Besonderer Fokus

Deutscher Lichtkunstpreis in Celle verliehen

Im Celler Kunstmuseum ist der Deutsche Lichtkunstpreis an Ulrike Gehring verliehen worden. Erstmals ging die Auszeichnung nicht an einen Künstler.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 22. May 2022 | 20:23 Uhr
  • 14. Jun 2022
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  • 22. May 2022 | 20:23 Uhr
  • 14. Jun 2022
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Celle.

Im Rahmen eines Festakts mit geladenen Gästen ist am Sonntag im Celler Kunstmuseum der Deutsche Lichtkunstpreis 2022 an die Kunsthistorikerin Ulrike Gehring verliehen worden. Die Professorin an der Universität Trier gilt als internationale Expertin für Lichtkunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Zum ersten Mal geht damit ein Preis für „Lichtkunst“ nicht an einen Kunstschaffenden für dessen Arbeiten, sondern an eine Wissenschaftlerin, die sich auf vielfältige Weise der – salopp gesagt – theoretischen Seite von Kunst mit Licht verschrieben hat.

Deutscher Lichtkunstpreis in Celle an Wissenschaftlerin Ulrike Gehring verliehen

Die Entscheidung für Gehring erklärt Museums- und Stiftungsgründer Robert Simon so: „Lichtkunst kann sich langfristig nur dann auf hohem Qualitätsniveau weiterentwickeln und ihr großes Potenzial international entfalten, wenn Kunstproduktion, Forschung und Vermittlung Hand in Hand gehen. Ulrike Gehring führt dies mit ihrer außerordentlichen Arbeit als Forscherin, aber auch als Lehrstuhlinhaberin beispielhaft vor Augen“. Die Öffnung des Kunstpreises Richtung Lichtkunstforschung sei eine bewusste Entscheidung der Jury, die damit auf die Notwendigkeit einer stärkeren Vernetzung von künstlerischer Praxis, wissenschaftlicher Forschung und kuratorischer Arbeit aufmerksam macht.

Plädoyer für übergreifenden Umgang mit Lichtkunst

Nach der Begrüßung durch Oberbürgermeister Jörg Nigge und der Laudatio von Mischa Kuball kam die neue Preisträgerin selbst zu Wort. „Die Auseinandersetzung mit Lichtkunst verlangt interdisziplinäres Denken.“ Es wurde ein kurzes, aber deutliches Plädoyer für einen übergreifenden Umgang mit Lichtkunst – sowohl was das Erschaffen, die Betrachtung und Analyse, als auch die Weitergabe und Lehre betrifft – eine neue Sichtweise für die Arbeit und den Umgang mit (nicht nur dieser) Kunst in der Zukunft. Eine Faszination des Mediums Licht bestünde für sie darin, dass es gewohnte Wahrnehmungsmuster infrage stelle. Wie, aber auch wodurch, wirkt etwas? Wie macht sich das wo bemerkbar und wie lassen sich diese Erkenntnisse nutzen und aktiv umsetzen und anwenden? Die Nähe zu den Naturwissenschaften sei bei Lichtkunst besonders stark. „Es geht darum, die Fragestellungen zu Ästhetik und Wahrnehmung mit naturwissenschaftlichen Erkenntnissen zu verknüpft“. Disziplinen überschreitend angelegt ist deshalb auch ihr großes Engagement für die Vermittlung, Reflexion und Präsentation des Mediums Lichtkunst.

"Lichtkunst verdient wissenschaftliche Forschung"

Ulrike Gehring: „Ich war sehr überrascht, als mich die Nachricht, für den Preis ausgewählt zu sein, erreichte. Ehrlich gesagt dachte ich zuerst, man wolle mich für die Jury zur Auswahl dabeihaben. Jetzt freue ich mich natürlich sehr. Auch, weil damit ein Zeichen gesetzt wird, dass Lichtkunst längst mehr ist als eine zu wenig beachtete ,Randerscheinung‘ im gesamten Kunstspektrum – und verstärkt auch übergreifende wissenschaftliche Forschung verdient.

Von Doris Hennies

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