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Celle Stadt Winter bleibt hartnäckig: Schneechaos droht
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Winter bleibt hartnäckig: Schneechaos droht
12:52 13.06.2010
Celle Stadt

Hintergrund der momentanen Wetterlage ist eine Komplettstörung der nordhemisphärischen Westwindzirkulation seit Mitte Dezember. Die Folge: Dass für mildes Winterwetter in Mitteleuropa zuständige Islandtief wurde durch ein kräftiges, ortsfestes Hoch im Raum Island-Grönland ersetzt, welches nun die Westwinde blockiert. Zwischen dem Hoch und tiefem Luftdruck über Skandinavien herrscht eine nördliche bis nordöstliche Strömung vor, durch die die Tür zur Arktis nun schon seit Wochen sperrangelweit offen steht. So können unter Tiefdruckeinfluss immer neue Schneefälle und Schübe polarer Kaltluft nach Mittel- und Westeuropa vorstoßen und auch bis ins westliche Mittelmeer vordringen, wo sie massive Tiefdruckgebiete erzeugen. Ein solches steuert mit einem ausgewachsenen Schneesturm am Wochenende auf das südöstliche Mitteleuropa und später die Ostsee zu. In wieweit dabei auch Norddeutschland ins Chaos stürzt wird, hängt von der genauen Zugbahn des Tiefs ab. Auf jeden Fall frischt bei deutlicher Frostabschwächung der Nordostwind ab Freitag mächtig auf. Dabei sind Neuschneemengen von 10 bis 20 Zentimetern mit entsprechenden Verwehungen möglich. Jeder sollte sich deshalb aus Sicherheitsgründen über die Wetterentwicklung ständig informieren. Der Ausblick: Ein Ende der Kälteperiode ist nicht in Sicht.

Dezember zeigt sich zweigeteilt: War die erste Monatshälfte durch vorherrschend südwestliche Winde noch viel zu mild, winterte es danach mit Winddrehung auf Nord bis Ost fast durchgehend ein. Eine Woche vor Weihnachten konnte für drei Tage sogar kontinentale Arktikluft aus Russland Fuß fassen. Sie ließ die Temperaturen in den Frühstunden des 18., 19. und 20. Dezembers im nordöstlichen Niedersachsen auf minus 15 bis minus 20 Grad sinken, am Boden über Schnee am 19. und 20. Dezember sogar bis minus 25 Grad (Faßberg). So früh im Winter kommen solche Werte höchstens alle 20 Jahre vor. In abgeschwächter Form traf am 25. Dezember das ungeliebte Weihnachtstauwetter ein. Trotz Dauerregens und einiger Plusgrade, hielt die vorhandene Schneedecke gebietsweise bis zum zweiten Feiertag durch, womit zumindest örtlich (Faßberg) die amtliche Bedingung für eine Weiße Weihnacht (Schneedecke vom 24. bis 26. Dezember) erfüllt wurde. Mit dem zweiten Kälteschub zum Jahreswechsel konnte die übliche Anzahl der Frosttage (Nachtfrost) locker überboten und die der Eistage (Dauerfrost) erreicht werden. Nach Oktober und November war auch der Dezember erheblich zu feucht. Örtlich wurde das 30-Jährige Mittel um 45 Prozent getoppt. Die Sonne konnte ihr mageres Dezembersoll durch vereinzelte heitere Tage leicht aufbessern.

Das war das Wetterjahr 2009: Vom vergangenen Jahr bleiben die erheblichen Witterungsgegensätze in Erinnerung. Extremer Trockenheit im April und August, standen Spitzenniederschläge im Oktober und November gegenüber und einzelne Hitzespitzen mit Tages- und Dekadenrekorden am 20. August und 1. September (Faßberg 36 Grad, Celle 36,6 Grad, beziehungsweise 31,2 Grad, Celle 32,1 Grad) fanden ihren Widerpart in ungewohnter Kälte unter minus 15 Grad am Jahresanfang und -ende.

Insgesamt überwogen jedoch wie gewohnt die zu warmen Monate, sodass das Jahr 2009 in der Südheide mit mittleren 9,2 bis 10,1 Grad (Faßberg und Celle) um 1,0 bis 1,1 Grad zu warm ausfiel. Extrem ungleichmäßig verteilten waren die Niederschläge. Was bis zum September an Niederschlag fehlte, konnten Oktober bis Dezember nachholen, sodass die normale Jahressumme sowohl in Faßberg (690 Liter pro Quadratmeter), als auch in Celle (652 Liter pro Quadratmeter) genau erreicht wurde. Die Sonne meinte es 2009 sehr gut mit uns. Schon im September hatte sie ihr Jahressoll eingefahren. Am Ende waren die 1763 Sonnenstunden von Celle rund ein Fünftel mehr als wir erwarten konnten.

Von Von Reinhard Zakrzewski