Reisen in Celle groß nachgefragt: Müller Bus Touristik will wieder starten
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Hustedt Busunternehmer: „Die Leute wollen raus“
Celle Aus der Stadt Hustedt

Reisen in Celle groß nachgefragt: Müller Bus Touristik will wieder starten

10:34 25.05.2020
Von Andreas Babel
Siegfried Müller vor seinen vier Bussen auf dem Betriebshof in Hustedt. So lange standen die Fahrzeuge hier noch nie herum. Quelle: David Borghoff
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Hustedt

Der letzte Bus rollte am 17. März vom Betriebshof. Seitdem ruht der Betrieb der „Müller Bus Touristik KG“. Die Corona-Pandemie ist schuld. Mittlerweile durfte wenigstens „Müllers Wald Café“ in Hustedt wieder öffnen. Ein schwacher Trost für Geschäftsführer Siegfried Müller, wenn man bedenkt, dass in diesem Jahr bereits 7600 Reisebuchungen im Verkehrswert von 2,6 Millionen Euro getätigt worden sind.

27 Mitarbeiter sind in Kurzarbeit

So etwas hat der Unternehmer in den 28 Jahren seines Firmenbestehens noch nicht erlebt – nämlich, dass das Geschäft komplett zum Erliegen gekommen ist. Seine 27 Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Doch der Selfmademan sieht Licht am Ende des Tunnels: Seit vor wenigen Tagen wieder eine Annonce mit Reiseangeboten in der CZ erschienen ist, sind vier Mitarbeiterinnen in der Telefonzentrale fast pausenlos damit beschäftigt, neue Buchungen anzunehmen. „Die Leute wollen raus. Die Nachfrage ist noch nicht ganz so groß wie zu Zeiten, in denen wir ständig fahren, aber fast so stark“, sagt Müller.

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"Kein Kunde verliert bei uns sein Geld"

Alle Reisen seit dem 18. März mussten abgesagt werden. „Bei uns verliert kein Kunde sein Geld“, sagt der Reiseveranstalter. Wer den gezahlten Preis zurückhaben will, bekommt ihn. „Ich bin aber unseren vielen treuen Stammkunden dankbar, dass sie in dieser Lage darauf verzichten und den schon gezahlten Reisepreis als Guthaben für eine spätere Fahrt stehen lassen“, sagt der Reiseveranstalter. Den Anteil dieser Kunden schätzt er auf 80 Prozent.

Kredit ist schon bewilligt

Er hat einen Antrag auf Liquiditätskredit bei der KfW-Bank gestellt, der auch schon bewilligt wurde. Im ersten Jahr müsste man keinen Cent dieses Kredits zurückzahlen, ab dem zweiten Jahr wäre der Zinssatz 1 Prozent. Er hofft aber, die 300.000 Euro gar nicht abrufen zu müssen, denn er hat in den vielen guten Geschäftsjahren Rücklagen gebildet. „Darauf bin ich schon stolz, dass ich das bis jetzt aus eigener Kraft hinbekommen habe.“ Aber: Spätestens im Juli müssten seine Busse wieder vom Hof rollen, sonst wird es auch bei ihm eng. Er hofft, dass das Busreiseverbot am 8. Juni wieder aufgehoben wird, wie am vergangenen Freitag anklang.

Wirtschaftszweig allein gelassen

Unverständlich ist es für ihn, dass Fußballspiele wieder stattfinden könnten, Basketball wieder gespielt würde und die Camper wieder auf die Plätze fahren dürften, also Menschen ihrem Freizeitvergnügen nachgehen dürften, aber Wirtschaftszweige wie seine würden allein gelassen. Deshalb soll am Mittwoch auch eine Groß-Demo in Berlin stattfinden. Müller hat seinen gesamten Fuhrpark dort angemeldet.

Vier Busse stehen still

Es ist erstaunlich, dass der Betrieb in Hustedt das gesamte Programm mit nur vier Bussen abwickelt. Jedes Jahr kauft Müller einen neuen Bus und gibt den ausgedienten bei der holländischen Verkaufsfirma wieder ab. 100.000 Kilometer sind die Busse jedes Jahr unterwegs. Eigentlich könnte man 54 Passagiere in den hochmodernen Luxuslinern unterbringen, aber Müller hat sich für einen Sitzabstand von 90 Zentimetern entschieden, damit die Fahrgäste mehr Beinfreiheit haben. So passen nur 48 Fahrgäste in jeden Bus. 1,50 Meter Abstand zwischen den Gästen seien locker einzuhalten, wenn immer eine Bank freibleiben würde. Wenn er nun nur noch die Hälfte der Gäste transportieren dürfte, würden sich Tagesfahrten nicht mehr lohnen, Mehrtagesfahrten „gerade noch“, meint Müller.

"Viele tolle Reisen" sind ausgefallen

Aber das ist ihm egal, er möchte seine treuen Stammkunden nicht enttäuschen und möchte ihnen wieder unvergessliche Tage bieten. Sehnsüchtig denkt er an die „vielen tollen Reisen“, die nun ausgefallen sind. „Die waren alle voll gebucht“, sagt er, sogar die Baltikumreise, zu der 45 Gäste Anfang Juni aufbrechen wollten. Das wird nun nicht mehr klappen, dafür ist der langjährige Unternehmer Experte genug. Alleine die Visa zu besorgen, würde nun zu lange dauern.

Die Branche wird sich verändern

Er hofft, bald wieder mit seinem Team loslegen zu können. Und er denkt, dass sich die Branche verändern wird. „Für 30 Euro nach Spanien zu jetten, das ist doch auch nicht gesund, das wird nicht mehr gehen“, meint er. Solche Sachen, die gar nicht wirtschaftlich sein könnten, hat er auch nie angeboten. Bei ihm erhalten die Kunden eine vernünftige Gegenleistung für einen fairen Preis. Wäre das nicht so, würden seine Kunden nicht so unglaublich treu sein. Und die Quote von 80 Prozent, die den Reisepreis als Guthaben stehen lassen, gibt ihm recht.