Celler Satdtkantorei

"Messias": Auf den großen Bogen bedacht

Es war ein gelungener Neustart der Celler Stadtkantorei unter Gastdirigent Tammo Azam, der da am Sonntag in der Celler Stadtkirche zu erleben war.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 20. Jun 2022 | 15:30 Uhr
  • 21. Jun 2022
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  • 20. Jun 2022 | 15:30 Uhr
  • 21. Jun 2022
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Celle.

Das dritte Chorkonzert innerhalb von vier Tagen: Nun stand noch das erste große Oratorienkonzert der Celler Stadtkantorei an, die unter dem Gastdirigenten Tammo Azam Händels „Messias“ einstudiert hat. Celles Kantoreichef Stephan Doormann war längerfristig ausgefallen, weshalb dieser junge Dirigent aus Hannover übernommen hatte. Man kann generell vorab sagen, dass dieser junge, aus Ostfriesland stammende Dirigent, der zurzeit im Examen als Humanmediziner steht, diese Aufführung nicht nur gerettet, sondern auch stark musikalisch geprägt hat.

Tammo Azam fällt auch als guter Orchesterleiter auf

Azam zählt offensichtlich nicht nur durch sein Doppelstudium zu den vielseitig hochbegabten Menschen, sondern ist auch im Bereich der Musik sehr breit aufgestellt. Er ist nämlich sofort als guter Orchesterleiter aufgefallen. Das Orchester La Festa Musicale hat sich speziell in den Streichern als ein Klangkörper erwiesen, der weit mehr kann, als nur die übliche Routine der Alten-Musik-Szene abzurufen, sondern wirklich so sensibel wie pointiert, so melodisch weit ausschwingend wie rhythmisch auf den Punkt gebracht gespielt hat, dass eine enorme Ausdrucksdichte und Tiefe entstehen konnte. Das war an sich schon eine sehr positive Sache, wundert aber insofern nicht, als Azam mit seinem eigenen Orchester „Ensemble Geräuschkulisse“ wohl schon einige profilierte Aufführungen zustande gebracht hat.

Händchen für den Chor

Aber Azam hat darüber hinaus auch ein klar führendes Händchen für den Chor, der sich in einer erfreulich guten Verfassung präsentierte. Da merkte man nur bedingt, wie lange der Probenbetrieb eingeschränkt oder gar unmöglich war. Die Stadtkantorei sang, von wenigen Momenten abgesehen, mit erfreulicher Klangfülle und Sicherheit, wenngleich nicht immer mit der Homogenität, die man idealerweise erwarten würde. Aber das ist wohl vor allem eine Corona-Folge.

Mitreißendes Spiel

Bemerkenswert war außerdem, dass Azam nie kleinteilig musizieren ließ, sondern immer auf den großen Bogen bedacht war. Trotzdem hörte man ein sehr detailfreudiges und pointiertes und in den schnellen Teilen geradezu mitreißendes Spiel. In den ersten beiden Teilen des dreiteiligen Stückes klappte Azams Ansatz bestens. Lediglich im dritten Teil ließ dann doch die innere Spannung spürbar nach, was aber vor allem an der nicht sehr geglückten formalen Gestaltung des Oratoriums durch Händel gelegen haben dürfte. Das Stück verschenkt, wie viele Oratorien und Opern Händels, doch einiges seiner Qualität durch seine zu vielen ähnlichen Nummern. Es ist eben nicht jedes einzelne Stück so genial und eingängig wie das berühmte „Halleluja“.

Feuerwerkt der Sangeskunst

Gerade unter den virtuosen Solo-Arien findet sich aber noch das eine oder andere weitere Meisterwerk. Mit diesen konnten sich die Sopranistin Cariney Tinney und Tenor Michael Connaire besonders profilieren. Sie boten zeitweise ein Feuerwerk der Gesangskunst. Da konnte Azam froh sein, dass ihm Doormann mit den Genannten plus Anna Padalko (Alt) und Peter Kubik (Bass) solch gute Solisten angeboten hat.

Gerne wieder

Diesen Dirigenten möchte man auf jeden Fall wieder in Celle hören. Mit welchem Orchester oder Chor auch immer. Der große Beifall, auch vom Chor für den Dirigenten, war absolut berechtigt.

Von Reinald Hanke

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