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Celle Stadt "Zentro“ gewinnt Gedo-Wettbewerb
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Zentro“ gewinnt Gedo-Wettbewerb
16:23 17.06.2010
Von Gunther Meinrenken
Celle Stadt

Dünn und widersprüchlich waren die Informationen, die die Zentro-Gruppe über das vom Münchner Investor Gedo geplante Einkaufszentrum in der Celler Innenstadt bekam. Wie groß soll die Altstadt-Galerie denn wirklich werden, welche Verkaufsfläche ist geplant – über diese Punkte gab es unterschiedliche Aussagen. Architektin und Zentro-Aktivistin Susanne Witt griff zu einem Kniff: Um genaue Daten zu bekommen, bewarb sie sich kurzerhand beim Fassadenwettbewerb für die Altstadt-Galerie, der von Gedo ausgelobt worden war. Seit gestern steht fest: Die vehemente Gegnerin eines Einkaufszentrums von den einstmals geplanten Dimensionen eines ECE spricht bei der Planung der Gedo-Galerie ein gehöriges Wörtchen mit. Denn das Celler Büro „BWP Nilsson Witt Partner“ hat den Wettbewerb gewonnen.

Als einer von zwei Entwürfen war „BWP“ bis zuletzt in der engeren Auswahl gewesen. Die Konkurrenz aus Berlin ließen Witt und ihr Geschäftspartner Patrik Nilsson weit hinter sich. Mit 12:0 Stimmen fiel das Votum der Jury eindeutig aus – einen bösen Scherz mit dem Investor oder der Zentro-Gruppe wollte sich das Preisgericht mit der Entscheidung dabei übrigens nicht leisten, die Entwürfe waren für die Bewertung anonymisiert worden.

Am Rande der Preisverleihung betonte Witt, dass sie nie zu den Gegnern von Gedo gezählt habe. Lediglich die Dimensionen eines ECE habe sie für falsch gehalten. Der Standort einer Gedo-Galerie decke sich mit den Vorstellungen der Zentro-Gruppe. „Zudem geht es auch um eine Art von Demokratieverständnis. Wenn eine Entscheidung in der Richtung eines Einkaufszentrums in der Innenstadt fällt, wäre es falsch, sich schmollend in die Ecke zu stellen. Wir möchten vielmehr unsere Ideen einbringen“, sagte Witt, die sich auf die vor ihr liegenden Aufgabe freut und ihren Sieg auch darauf zurückführte, dass „eine gewisse Ortskenntnis hilfreich sein kann“.

Und in der Tat war es wohl vor allem der Umstand, dass sich der BWP-Entwurf am intensivsten mit dem Umfeld der geplanten Altstadt-Galerie auseinander gesetzt hatte, der Witt und Nilsson zum Sieg verhalf. „Gerade vor dem Hintergrund der Dimensionen des Einkaufszentrums ist es wichtig, welche Idee dahinter steht“, meinte Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD). Das Typische, was die Altstadt ausmache, sei in dem Entwurf aufgenommen worden. „Wir haben die Idee gewürdigt, die jetzt weiter entwickelt werden muss“, meinte Mende. Man könne nicht davon ausgehen, dass der Entwurf nun 1:1 umgesetzt werde.

Stadtbaurat Matthias Hardinghaus legte dar, worin die Stärken des BWP-Entwurfs liegen. So hätten die Celler Architekten die Parzellierung der Altstadt in ihre Planungen aufgenommen und zudem die unterschiedliche Farbigkeit der Häuser in der Bergstraße berücksichtigt, so Hardinghaus, der begeistert von einer „Skulptur“ und einem „mutigen Entwurf“ sprach, bei dem er froh sei, dass die Jury den Cellern zutraue, diesen zu akzeptieren.

Lorenz Friedrich, Geschäftsführer von Gedo, freute sich, dass Celler gewonnen haben und versprach, den Sieger-Entwurf auch umzusetzen. Dabei müsse aber noch einiges nachgearbeitet werden. Die Tragstruktur, konstruktive Realisierbarkeit und Berücksichtigung der Interessen der Einzelhändler sind dabei nur drei Punkte. Auch die Optik, die viele Celler wohl an Badezimmerkacheln erinnern dürfte, ist verbesserungswürdig. „Die Farbgestaltung stellt ein sensibles Thema dar, bei dem neben der Empfehlung zu ausführlicher großflächiger Bemusterung auch der Umfang der eingesetzten Farbskalen kritisch behandelt werden muss“, gab Mende das Urteil der Jury wieder.