Hermannsburger Kantorei

Kleinerer Chor überzeugte nicht so wie sonst

Ein fast spontanes Konzert in Hermannsburgs Kirche „Peter und Paul“. Darum hatte es der Chor schwerer als bei anderen Auftritten.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 17. May 2022 | 13:00 Uhr
  • 14. Jun 2022
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  • 17. May 2022 | 13:00 Uhr
  • 14. Jun 2022
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Hermannsburg.

Hermannsburg ist dank des langjährigen Wirkens von Hans Jürgen Doormann eine Hochburg der Kirchenmusik. Dementsprechend waren die Erwartungen an das als Musikandacht titulierte kleine Konzert in „Peter und Paul“ hoch. Jedoch: Dieses Mal wurde man etwas enttäuscht. Wie man im Nachhinein erfahren konnte, hatte das aber nachvollziehbare Gründe.

Der Schütz gelang dem Chor gut

Zunächst sangen Mitglieder der Kantorei den Psalm 98 aus dem sogenannten Becker-Psalter in der Vertonung von Heinrich Schütz. Das klein besetzte Orchester unterstützte zwar den Chor, was meist ein Zeichen dafür ist, dass ein Chorleiter bei einem solchen, nicht ganz einfachen Stück der Sicherheit des Chores nicht ganz traut, was aber hier nicht nötig gewesen wäre. Der Schütz gelang dem Chor gut.

Es folgte die Kreuzstabkantate von Johann Sebastian Bach, in der der Chor nur den Schluss-Choral anzustimmen hat. Der klang aber eher diffus und sowohl technisch als auch musikalisch vage. Die große Bass-Partie sang dabei Peter Kubik zwar durchaus überzeugend, aber auch keineswegs auf dem Niveau, das man von ihm in anderen Konzerten schon gehört hatte. Das kleine Orchester agierte speziell in den Bläsern sehr klangschön und, bedacht auf atmende Phrasierungen, alles in allem gekonnt, aber keineswegs immer sicher.

Felix Mendelssohn-Bartholdys musikalisches Gebet

Als drittes Werk stand noch Felix Mendelssohn-Bartholdys musikalisches Gebet „Verleih uns Frieden gnädiglich“ auf dem Programm. Hier jedoch ernüchterte der dünne Chorklang dann doch arg. Im Grunde ist dieses Stück eine einzige, von einem weiten Spannungsbogen getragene Steigerung, die leise beginnend immer intensiver wird. Hier allerdings geriet der Anfang mit den Herren des Chores klanglich dermaßen dünn und unsicher, dass der Gesamteindruck doch sehr litt. Natürlich: Die meisten Chöre der Region würde sich erst gar nicht an diesen Chorsatz herantrauen, aber in Hermannsburg ist man eben anderes gewohnt.

Beim nachträglichen Gespräch mit dem Chorleiter klärte es sich, warum dieser Abend musikalisch ein wenig enttäuschend verlief: Die erfreulichen finanziellen Zusagen seitens der Landeskirche und privater Spender kamen erst sehr spät, so dass dieser Termin nur sehr kurzfristig angesetzt werden konnte. Da allerdings waren viele Chorsängerinnen und Chorsänger bereits privat verplant und standen nicht zur Verfügung. Und das erklärte dann auch, warum die Kantorei so klein besetzt war und etwas verunsichert wirkte.

Von Reinald Hanke

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