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Celle Stadt Wahlkampf mit Strahlenmüll
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Wahlkampf mit Strahlenmüll
13:25 13.06.2010
Celle Stadt

Mehr als zwei Milliarden Euro sind während der vergangenen drei Jahrzehnte in die Erkundung des Salzstockes Gorleben geflossen. Es ist schwer vorstellbar, dass dieses Geld der Steuerzahler am Ende umsonst ausgegeben worden sein soll. Niemand zweifelt daran, dass der Salzstock im Wendland sicher und zu 100 Prozent dafür geeignet sein muss, bevor auch nur ein einziges Kilogramm des Millionen Jahre strahlenden Mülls für immer dort eingelagert wird. Deshalb gilt zunächst: Gorleben muss zu Ende untersucht werden, bevor das ganze Verfahren mit frischem Geld an anderem Ort mit neuem Widerstand wieder ganz von vorne beginnt.

Wenn Bundesumweltminister Sigmar Gabriel genau dies jetzt vehement fordert, ist dies allein auf den laufenden Bundestagswahlkampf zurückzuführen. Um der Wählerstimmen willen soll ein brennendes Problem unserer Zeit noch weiter in die Zukunft verlagert werden. Es kann nicht sein, Kindern und Enkelkindern dieses ungelöste Problem weiterzureichen; denn sie haben es nicht zu verantworten.

Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass pünktlich zur Bundestagswahl Unterlagen veröffentlicht werden, die angeblich beweisen, dass zu Zeiten der christlich-liberalen Regierung unter CDU-Kanzler Helmut Kohl fachliche Gutachten im Sinne einer Eignung des Standortes Gorleben manipuliert worden sein sollen. Dies aufzuklären, ist sicher bitter nötig. Wenn Kohl-Nachfolgerin Angela Merkel jetzt zusichert, die umstrittenen Unterlagen aus der Regierungszeit Kohls vorbehaltlos prüfen zu lassen, so sollte sie am besten gleich heute – sofort – damit anfangen. Zugleich sollten aber nicht noch einmal 31 Jahre vergehen müssen, bis ein Endlager für die strahlenden Hinterlassenschaften deutscher Kernkraftwerke gefunden ist, wie es Gabriel vorschwebt.

Und weil niemand heute eine Antwort weiß auf die Frage, wo der täglich mehr werdende Atommüll endgelagert werden kann, ist es auch unverantwortlich, für längere Laufzeiten deutscher Atommeiler einzutreten, wie es Union und Liberale nach wie vor tun.

Von Hans-Jürgen Galisch