"Die weiße Krankheit"

Umgang mit ethischen Fragen

Karel Capeks „Die weiße Krankheit“ wird als Stück der Stunde vom Celler Schlosstheater in Halle 16 auf dem Gelände der CD-Kaserne aufgeführt.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 17. Sept. 2021 | 13:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
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  • 17. Sept. 2021 | 13:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Celle.

Nun ist es endlich soweit: Das historische Stück der Stunde, wie man in Anbetracht der Pandemie sagen könnte, kommt endlich zu seiner deutschen Erstaufführung: Karel Capeks 1937 uraufgeführtes Stück „Die weiße Krankheit“. Schlosstheaterchef Andreas Döring hatte das Stück ausgegraben, das einst, in den Ländern um Deutschland herum, ein großer Erfolg war, inzwischen aber komplett vergessen wurde. Im vergangenen Winter sollte die Deutsche Erstaufführung sein, die wegen Corona nicht stattfinden konnte. Stattdessen wurde eine Filmfassung erarbeitet, die als Stream abrufbar war. Nun aber ist endlich Live-Premiere.

Tödliches Virus geht um

Die Ausgangssituation des Stückes: Ein Virus geht um. Eine kleine Stelle am Körper wird zunächst weiß, dann empfindungslos, stirbt letztlich ab. Es verbreitet sich im ganzen Körper und führt zum Tode. Es gibt zwar ein Mittel gegen die Krankheit, aber niemand weiß, damit umzugehen außer einem Arzt, der nur ein paar arme Menschen behandelt. Generell aber weigert er sich, seine Therapie bekanntzugeben, solange sich nicht alle Staaten zur friedlichen Koexistenz verpflichten, nicht einmal den Machthaber seines eigenen Staates, denn dieser hat gerade einen Krieg angezettelt.

Stück auf vier unterschiedliche Figuren konzentriert

Wer das Stück liest, dem fällt sofort auf, dass die Figuren eher Thesenträger in einem Diskurs über medizinisches und wissenschaftliches Ethos, gesellschaftliche Verantwortung und Machtmissbrauch sind als lebendige Figuren. Das Schlosstheater hat dieses Stück konzentriert auf vier sehr unterschiedliche Figuren, die vehement um den richtigen Umgang mit der Situation streiten.

Aktuelle Aspekte rücken in den Vordergrund

Regisseur Tim Egloff hat sich in der Umsetzung der Vorlage nicht für eine naheliegende Aktualisierung entschieden, sondern überlässt das Stück in seiner Vielschichtigkeit der Deutung der Zuschauer. Es wurden nur diejenigen Aspekte des Stücks gestrichen oder in den Hintergrund gerückt, die heute nicht mehr interessant sind. Dadurch rücken diejenigen Aspekte in den Vordergrund, die aktuell sind. Jeder Besucher dieser Aufführung wird die Parallelen zur Situation zur Zeit der Machtergreifung Hitlers genauso erkennen wie die ganz anders gelagerten Beziehungen zur Gegenwart.

Thesentheater mit lebendigen Figuren

Als zum Ende der vergangenen Saison die Live-Premiere für diese Spielzeit geplant werden sollte, da stellte sich heraus, dass eine Schauspielerin nicht mehr zur Verfügung stehen würde. Man entschloss sich, die Rolle mit einem Schauspieler zu besetzen, was die Frage aufwarf, ob das nicht die ganz Inszenierung verändern würde. Regisseur Egloff hat das nicht verneint, aber zugleich zum Ausdruck gebracht, dass es in diesem Stück gar nicht darauf ankomme, ob eine Figur weiblich oder männlich ist. „In einem Thesentheaterstück sind die Rollen ohnehin weitgehend geschlechtsneutral. Aber: Thesentheater bedeutet hier nicht langweiliges Diskussionstheater. Wir werden aus diesen Thesenträgern lebendige Figuren machen. Dabei ist es optimal für uns, dass mit Dirk Böther ein Schauspieler die Rolle von Zora Fröhlich übernimmt, den ich schon lange kenne. Wir müssen nicht erst eine gemeinsame Sprache finden, die haben wir von Anfang an.“ In der Inszenierung spielen außerdem Berenice Brause, Pia Noll und Verena Saake.

Von Reinald Hanke

Die Premiere findet am Donnerstag, 23. September, um 20 Uhr in der Halle 19 des Schlosstheaters auf dem Gelände der CD-Kaserne statt.

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