Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Kultur Aus Fragmenten wurden „Satzteillager“
Celle Aus der Stadt Kultur

Lesung der Ernst-Schulze-Gesellschaft mit Tobias Premper und Martin Lechner

19:08 23.09.2021
Martin Lechner und Tobias Premper lesen aus ihren Werken.
Martin Lechner und Tobias Premper lesen aus ihren Werken. Quelle: Rainer Schiedung
Anzeige
Celle

Im Garten des Kanzleicafés lasen zwei Autoren, Tobias Premper aus Celle und Martin Lechner aus Berlin. Sie begannen damit, dass sie erzählten, wie sie sich kennengelernt hatten. Martin Lechner war auf das Buch von Premper „Durch Bäume hindurch“ gestoßen und hatte den Autor kennenlernen wollen. Die beiden hatten sich dann daran gemacht, zusammen ein Buch mit kurzen Texten zu erarbeiten. Das gemeinsame Arbeiten habe sie beflügelt. Das jetzt vorgestellte Werk „Gelati! Gelati!“ enthält 99 Kurztexte, literarische Miniaturen, 33 von Martin Lechner, weitere 33 von Tobias Premper und 33 gemeinsam geschriebene. Einige davon konnte das Celler Publikum in einer abwechslungsreichen Lesung genießen.

Einer der Autoren las einige eigene Texte, dann folgte der andere mit seinen Texten. Dann wieder lasen sie mit wechselnden Rollen den einen und anderen gemeinsamen Text. Dazwischen gab es Schilderungen zur Entstehung.

„Miniaturen“ mit existentiellen Fragen

Lebhaft, ja emotional bei aller Verhaltenheit, trug Martin Lechner als Erster fünf Kurztexte vor. Unter dem Titel „Kurbel“ wird ein Mensch beschrieben, der ergebnislos und mehr und mehr verzweifelt Sinn und Zweck von etwas Vorhandenem herauszufinden sucht, hier einer unerklärlichen Kurbel im Keller, während Frau und Kind naiv ihr Leben leben. So ist manche Miniatur gekennzeichnet durch Absurdes, Skurriles, auch durch sich immer mehr steigernde Skurrilitäten und Absurditäten. Nicht selten sind die Zuhörer überrascht, weil sie das Ende des Textes noch nicht erwartet haben. Man stutzt und sinnt nach. Gerade in ihrer knappen Form stellen die „Miniaturen“ existentielle Fragen, nach dem Ich-Sein, nach der Sinnhaftigkeit von Aufgaben.

Die Lesungen, die abwechselnd einzelne Sätze durch Stimmlagen und Tempi interpretierten, machten anschaulich, wie sich beide Autoren gegenseitig angeregt, kritisiert, bestätigt haben. Humorvoll und auch selbstkritisch berichteten sie vom intensiven Austausch zu Inhalten und Sprachfassungen. „Aus Fragmenten wurden ,Satzteillager‘“, beschrieb Tobias Premper einen Aspekt der Zusammenarbeit. Das Publikum wurde etwa mit der Frage einbezogen, wer in den „Miniaturen“ zitierte Dichter oder Plätze kenne. Als Tobias Premper seinen Text „Fischer, Frau, Butt“ las, machte es dem Publikum Vergnügen, eine Variation des Grimm'schen Märchens zu hören, die einem nahezu den Atem verschlug. Starker Beifall dankte den Autoren am Schluss.

Von Lothar Haas

Ausstellungen eröffnet - Grenzen fließender gestalten
23.09.2021
Chor.com startet - Gegenseitiges Inspirieren
22.09.2021
Konzert auf Museumshof - Jazz für Feinschmecker
21.09.2021