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Zwei junge Frauen berichten von ihrer Ausbildung zur Bankkauffrau in Celle

12:15 17.11.2020
Von Svenja Gajek
Pia Weber (links) und Charlotte Brockmann macht der direkte Kundenkontakt am meisten Spaß – in Corona-Zeiten natürlich mit Plexiglas-Trennwand. Im Laufe der Ausbildung zur Bankkauffrau durchlaufen sie verschiedene Stationen. Beratung und Service sind wichtige Aspekte des Berufes.
Pia Weber (links) und Charlotte Brockmann macht der direkte Kundenkontakt am meisten Spaß – in Corona-Zeiten natürlich mit Plexiglas-Trennwand. Im Laufe der Ausbildung zur Bankkauffrau durchlaufen sie verschiedene Stationen. Beratung und Service sind wichtige Aspekte des Berufes. Quelle: Oliver Knoblich (2) / Montage: Svenja Gajek
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Celle

Arbeiten in der Finanzbranche? Charlotte Brockmanns und Pia Webers Traum ist wahr geworden: Sie machen eine Ausbildung zur Bankkauffrau. Brockmann bei der Sparkasse Celle-Gifhorn-Wolfsburg, Weber bei der Volksbank Südheide-Isenhagener Land-Altmark. Die jungen Frauen sind bereits im dritten Ausbildungsjahr. Ihnen bereitet der Job große Freude, denn bei aller Beschäftigung mit Zahlen stehen immer die Menschen im Vordergrund.

Offen auf Menschen zugehen können

Charlotte Brockmann wurde durch Bekannte auf die Ausbildung bei der Sparkasse aufmerksam. „Ich wollte unbedingt hier her, weil man hier viele verschiedene Abteilungen kennenlernt und unterschiedliche Möglichkeiten zur Spezialisierung hat.“ Und nein, ein Rechen-Genie müsse man nicht sein, betont die 21-Jährige und lacht. „Andere Fähigkeiten sind viel wichtiger: Man muss offen auf die Menschen zugehen können, teamfähig und kommunikativ sein.“ Ausbildungsbetreuer Sönke Brockmann – übrigens besteht keine Verwandtschaft – resümiert: „Man muss einfach gut im Umgang mit Menschen sein, denn letztlich geht es ja darum, für jeden Kunden die passende Lösung zu finden. Interesse an Wirtschaftsthemen kann auch nicht schaden.“

Sönke Brockmann, Ausbildungsbetreuer bei der Sparkasse Celle-Gifhorn-Wolfsburg. Quelle: Oliver Knoblich

Mit einem Ehrenamt schnell zum Vorstellungsgespräch

Überhaupt werde bei der Auswahl der Bewerber nicht mehr so sehr auf die Noten geachtet wie früher. „Beispielsweise profitieren von der Sparkassen-Aktion ‚#Ehrenmensch‘ alle Bewerber, die sich ehrenamtlich engagieren“, erklärt Sönke Brockmann. „Wenn sie mindestens 100 Stunden im Jahr ehrenamtlich tätig sind, erhalten sie ein VIP-Ticket direkt zum Vorstellungsgespräch.“

Privat- und Firmenkunden betreuen

Charlotte Brockmann gefällt die Vielfältigkeit der Ausbildung: „Am Anfang geht es um grundlegende Themen. Also: Wie fülle ich eine Überweisung aus, wie verbuche ich Ein- und Auszahlungen und Ähnliches.“ Dann folgt der Einblick in die Beratung. „Im Laufe der Ausbildung wird man immer selbstständiger, bis man schließlich die Beratungsgespräche allein führen darf.“ Neben dem Umgang mit Privatkunden lernen angehende Bankkauffrauen und Bankkaufmänner auch Geschäfte mit Firmenkunden abzuwickeln. Dazu kommen Einblicke ins Dialog- und Immobilien-Center sowie in weitere begleitende Abteilungen, wie das Vertriebsmanagement.

