch höchst selten zu erleben ist, zum anderen wegen der Interpretin Jess Gillam.

Mit gerade einmal 23 Jahren hat die Britin schon für viel Furore gesorgt. Sie setzte Ausrufezeichen bei den „Last Night of the Proms“, hat eine eigene Radiosendung und erreichte mit ihrem Debütalbum „Rise“ Platz eins der britischen Klassik-Charts.

Klassische Elemente mit Jazz und orientalische Anklängen

Wer bislang die Begriffe „Saxofon“ und „Musikerin“ kombinierte, landete zwangsläufig vor allem bei einem Namen: Barbara Thompson, bekannt unter anderem als Mitglied des legendären „United Jazz + Rock Ensemble“. Zu ihren Kompositionen gehört ein Concerto für Saxofone und Orchester, und eben dieses Stück war nun in Gillams Fassung zu hören.

Stilistisch ist es nicht ganz leicht festzulegen, kommen zu klassischen Elementen und solchen des Jazz doch auch orientalische Anklänge. Angelegt ist das Concerto für drei verschiedene Saxofontypen, Gillam nutzte jedoch nach Rücksprache mit der Komponistin nur das Alt- und das Sopran-Saxofon, wobei das prägnante Spiel auf dem letztgenannten Instrument den stärksten Eindruck hinterließ.

Klare Struktur fehlt

Insgesamt mangelte es zwar nicht an Abwechslung, wohl aber an einer durchgehend klaren Struktur, was an der Komposition liegen mag, aber auch bis zu einem gewissen Grad Joshua Weilersteins Dirigat geschuldet war, denn zuweilen übertönte das Orchester die Solistin. Die sich gleichwohl Platz zu schaffen wusste und punktuell mal kraftvolle, mal feinsinnige Glanzpunkte setzte. Spannend war das unter dem Strich schon, wirklich begeisternd aber nur selten – eine Zugabe in Gestalt eines teilweise atemberaubend flink vorgetragenen Stücks von Pedro Iturralde, bei dem wieder das Sopran-Saxofon zum Einsatz kam, klatschte das Publikum trotzdem heraus.

Formschwankungen bei Dirigent Weilerstein

Der US-amerikanische Dirigent Weilerstein zeigte beim rein britischen Programm dieses Abends gewisse Formschwankungen. Der Auftakt mit Benjamin Brittens „Four Sea Interludes“ aus der Oper „Peter Grimes“ geriet immer dann überzeugend, wenn Powerpassagen angesagt waren, und der abschließende „Sturm“ trug hier seinen Namen völlig zu Recht. Er wäre allerdings noch mehr zur Geltung gekommen, wenn zuvor auch zarte Momente eine größere Chance gehabt hätten – das war überwiegend etwas zu streng.

Edward Elgars „Enigma“-Variationen

Ein ganz anderes Bild ergab sich beim Abschluss mit Edward Elgars „Enigma“-Variationen. Nun klang‘s je nach Bedarf gediegen, heftig oder süffig, und der Dirigent stellte unter Beweis, dass er sein Orchester auch zu wahrhaft leisen Tönen führen konnte. So endete ein etwas durchwachsener Abend dann doch noch mit langem und lautem Applaus.

Von Jörg Worat

Das Konzert kann bis zum 11. November unter www.ndr.de/kultur nachgehört werden.

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