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Kultur Probe in gespenstischer Atmosphäre
Celle Aus der Stadt Kultur

Celler Juventis-Jugendchor schickt adventliche Chorklänge in die ganze Welt

04:30 13.12.2020
Stephan Doormann bei der Chorwebinarprobe im Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasium.
Stephan Doormann bei der Chorwebinarprobe im Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasium. Quelle: Oliver Knoblich
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Celle

Einige Jahre schon war es gute Tradition, dass der Juventis-Jugendchor des Kaiserin-Auguste-Viktoria-Gymnasiums (KAV) in der Adventszeit ein musikalisches Ständchen in den Räumen der CZ gibt. In diesem Jahr war das coronabedingt nicht möglich. Aus dem Kontakt aber entstand eine neue Idee: Beide Seiten vereinbarten ein Weihnachtslieder-Videoprojekt. Gemeinsam produziert man in diesen Tagen unter dem Titel "Weihnachtslieder aus dem Jugendzimmer" kleine Videoclips, mit denen der Chor seinen musikalischen Gruß über die Onlinekanäle der Celleschen Zeitung in den Landkreis Celle und in die ganze Welt schickt. Am morgigen Sonntag gibt es eine weitere Folge.

Besondere musikalische Unterrichtsform

Wie aber werden diese Videos eigentlich produziert in Zeiten, in denen keine normalen Chorproben möglich sind? Chorleiter Stephan Doormann nutzt zu diesem Zweck eine besondere musikalische Unterrichtsform, bei der er irgendwo am Klavier sitzt und Begleitung sowie die entscheidende Stimme spielt und dies über Mikrofon und Internet an die zu Hause vor ihren Computern sitzenden jungen Sängerinnen und Sänger schickt. Diese proben das dann zunächst mit dem Chorleiter und anschließend – in großer Selbstdisziplin – allein für sich. Sobald jedes einzelne Chormitglied das Gefühl hat, die vereinbarte Stimme zu können, nimmt es diese auf und schickt sie als Datei an den Chorleiter.

Der kann dann, am heimischen elektronischen Mischpult sitzend, diese mit den anderen Stimmen zusammenführen. Parallel dazu filmt Oliver Knoblich im Auftrag der CZ Impressionen aus dem weihnachtlichen Celle, um daraus am Ende gemeinsam mit den Gesangsaufnahmen die Videoclips zu produzieren.u produzieren.

Chormitglieder wissen genau, was Stephan Doormann erwartet

Mit normaler Chorarbeit und Chorproben hat das wenig zu tun. Und es kann auch in dieser Form nur deshalb halbwegs funktionieren, weil im Juventis-Chor viele junge Chormitglieder schon länger dabei sind, so dass diese genau wissen, was ihr Chorleiter von ihnen erwartet. Problem dieser Art Probe – Doormann nennt sie Chor-Webinar – ist nämlich, dass er seine Sängerinnen und Sänger nicht hört. Vielmehr verständigt man sich die meiste Zeit der Probe über den Chat oder gibt über den Bildschirm Zeichen, dass der Chorleiter etwas noch einmal vormachen oder erklären solle. So kann man eine solch stumme Chorprobe vielleicht am ehesten als theoretische oder abstrakte Probe bezeichnen.

Prophylaktische Hinweise auf Probleme

Es wirkt geradezu gespenstisch, wenn Doormann vor seinem Flügel sitzend vor dem eigenen Computerbildschirm mit der eingebauten Kamera so agiert als hätte er den ganzen Chor vor sich, in Wirklichkeit ist aber niemand vor Ort. Er macht vor, erklärt, wie man diese oder jene Stelle singen soll, worauf zu achten ist und weist auch Einzelne auf individuelle Probleme hin, als ob er gerade etwas Falsches gehört hätte. Er hat aber gar nichts gehört, weiß allerdings genau um die Stärken und Schwächen seiner Chormitglieder und erklärt quasi prophylaktisch, wo es welche Probleme geben könnte.

Mikrofone an Computern sind zu schlecht

Stellt sich für den aus der entferntesten Ecke des ständig gelüfteten Raumes beobachtenden Zuhörer die Frage, warum Stephan Doormann die ganze Zeit den Ton seines PCs ausgeschaltet lässt. Im Gespräch stellt sich heraus, dass dahinter vor allem ein technisches Problem steht, nämlich das der leichten zeitlichen Verzögerung zwischen live und Liveübertragung. Die Leitungen sind zu langsam, die Datenmengen viel zu groß. Deshalb können Chorleiter und Sänger in einer solchen Situation nicht gleichzeitig agieren. Man wäre nie beisammen. Und außerdem sind die Mikrofone an den Computern viel zu schlecht. „Wegen der Tonhöhen mache ich mir bei meinem Chor keine Sorgen – die treffen die Töne auch ohne mich“, sagt Doormann. Ja, da hat ein Chorleiter großes Vertrauen in seine Sängerinnen und Sänger. Und weniger Vertrauen in die Technik.

Von Reinald Hanke

Wer die Ergebnisse dieser Aufnahmen erleben will, findet die Weihnachtslieder-Videoclips auf der CZ-Homepage unter www.cz.de/Thema/CZ-Adventskalender sowie auf den Facebook-, Instagram- und YouTube-Kanälen der CZ. Am Sonntag kommt ein neuer Beitrag hinzu. Höhepunkt wird dann das abschließende Video an Heiligabend.

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