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Celle Stadt Weihnachtsoratorium lässt Bachs Vorstellungswelt in Celle aufs Schönste lebendig werden
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Weihnachtsoratorium lässt Bachs Vorstellungswelt in Celle aufs Schönste lebendig werden
20:08 07.12.2015
Celle Stadt

Prachtvolle Eröffnungschöre, herrliche Choräle und gefühlvoll vorgetragene Arien, in denen die Gesangssolisten mit einzelnen Instrumenten dialogisierten – die Aufführung von Bachs Weihnachtsoratorium am Sonntag in der Stadtkirche wurde zu einem rundum stimmigen Erlebnis. Die Stadtkantorei und die Solisten Miriam Meyer (Sopran), Kerstin Rosenfeldt (Alt), Jörg Erler (Tenor) und Hans Christian Hinz (Bass) sowie die Hannoversche Hofkapelle gaben der Aufführung solistisch und gemeinsam Ausdruckstiefe und Brillanz. Kirchenmusikdirektor Martin Winkler steuerte die Musiker dabei mit sicherer Hand durch die Weihnachtsgeschichte. Er wirkte gelöst und unverkrampft, ließ der Musik Raum, ließ sie fließen und natürlich atmen und bewies einmal mehr sein ausgeprägtes Gespür für sinnliche klangfarbliche Reizwirkungen. Geschmeidigkeit erhielt in dieser Interpretation den Vortritt vor scharfen Kontrasten. Somit entstand eine überzeugende Balance zwischen den Vokalisten und den historischen Instrumenten.

Schon das berühmte „Jauchzet, frohlocket“ wurde beim Wort genommen und war mit keck aufstampfenden Pauken und hellstimmig schmetternden Trompeten fast eine Aufforderung zum Tanz. Und an anderer Stelle diese herrlichen Filigrane aus Sechzehnteln von Flöten und Geigen. Überhaupt: Winklers Bach wirkte nie unangemessen forciert, sondern folgte einfach dem musikantischen Impuls dieses Zyklus’ der Hoffnung, sinnlich und beseelt und zugleich pulsierend und optimistisch die frohe Botschaft transportierend. Dadurch gelang es ihm in einer geradezu fesselnden Art und Weise, die inhaltliche Bedeutung des in den Kantaten beschriebenen weihnachtlichen Geschehens von innen heraus wachsen und aufstrahlen zu lassen.

Erler verband als Evangelist stimmliche Schönheit mit einer erzählerischen Aussagekraft, die ganz ohne Manierismen auskam. Rosenfeldt wiederum verschmolz bei ihrer Arie „Schließe, mein Herze“ sinnbildlich wie der Mensch mit dem Himmel. Und beim trostgeschwängerten Duett „Herr, dein Mitleid, dein Erbarmen“ wussten Meyer und Hinz die damit verbundenen Emotionen ungemein ausdrucksstark in Töne zu fassen. Und dann der Chor: Einfach wunderbar der stimmlich akkurat ausgeformte Engeljubel im Chorsatz „Ehre sei Gott“, der geradezu in einen Himmel voll menschlicher Leidenschaft zu führen schien. Insgesamt eine rundum gelungene Interpretation, in der Bachs Vorstellungswelt aufs Schönste lebendig wurde.

Von Rolf-Dieter Diehl