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Celle Stadt Von Frauenzimmern und Bunsenbrennern
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Von Frauenzimmern und Bunsenbrennern
15:28 13.06.2010
Der Versuchsaufbau „Biolab II“ von Hartmut Bohl ist eine Installation aus dem Jahr 2009.
Der Versuchsaufbau „Biolab II“ von Hartmut Bohl ist eine Installation aus dem Jahr 2009. Quelle: Aneka Schult
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Küche. Kurz und knackig. Zu diesem Thema hat das Kunstbüro Hannover – das sind acht Künstler – in der Gotischen Halle eine Gemeinschaftsausstellung im Celler Schloss arrangiert. „Küche. Materialien. Malerei. Menüs“ nennt sich das bunte Buffet aus Malerei, Fotografie, Video und Installation, das dort aufgebaut wurde, wo Ende des 14. Jahrhunderts die Schlossküche war, wie Karl-Heinz Oberbeck, Leiter des Fachdienstes Kultur der Stadt Celle, erwähnte.

Das Kunstbüro, das gern themenbezogene Konzepte präsentiert, wartet in Celle mit unterschiedlichsten Arbeiten auf. Blickfang ist eine Küche ganz explosiver Art. Der Versuchsaufbau „Biolab II“ von Hartmut Bohl mit Glaskolben, Bunsenbrennern und geheimen Elixieren ist Hexenküche und modernes Alchemistenlabor. Mittels Fotos erzählt er zudem von Schlossküchen, die im Winter als Experimentierstuben dienten. Auf diese Weise entwickelte Böttger das „weiße Gold“, die Rezeptur für das Meißner Porzellan, wie Uwe Rautenberg vom Bomann-Museum bemerkte. Ein Foto aus dem Bomann-Museum stellt eine Küchenszene dar, mit bepudertem Gugelhupf. Für manch einen gleicht seine Teigwerdung bereits einem gefährlichen Experiment. K.-H. Bethmann verbindet Küche mit Bewegung, Gestaltung, Tanz. Er zeigt Lithographien und Stahldraht-Gips-Acryl-Plastiken in kontemplativem Blau. Sigi Grunwald spielt im Ready Made „When I cook…“ mit kulinarischen Katastrophen und sprachlichen Gaumenfreuden. Jens Hoff, dessen Ölbilder nicht eigens für die Ausstellung entstanden, dockt mit großformatigen, farbsubtilen, ruhigen (Bühnen-)Bildern an das Thema an. Mittels eines Holzschranks, inspiriert von Luc Tuymans, variiert er Szenen der Vereinsamung, Familiendramen, Fremdbestimmung. Die Küche als urkommunikativer Ort verharrt im Schweigen. Als Bild im Bild meldet sich Beuys, so mit seiner „inneren Mongolei“.

Jürgen Rach archiviert in „Conservare“ Grabungsfunde aus dem Küchengarten. Der Metall- und Steinbildhauer Jürgen Schulz sieht die Küche in seiner raumgreifenden Arbeit als Energiezentrum, als Ort der Transformation. Ironisch geht Gerd Scholz multimedial mit dem Klischee Küche um und nutzt die Steilvorlage Frauenzimmer.

Am runden Tisch, würdevoll gedeckt, speisen jene, die ihre Menükarte auf den Cent genau berechnen. „Deutsches Haus“ heißt die Lokalität von Hermann Sievers, in der das Tagesmenü „Vorstandsmitglied Hartz“ für 3,78 Euro oder „Minister Eichel“ für 3,80 Euro angeboten wird.

Öffnungszeiten: Die Ausstellung läuft in der Gotischen Halle bis zum 30. August, dienstags bis sonntags von 10 bis 13 und 13.30 bis 17 Uhr.

Von Aneka Schult