Die Beratung der Kunden ist ein wichtiger Teil der Ausbildung zum Bankkaufmann / zur Bankkauffrau. Quelle: Oliver Knoblich

Berufsschule im Blockunterricht

Die junge Frau verbringt die Arbeitswoche vollständig in der Bank. Sie telefoniert mit Kunden, schreibt Mails und hilft auch mal im Service aus. Die Berufsschule besucht sie im Blockunterricht. Zurzeit bereitet sie sich auf die Abschlussprüfung vor. Sie dürfte allerdings etwas beruhigter als manch anderer an diese Aufgabe herangehen, denn sie weiß bereits, dass sie nach erfolgreichem Abschluss übernommen wird. Charlotte Brockmann hat im wahrsten Sinne des Wortes ihren Traumjob gefunden: „Mir ist es ganz wichtig, mit Menschen zu tun zu haben. Allein arbeiten könnte ich nicht.“

Finanzgeber und Psychologe in einer Person

Bei der Volksbank läuft die Ausbildung ähnlich ab wie bei der Sparkasse. Pia Weber fühlt sich wohl bei ihrer Arbeit: „Der Kontakt zu den Kunden macht mir von allen meinen Aufgaben am meisten Spaß. Man ist so ein bisschen Finanzgeber und Psychologe in einer Person.“ Die 21-Jährige ist ebenso wie ihre Kollegin von der Sparkasse durch einen Bekannten auf die Ausbildungsstelle aufmerksam geworden. Auch bei ihr hat es gleich bei der ersten Bewerbung geklappt – und auch sie weiß schon, dass sie übernommen wird.

Viel telefonieren und E-Mails schreiben gehören zum Alltag. Quelle: Oliver Knoblich

Beratungssituation oft geprobt

Weber wird wie Charlotte Brockmann bald ihre Abschlussprüfung absolvieren: „Ich bin aufgeregt, aber ich fühle mich gut vorbereitet.“ Es gibt einen theoretischen und einen praktischen Teil. Bei der praktischen Prüfung wird ein Beratungsgespräch simuliert. „Wir Auszubildenden haben in sogenannten Top-Start-Seminaren die Beratungssituation häufig geprobt“, erklärt Weber.

Junge Menschen von dem Job überzeugen

Brockmann und Weber sind Ausbildungsbotschafterinnen der Industrie- und Handelskammer. Das bedeutet, sie erzählen in Schulen von ihren Erfahrungen, um mehr junge Leute für ihre Branche zu begeistern. „Es gibt natürlich immer wieder kritische Stimmen zur Arbeit im Bankwesen. Mich hat aber letztlich überzeugt, dass man hier so viel Abwechslung erlebt und gute Weiterbildungsmöglichkeiten hat.“

Lisa Schönberg, Ausbildungsbetreuerin bei der Volksbank Südheide-Isenhagener Land-Altmark. Quelle: Oliver Knoblich

Wünsche der Kunden schnell erfassen

Ausbildungsbetreuerin Lisa Schönberg ist sehr zufrieden mit der engagierten jungen Frau. Sie empfiehlt die Ausbildung „offenen und selbstbewussten Menschen, die die Wünsche der Kunden schnell erfassen können.“

Nachgefragt bei Julia Hausemann

Julia Hausemann ist Bildungsgangleiterin des Bereiches Bank an den Berufsbildenden Schulen 1 (BBS 1) in Celle.

Quelle: Oliver Knoblich

Wie lange dauert die Ausbildung zum Bankkaufmann / zur Bankkauffrau?

Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre, wird aber von vielen Schülern auf zweieinhalb Jahre verkürzt. Auch der Unterricht ist darauf ausgelegt, dass alle prüfungsrelevanten Inhalte innerhalb von zweieinhalb Jahren vermittelt werden. Abiturienten können ihre Ausbildung unter bestimmten Voraussetzungen sogar in zwei Jahren absolvieren.

Worum geht es bei dem schulischen Teil?

Der Unterricht an den BBS 1 in Celle findet in Blöcken statt. Dies bedeutet, dass die Auszubildenden pro Ausbildungsjahr jeweils zweimal für zirka sechs Wochen am Stück Berufsschule haben und den Rest des Jahres im Betrieb ausgebildet werden. Die Inhalte sind sehr vielfältig. Neben der Vermittlung von Wissen über verschiedene Möglichkeiten der Geldanlage, der Kreditaufnahme und der zugehörigen Absicherungsmöglichkeiten für das Kreditinstitut ist das Führen von Konten und die Abwicklung des Zahlungsverkehrs ebenfalls Teil des Berufsschulunterrichtes. Begleitend wird die buchhalterische Erfassung der Geschäftsvorgänge betrachtet und die anfallenden Kosten und Erlöse werden kalkuliert. Es werden auch allgemeine rechtliche Grundlagen vermittelt und volkswirtschaftliche Einflüsse betrachtet. An den BBS 1 in Celle wird zusätzlich die Zusatzqualifikation "Digitalisierung und Multimedia im Bankensektor" angeboten, die mehrere Module umfasst.

