Ausstellung zum 75.

"Seitwärts über den Nordpol"

Anlässlich ihres 75. Geburtstages wurde im Sprengel Museum und Kunstverein Hannover die Ausstellung der Künstlerin Christiane Möbus eröffnet.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 29. Apr. 2022 | 15:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
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  • 29. Apr. 2022 | 15:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
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Hannover.

Die Superlative gehen Reinhard Spieler nicht aus: Von einem „denkwürdigen Tag“ spricht der Direktor des Sprengel Museums, von einem „herausragenden Ausstellungsereignis“, von einer „überragenden Künstlerin unserer Zeit“. Was die solchermaßen Geehrte locker zur Kenntnis nimmt: „Das schreib ich mir auf“, sagt Christiane Möbus.

Gemeinsames Projekt

Ja, bierernst geht es nicht zu bei dieser Pressekonferenz, wobei Spielers Worte keineswegs übertrieben sind: Äußerst selten finden sich zwei der großen Häuser in Hannover zu einem gemeinsamen Projekt zusammen, so wie jetzt das Sprengel Museum und der Kunstverein. „Das war überfällig“, meint Spieler, und der 75. Geburtstag der in Celle geborenen Künstlerin am 11. April (die CZ berichtete) bot den willkommenen Anlass für die groß angelegte Schau namens „seitwärts über den Nordpol“.

Vor logistische Probleme gestellt

Die auch einige große Werke zeigt, sehr große sogar, denn Kompromisse sind nicht die Sache der Christiane Möbus. Was die Ausstellungshäuser durchaus vor logistische Probleme stellen kann. So wird der Rundgang im Kunstverein durch zwei Original-Rettungsboote eröffnet, die hoch mit Heu beladen sind: „Das passte natürlich nicht durch das Treppenhaus“, sagt Kathleen Rahn – die ehemalige Direktorin des Kunstvereins, inzwischen in Herford tätig, hat die Ausstellung zusammen mit Gabriele Sand vom Sprengel Museum kuratiert. „Wir mussten die Teile mit einem Kran durch das Fenster hineinbringen.“

Tiere tauchen öfters auf

Im Sprengel Museum wiederum sind unter anderem „Küsse vom König“ zu erleben. Der in diesem Titel benannte Herrscher ist eine präparierte Giraffe, laut Sand über 300 Kilo schwer, aber hier auf einem angelupften Metallpodest schwebend. Tiere tauchen bei Möbus ohnehin öfters auf: Im Kunstverein etwa scheint ein Krokodil auf einem Konglomerat aus Koffern, Medizinbällen und anderen Gegenständen über die seltsame Zusammenstellung zu wachen. „Die Künstlerin lässt den Tieren aber immer ihre Würde“, betonen beide Kuratorinnen.

Ausstellung mit übergreifenden Momenten

Die sich auch darüber einig sind, dass Möbus nicht in Zyklen arbeitet, sondern eine Art Gesamtkunstwerk geschaffen hat. So ist die Doppelausstellung, die mehr als 50 Jahre umfasst und einige brandneue Arbeiten einbindet, auch nicht chronologisch geordnet und hat übergreifende Momente: Bilder aus der Fotoserie „Wanderdüne“ sind ebenso in beiden Häusern zu sehen wie Varianten von „hin und wieder Vollmond“, einem runden Aluminiumobjekt mit Scharnieren.

Wiederkehrende Elemente

Die letztgenannte Arbeit kann man natürlich als Ironisierung von romantischen Vorstellungen verstehen. Und überhaupt trifft es nicht ganz den Punkt, Möbus als puristische Surrealistin zu bezeichnen: Sicherlich entziehen sich ihre gewagten Materialkombinationen oft einer rationalen Erklärung, doch gibt es wiederkehrende Themen – die Natur, Körperbilder, Motive der Bewegung.

Lastwagen in Tüllgewebe

Zu diesen gehört die Arbeit „Schneewittchen“ im Sprengel Museum: Hinter dem massiven, schwarz lackierten Führerhaus eines Lastwagens ist ein zartes Tüllgewebe angebracht, das ein wenig wie ein Fallschirm wirkt. Und im Kunstverein findet sich, im Titel anknüpfend, die Installation „bei den sieben Zwergen“: Reitstiefel stehen neben Turnpferden – und zwar deren acht …

Von Jörg Worat

Die Ausstellung im Sprengel Museum Hannover, Kurt-Schwitters-Platz, wird bis zum 11. September gezeigt. Öffnungszeiten: dienstags 10 bis 20 Uhr, mittwochs bis sonntags, 10 bis 18 Uhr.

Der zweite Bereich im Kunstverein Hannover, Sophienstraße 2, ist bis zum 24. Juli zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags bis samstags, 12 bis 19 Uhr, sonn- und feiertags,11 bis 19 Uhr.

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