Concerto Narrativo

Residenzklänge überraschen

Der Abend unter dem Titel „Musik. Macht. Politik – Friedrich II regiert mit Politik“ im Rittersaal des Residenzmuseums

  • Von Cellesche Zeitung
  • 13. Juni 2022 | 14:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Cellesche Zeitung
  • 13. Juni 2022 | 14:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Celle.

Das ist ein Format, das wie geschaffen ist für ein Konzert innerhalb eines Museums. Dorothee Knauer hat mit dem Typus „Concerto Narrativo“ eine Kombination aus historischem Vortrag und Konzert entwickelt, in dem Geschichte klingend vermittelt wird.

Einheit von Form und Inhalt

An dem Abend mit dem Titel „Musik. Macht. Politik – Friedrich II regiert mit Politik“, der im zum Celler Residenzmuseum gehörenden Rittersaal stattfand, konnte man eine Einheit von Form und Inhalt erleben, die ein ganz spezielles Erlebnis von Musik, aber auch von Geschichte ermöglicht. Man hörte Musik, in der sich die Geisterhaltung des Kronprinzen und Königs Friedrich II widerspiegelt und bekam erläutert, inwiefern diese Musik in ihrer Beschaffenheit etwas über die gesellschaftspolitischen Vorstellungen Friedrichs aussagt.

Mit Emotion gesungen

Man erlebte von Knauer selbst verfasste und von ihr und dem Flötisten Ekkart Altenmüller vorgetragene Texte, die den Gang der Geschichte Europas genauso beleuchteten wie den Gang der Musikgeschichte. Und zwar auch in Abgrenzungen zu anderen politischen und kulturellen Zentren wie Dresden und Wien. Das passte geradezu ideal in das Museum. Und offensichtlich sahen das auch die interessierten Bürger Celles so, denn der Besuch dieses Concerto Narrativo war erfreulich gut. Der berechtigt üppige Applaus sorgte denn auch für die Wiederholung eines der interessantesten Stücke des Abends, nämlich einer Cavatina von Wilhemina von Bayreuth, der geborenen Prinzessin von Preußen: Kerstin Weise sang dieses Stücks mit voller Emotion während sich das kleine Ensemble von Dorothee Knauer an der Geige und Eckart Altenmüller an der Traversflöte zusammen mit Lisa Michaelis am Cembalo hier eher zurückhielt. Diese hatten in anderen Stücken reichliche Möglichkeiten ihr Können zu zeigen.

Musikalische Zeitströmungen widergespiegelt

Ob die vorgestellten Stücke alle wirklich musikalisch entdeckenswert sind, darüber kann man sicher unterschiedlicher Meinung sein. Hoch interessant waren sie allemal. Und Johann Adolph Hasses Musik sollte wirklich mal öfter zu Gehör gebracht werden. Diese ist in Norddeutschland nicht nur wegen seiner Herkunft aus Hamburg interessant, sondern auch weil sich in ihr auf kreative Weise so viele musikalische Zeitströmungen widerspiegeln. Die hier musizierte dritte Violinsonate bestätigte das einmal mehr. Dieses Konzertformat ruft nach einer Fortsetzung, vielleicht mit Celler Bezug?

Von Reinald Hanke

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