Wie gliedert sich die Ausbildung?

Seit dem 1. August 2020 gilt eine neue Ausbildungsordnung, sodass die Abschlussprüfung als gestreckte Abschlussprüfung stattfindet. Dies bedeutet, dass nach der Hälfte der Ausbildungszeit Teil eins der Prüfung geschrieben wird und am Ende der Ausbildung Teil zwei der Abschlussprüfung stattfindet, welcher sich in drei schriftliche Prüfungen und eine mündliche Prüfung, ein simuliertes Beratungsgespräch, unterteilt.

Wie sind die Aussichten nach der Ausbildung?

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung stehen viele Wege der Weiterqualifikation offen, zum Beispiel über Seminare zum Betreuer für Privatkunden oder zum Firmenkundenberater. Aber auch für die internen Abteilungen, wie zum Beispiel Marketing, Controlling oder Innenrevision, besteht die Möglichkeit sich zu qualifizieren. Außerdem kann man sich durch ein berufsbegleitendes Studium zum Beispiel zum Bankfachwirt und anschließend zum Bankbetriebswirt weiterbilden.

Wem würden Sie die Ausbildung empfehlen?

Diese Ausbildung ist besonders interessant für junge teamfähige Menschen, die gerne Kontakt zu anderen Menschen haben, kommunikativ sind und Interesse daran haben, ein kompetenter Ansprechpartner für die Kunden in allen Geldangelegenheiten zu werden, was bedeutet, dass jeder Kunde seinen Bedürfnissen entsprechend individuell beraten wird.

Steckbrief Bankkaufleute

Was macht man in diesem Beruf?

Bankkaufleute unterstützen Kunden in Geldangelegenheiten. Sie informieren zum Beispiel über Kapitalanlagen, Kontoführung und wickeln den in- oder ausländischen Zahlungsverkehr für Kunden ab. Sie beraten individuell zu Privat- und Firmenkrediten, Bausparverträgen, Lebensversicherungen oder anderen Verträgen, bahnen Vertragsabschlüsse an und bearbeiten diese. Im internen Bereich eines Kreditinstitutes planen und steuern sie Arbeitsabläufe. Darüber hinaus führen sie Kontrollen im Rechnungswesen durch und überwachen die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und innerbetrieblicher Richtlinien.

Wo arbeitet man?

Bankkaufleute finden Beschäftigung
• in Kreditinstituten wie Banken und Direktbanken, Girozentralen, Sparkassen und Bausparkassen
• an Börsen oder im Wertpapierhandel

Arbeitsorte:

Bankkaufleute arbeiten in erster Linie
• in Büroräumen
• am Kundenschalter
Darüber hinaus arbeiten sie gegebenenfalls auch
• bei Privat- oder Firmenkunden

Welcher Schulabschluss wird erwartet?

Rechtlich ist keine bestimmte Schulbildung vorgeschrieben. In der Praxis stellen Betriebe überwiegend Auszubildende mit Hochschulreife ein.

Anforderungen:

• Kunden- und Serviceorientierung, Kommunikationsfähigkeit (zum Beispiel bei der Kundenberatung)
• Sorgfalt, Konzentration und Verschwiegenheit (zum Beispiel beim ordnungsgemäßen Buchen von Geschäftsvorgängen, beim Umgang mit Kundendaten)
• Kaufmännisches Denken und Verhandlungsgeschick (zum Beispiel beim Einschätzen von Kreditrisiken, beim Aushandeln von Konditionen für Geldanlagen oder Kredite)

Schulfächer:

• Deutsch (zum Beispiel für den Kundenkontakt)
• Wirtschaft (zum Beispiel für die Analyse von Bilanzkennzahlen)
• Mathematik (zum Beispiel für Zins- und Prozentrechnungen)
• Englisch (zum Beispiel für internationale Kundenkontakte)

Was verdient man in der Ausbildung?

Beispielhafte Ausbildungsvergütungen pro Monat:
• 1. Ausbildungsjahr: 1036 Euro
• 2. Ausbildungsjahr: 1098 Euro
• 3. Ausbildungsjahr: 1160 Euro

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