Weltspartag

Sparboom in Celle dank Corona

Ist sparen eigentlich noch im Trend? Lohnt sich der Gang zur Bank überhaupt noch? Die Experten haben eine eindeutige Meinung.

  • Von Marie Nehrenberg-Leppin
  • 30. Oct 2020 | 14:00 Uhr
  • 14. Jun 2022
  • Von Marie Nehrenberg-Leppin
  • 30. Oct 2020 | 14:00 Uhr
  • 14. Jun 2022
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Celle.

Wer zurückdenkt an seine eigene Kindheit, wird sich vielleicht an das Gefühl erinnern, mit dem prall gefüllten, klimpernden Sparschwein zur Bank zu laufen. Nur wer fleißig Kleingeld gesammelt hatte, konnte ein Geschenk abstauben. Der Weltspartag jährt sich heute zum 96. Mal. Doch auch hier würfelt die grassierende Pandemie so einiges durcheinander.

Volksbank verschiebt Weltspartag

Bei der Volksbank Südheide fiel die Entscheidung, wie man mit der verschärften Infektionslage umgeht, eindeutig aus. „Wir müssen den Weltspartag erstmalig verschieben“, berichtet Sprecher Olaf Genth. „Wir möchten auf keinen Fall dazu beitragen, auch nur einen weiteren Ansteckungsfall zu riskieren. Das ist uns zwar sehr schwer gefallen, war aber aus unserer Sicht zum Schutz unserer Kunden und unserer Mitarbeiter alternativlos.“ Genth hofft, den Weltspartag im Frühling nachholen zu können.

Sparkasse: Weltsparwochen als Alternative

Auch bei der Sparkasse ist in diesem Jahr alles anders. Statt des Weltspartages gibt es bereits seit den Herbstferien die Weltsparwochen. Der Hintergrund: Der Ansturm der Kinder kann besser gesteuert werden und es kommen nicht alle auf einmal. Geschenke dürfen dabei selbstverständlich nicht fehlen. „Da gibt es für die unterschiedlichen Altersgruppen ganz verschiedene Kleinigkeiten, vom unverzichtbaren Kuscheltier über eine coole Box, die das Ordnunghalten erleichtert, bis hin zum Zubehör fürs Smartphone“, erzählt Sparkassen-Sprecherin Alexa von der Brelje. „Die Aktion auf mehrere Wochen auszuweiten, war eine gute Idee, denn das Angebot wurde gut angenommen. Die Kollegen haben viele Gespräche über das ‚richtige Sparen‘ geführt.“

Sparen trotz schlechtem Zinsniveau

Doch was ist eigentlich „richtiges Sparen“? Ergibt das in einer Welt mit einem noch immer anhaltenden Niedrigzinsniveau überhaupt noch Sinn? „Sparen ist immer sinnvoll und wichtig und bietet gerade Kindern und Jugendlichen ein Gefühl der Unabhängigkeit, wenn sie sich erstmals mit eigenem Geld einen Wunsch erfüllen können“, ist sich Genth sicher. „Die Möglichkeiten zum Sparen haben sich gewandelt und sind moderner geworden. Was vor 30 oder 40 Jahren noch das Sparbuch war, ist heute zum Beispiel ein Fondssparplan“, sagt Alexa von der Brelje und rät dazu, mit einem Fachmann übers Sparen zu sprechen. „Je nachdem, was man in welchem Zeitraum erreichen möchte: Es gibt viele Möglichkeiten und Wege, zum selbst gesteckten Ziel zu kommen.“ Abgesehen davon sei ein Gespräch zum Thema Sparen auch immer ein sinnvoller Anlass, sich einmal ausführlich mit den anderen wichtigen Finanzthemen zu befassen: Absicherung der Kinder, Risiko und Vorsorge sind ebenfalls wichtig und gehen mit dem Vermögensauf- und -ausbau einher.

Coronakrise regt zum Sparen an

Ein Faktor, der offenbar viele Celler wieder zum Sparen motiviert, ist die anhaltende Coronakrise. Der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) rechnet nach Angaben des Redaktionsnetzwerks Deutschland mit einem kräftigen Anstieg der Sparquote der privaten Haushalte in diesem Jahr. Im Durchschnitt dürfte das Verhältnis des Sparens zum verfügbaren Einkommen bei rund 15 Prozent liegen nach 10,9 Prozent in 2019, prognostiziert der Verband in einer aktuellen Studie. Die bislang höchsten Sparquoten in Deutschland wurden Daten des Statistischen Bundesamtes zufolge in den Jahren 1991 und 1992 mit jeweils 12,9 Prozent gemessen.

Sicherheitsgefühl zu Pandemie-Zeiten

„In unsicheren, bewegten Zeiten wie aktuell suchen die Menschen noch mehr nach Sicherheit, und dazu zählt auch, dass Ausgaben noch kritischer überdacht werden und gleichzeitig der Drang oder Wunsch nach Rücklagen als Absicherung steigt“, erklärt Genth den Trend zum Sparen. „Wir erleben überwiegend Kunden, die mehr sparen als bisher.“ Gleiches beobachtet auch von der Brelje bei den Sparkassenkunden. „Es lässt sich schon beobachten, dass die Coronazeit die Menschen aufmerksamer mit dem eigenen Geld werden lässt.“ Die Motivation ist dabei ganz unterschiedlich: „Die einen sparen mehr, weil sie für sich erkennen, dass sie ruhiger sind, wenn sie in eher schwierigen Zeiten über mehr Barvermögen verfügen. Es stärkt ihr Sicherheitsgefühl. Andere sparen, weil sie vielleicht in diesem Jahr einfach mal nicht in den Urlaub fahren.“