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Wort zum Sonntag von Achim Jahnz, Diakon Lobetalarbeit Celle

10:00 25.04.2021
Achim Jahnz
Achim Jahnz Quelle: Fremdfotos/eingesandt
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Celle

„Bitte die nächste mögliche Straße rechts abbiegen.“ An diesen Satz aus meiner Fahrschulzeit kann ich mich noch gut erinnern. Dabei sollte man schon genau hinhören. Mein Fahrlehrer fing breit an zu grinsen, als ich daraufhin zügig den Blinker setzte, um in die vor mir liegende Straße einzubiegen. Eine Einbahnstraße, nur dummerweise in verkehrter Richtung. Im Eifer des Gefechts war ich vorschnell auf die vermeintliche Anweisung meines Fahrlehrers eingegangen. Dabei hatte ich das rote Einbahnstraßenschild leider überhaupt nicht im Blick. Ein typischer Anfängerfehler, nochmal würde mir das sicher nicht passieren. Sei es drum – ein bisschen Achtsamkeitslehre hat schließlich noch keinem geschadet.

Anlieger dürfen jederzeit in Straße reinfahren

Inzwischen gehört das Beachten von Verkehrsschildern bei mir zur guten Routine, selbst wenn das Navi mich mal in eine verbotene Straße lotsen will. Doch es gibt auch Ausnahmen: Fast jeder hat schon den Schriftzug „Anlieger frei“ in Verbindung mit einem Durchfahrtsverbotsschild gesehen. Vielleicht wohnen Sie ja selbst in so einer Straße? Als Anwohner dürfen Sie natürlich jederzeit dort reinfahren. Das gleiche gilt auch für Ihre Besucher oder zum Beispiel den Paketdienst. Wer also ein begründetes Anliegen hat, für den ist die Durchfahrt freigegeben.

König David setzte auf Gottes Hilfe

Im Zeitalter von Beschränkungen und Verboten wünsche ich mir oft, so ein Anlieger zu sein. Natürlich im übertragenen Sinn. Denn zurzeit darf eben nicht jeder jeden besuchen, nicht überall kann ich einkaufen, und ohne Voranmeldung geht vieles schon gar nicht … Die nächste mögliche Straße muss man erst mühsam suchen. In Zeiten wie diesen lese ich besonders gerne in den Psalmen der Bibel. Auch da geht es häufig um Anliegen. In Psalm 55 schreibt David: „Wirf dein Anliegen auf den Herrn; der wird dich versorgen.“ (Psalm 55,23/Lutherbibel 2017). David, ein König, steckte hier in einer schweren Krise. Wir lesen, dass er am liebsten wie ein Vogel davonfliegen würde. Einfach abhauen. Alles hinter sich lassen. Frei sein! Kommt uns das nicht irgendwie bekannt vor? So ist das wohl bei uns Menschen. Immer wieder gab und wird es Anliegen geben, die uns das Leben schwer machen. Dabei spielt es keine Rolle, ob ich ein König oder ein armer Schlucker bin. Bei David waren es feindselige Menschen, sogar ehemalige Freunde, die ihm schwer zusetzten. Aus seiner Verzweiflung machte er schließlich ein Gebet. Er klagte Gott offen und ehrlich sein Leid. Und mitten beim Beten wurde ihm klar, dass Flucht keine Lösung ist. Auf einmal war er sich sicher: Gott würde ihm helfen.

Bei Gott sind Anlieger immer willkommen

Auch heute erleben es Menschen immer wieder, dass sie im Gebet Gottes Nähe und Geborgenheit erfahren. Das wünsche ich auch Ihnen, liebe Leserinnen und Leser! Denn bei Gott sind Anlieger immer herzlich willkommen.

Von Achim Jahnz

Michael Ende 25.04.2021
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