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Celle Stadt "Man tritt an, um die Welt zu retten"
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Wolfram Möller verlässt das Evangelische Beratungszentrum

09:00 07.11.2021
Wolfram Möller geht im Dezember in den Ruhestand.
Wolfram Möller geht im Dezember in den Ruhestand.
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Celle

Was wollten Sie werden, als Sie noch ein Kind waren?

Oh, das wusste ich erst sehr viel später während meines Studiums auf der Fachhochschule Hannover. Das Fach Sozialwesen war ein Durcheinander: Jugendarbeit, Gemeinwesen, Einzelfallhilfe, Sozialethik … Aber ich stellte fest, dass ich mich in diesen Bereichen wohl fühlte. Und außerdem genoss ich es, das erste Mal alleine zu wohnen.

Welche Rolle hat die Kirche in Ihrer Familie gespielt?

Ich bin 1956 im nordhessischen Korbach geboren und als ich zehn Jahre alt wurde, nahm meine Mutter einen Job in der Molkerei an – vermutlich war sie damit die erste Frau in unserer Straße, die arbeiten ging. Wir waren Mitglieder der evangelischen Gemeinde, aber der Glaube hat bei uns keine besondere Rolle gespielt. Ich fand erst über die Konfirmation zur Kirche. In der evangelischen Jugend gründeten wir einen Arbeitskreis zum Thema Dritte Welt, diskutierten über soziale Ungerechtigkeiten und verkauften Dritte-Welt-Produkte in der Innenstadt. Ich war auch bei vielen Freizeiten dabei.

Wann entdeckten Sie, dass Sie in diesem Bereich richtig waren?

Das war ein langsamer Prozess. In meiner Diplomarbeit ging es um die Möglichkeiten des Sozialarbeiters im Umgang mit suizidgefährdeten Alkoholikern. Das hatte sich aus einem Rollenspiel ergeben, wo ich feststellte, wie viel Macht jemand hat, wenn er mit einem Suizid droht. Mein Anerkennungsjahr habe ich in der Nervenklinik Langenhagen absolviert – auf der Alkoholikerstation.

Wie kommt man als junger Mensch damit klar, wenn man mit individuellen Schicksalen zu tun hat?

Als junger Sozialpädagoge tritt man natürlich an, um die Welt zu retten. So geht man in die Arbeit und entlässt nicht ohne Stolz einen scheinbar geläuterten Suchtpatienten. Und am Abend ist er wieder da und muss erstmal ausgenüchtert werden. Eine sehr wichtige Erkenntnis: Man kann Menschen nur helfen, die sich auch helfen lassen wollen.

Welche Rolle spielt die Kirche als Träger des Beratungszentrums?

Als junger Mensch habe ich geantwortet: Weil es die ersten waren, die mich genommen haben. Heute bewerte ich das anders. Die Kirche spielt in unserer täglichen Arbeit nicht immer eine Hauptrolle, ist aber Überbau und Grundlage zugleich. Zum christlichen Menschenbild gehört, dass wir niemanden bewerten, kritisieren oder vorverurteilen.

Im Dezember werden Sie nach 33 Jahren im Dienst verabschiedet. Wie hat sich das Beratungszentrum in dieser Zeit entwickelt?

Als ich anfing, hatten wir eine tiefenpsychologische Ausrichtung. In den vergangenen Jahren haben wir unsere Sichtweisen erweitert. Das bedeutet unterschiedliche Ansätze. Hatten wir früher die Idee, zu wissen, was die Kunden brauchen, formulieren wir heute mit den Ratsuchenden genaue Ziele.

Wie sehen Ihre Pläne für das Rentnerdasein aus?

Ich bin froh, dass es wieder selbstverständlicher wird, zu reisen, denn meine Frau und ich möchten die Welt erkunden. Ich werde aber weiterhin Supervisionen anbieten, zum Beispiel im Bereich der Hospizarbeit.

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