„Szenen einer Ehe“

Letzte Saisonpremiere führt zu Beifallssturm

Die letzte Saisonpremiere „Szenen einer Ehe“ nach Ingmar Bergman hat im Schauspielhaus Hannover zu einem Beifallssturm geführt.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 15. Juni 2022 | 10:00 Uhr
  • 21. Juni 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 15. Juni 2022 | 10:00 Uhr
  • 21. Juni 2022
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Hannover.

Die Figuren haben keine Namen, ihre Berufe sind nicht definiert, und sie drücken sich mindestens ebenso viel über Bewegung wie rein sprachlich aus: Es ist schon ein eigenartiges Personal, das da die Bühne im Schauspielhaus bevölkert. Und muss man das Ganze „Szenen einer Ehe“ mit dem Untertitel „Paartänze nach Ingmar Bergman“ nennen? Nein, aber man kann – und das Schauspiel Hannover sammelte mit seiner letzten Saisonpremiere durchaus einige Pluspunkte.

Haltungen hinter den Handlungen

Schlicht nacherzählt werden die beiden Filme „Szenen einer Ehe“ und „Sarabande“ der schwedischen Regie-Legende Bergman hier nicht. Regisseur Stephan Kimmig und Dramaturg Mazlum Nergiz haben sich vielmehr auf die Suche nach den Haltungen hinter den Handlungen begeben und sie auf je drei Darstellerinnen und Darsteller verteilt. Die jederzeit in jede Rolle schlüpfen können, unabhängig von Geschlecht und Alter.

Tanz spielt eine große Rolle

Und so führen Fabian Dott, Tabitha Frehner, Anja Herden, Lukas Holzhausen, Torben Kessler und Irene Kugler einen Reigen der Befindlichkeiten auf – im wahrsten Sinne des Wortes, denn der Tanz spielt tatsächlich eine große Rolle. Choreograph Bahar Meri hat eine Reihe von recht gut nachvollziehbaren Bewegungsmustern entwickelt, die auch parallel ablaufen können: Dann tanzt ein Paar schwungvoll-harmonisch, das zweite wie Kampfhähne, das dritte mit klarer Verteilung der Machtpositionen.

Einsamkeit in der Zweisamkeit

Inhaltlich geht’s nicht nur um die Ehe – das Fremdgehen, die Diskussion über das Kinderkriegen und vor allem die Einsamkeit in der Zweisamkeit sind übergeordnete Themen, die auch Unvermählten bekannt sein dürften.

Schlussbild hat etwas Besänftigendes

Irgendwann müssen sich die namenlosen Figuren gegenseitig davon abhalten, gewaltsam übereinander herzufallen; das Schlussbild wiederum hat etwas Besänftigendes. Und dann rastet das Publikum beim Beifall fast aus.

Von Jörg Worat

Weitere Termine im Schauspielhaus Hannover: 17. Juni (anschließend Nachgespräch und Buchvorstellung) und 28. Juni, jeweils um 19.30 Uhr, sowie 6. Juli, 19 Uhr.

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