Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Celle Stadt „Wir werden Nachwuchssorgen bekommen“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Wir werden Nachwuchssorgen bekommen“
14:55 13.06.2010
Von Oliver Gatz
Handwerksberufe für Jugendliche interessant machen: Bäckermeister Wilhelm Pippel mit dem Auszubildenden Daniel Hilzenbecher.
Handwerksberufe für Jugendliche interessant machen: Bäckermeister Wilhelm Pippel mit dem Auszubildenden Daniel Hilzenbecher. Quelle: Peter Müller
Celle Stadt

Ins Leben gerufen hat die Kampagne der Deutsche Handwerkskammertag (DHKT), Dachverband der 53 Handwerkskammern. Sie kostet pro Jahr zehn Millionen Euro.

„Das Handwerk ist da. Aber es wird nicht wahrgenommen“, klagt Celles Kreishandwerksmeister Ernst-Heinrich Ahrens. „Wir werden ganz arge Nachwuchssorgen bekommen – in allen Berufen.“ Besonders problematisch sei die Situation in den Bauberufen wie Maurer oder Dachdecker. „Da gibt es ganz große Probleme. Diese Branche hat mächtig zu kämpfen“, erläutert Ahrens. Zur Verbesserung der Lage fordert er verstärkte Anstrengungen im Bildungsbereich. „Die Eingangsvoraussetzungen sind mittlerweile sehr hoch. Die erfüllen viele junge Leute nicht.“ Viele würden in der einjährigen Berufsfachschule scheitern und müssten dann erneut für ein Jahr die Schulbank drücken. „Besonders hapert’s in den Fächern Deutsch und Mathematik. Das sind aber Grundlagen, die man im Handwerksberuf beherrschen muss.“

Über Nachwuchsprobleme kann sich Wilhelm Pippel, Inhaber des gleichnamigen Bäckerei- und Konditoreibetriebes in Celle, nicht beklagen. Aber auch er hat festgestellt, dass die Eignung der Bewerber nachgelassen hat. „Was da von der Schule kommt, wird von Jahr zu Jahr schlechter“, kritisiert Pippel. „Das geht durch alle Schulformen. Bei einigen Kandidaten ist die Motivation gleich Null.“ Pippel gibt aber nicht allein dem Bildungssystem die Schuld an der Misere. „Das ist ein gesellschaftliches Problem.“ Derzeit beschäftigt Pippel fünf Auszubildende.

Ziel der Imagekampagne ist es, die wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung des Handwerks zu verdeutlichen. Nach Angaben des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) wird das Handwerk laut einer Forsa-Umfrage besonders von Jugendlichen unterschätzt. Dabei sei das Handwerk mit 4,8 Millionen Beschäftigten in 151 Ausbildungsberufen und rund 500 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr eine tragende Säule der deutschen Wirtschaft, heißt es.

Speziell auf das Tischlerhandwerk bezogen planen die Landesinnungsverbände Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern eine eigene Imagekampagne. Sie ist auf vier Jahre angelegt und beginnt am 15. Februar.