Weltklassik.de-Konzert

Starker musikalischer Neustart

Maya Ando hat auf dem Büchtmannshof in Wieckenberg ganz große Kunst des Klavierspiels im Weltklassik.de-Konzert abgeliefert.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 21. Juli 2021 | 14:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 21. Juli 2021 | 14:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Wieckenberg.

Diese ersten Takte bleiben besonders in Erinnerung: Maya Ando spielte zum Abschluss ihres Konzerts auf Einladung von Weltklassik.de im Büchtmannshof in Wieckenberg nach einer kurzen Scriabin-Einleitung die Ouvertüre zu Richard Wagners „Tannhäuser“ in der Klavierfassung von Franz Liszt. Und zwar dermaßen raffiniert abgetönt in den Klangfarben, dass es einem kalt den Rücken herunter gelaufen ist. Da hatte jeder Akkord seine ihm eigene Klangfarbe, die genau abgestimmt war auf die Akkorde davor und danach. Die Melodiestimme war gerade so herausgearbeitet, dass man sie leicht heraushörte, aber eben kein bisschen mehr. Das war perfekt ausbalanciert. Ganz große Kunst. Ando spielte das virtuose Stück auf einem Niveau, dass man glaubte, in einem renommierten Klavierzyklus einer großen Musikstadt zu sein. Aber man saß im kleinen, coronavollen Saal des Büchtmannshofes. Mehr als 40 Zuhörer waren es nicht, die dieses kleine Wunderwerk an pianistischer Kunst erlebten. Es gelang der so zierlich wirkenden Japanerin, mit einer Selbstverständlichkeit die immensen Schwierigkeiten dieses Stückes zu meistern, dass man kaum den eigenen Ohren traute.

Spiel mit geistiger Klarheit und technischem Vermögen

Zugegeben, es gab an Anfang und gegen Ende ein paar Stellen, in denen Ando das Tempo ein wenig reduzierte, um diese im Verlauf immer überbordendere Musik noch spielen zu können, aber das dürfte nur Fachpublikum gemerkt haben. Generell war es bewundernswert, mit welch geistiger Klarheit und mit welch technischem Vermögen Ando diese Musik darbot. Sie spielte immer auf die große Linie hin. Und weil es ihr gelang, diese große innere Linie zu behalten, darum wirkte ihr Spiel so gekonnt, auch wenn manch Passage sicher an der Grenze des Spielbaren war für Andos kleine Hände.

Chaconne in d-Moll von Bach wird zum weiteren Highlight

Ähnlich gut gelang ihr auch die berühmte Chaconne in d-Moll von Bach in der kongenialen Bearbeitung durch Ferruccio Busoni. Nur dass Ando hier viel weniger Wert legte auf Klangfarben als auf Klarheit. Auch hier: Ando spielte den großen Bogen des Stücks, der so schwer zu realisieren ist, dass dieses Stück oft in Einzelteile zerfällt. Hier war das nicht der Fall. Das war das andere Highlight des Klavierabends, der der erste nach der langen Coronapause war. Und in dem man staunen konnte, wie gut ein Yamaha-Flügel klingen kann, wenn er entsprechend gespielt wird.

Programmfolge wirkte willkürlich zusammengewürfelt

Schade war, dass die anderen Programmpunkte des Abends nicht so gut gelungen waren wie diese beiden Bearbeitungen. Robert Schumanns eingangs gespielte „Papillons“ blieben genauso blass wie Beethovens Sonate „Les Adieux“. Der Schumann wirkte ein wenig, als ob die Pianistin sich nicht recht trauen würde, die Unterschiedlichkeit, ja sprunghafte Andersartigkeit der verschiedenen Stücke auszukosten. Und beim Beethoven fehlte der innere Bogen, der den Bach-Busoni und Wagner-Liszt so auszeichnete. Das war irritierend, genauso wie die Tatsache, dass die Programmfolge mit Schumann und Bach-Busoni vor der Pause und Beethoven vor Scriabin plus Wagner-Liszt nach der Pause willkürlich zusammengewürfelt wirkte. Letztlich aber war das zweitrangig, denn die Faszination von Bach-Busoni und Wagner-Liszt überstrahlte alles.

Von Reinald Hanke

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