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Celle Stadt Von Chopin bis zum Indianertanz
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Von Chopin bis zum Indianertanz
14:33 13.06.2010
Kerstin Sachs (links) mit Anne Steinkrauß bei Czernys "Grande Sonate brillante" op. 10
Kerstin Sachs (links) mit Anne Steinkrauß bei Czernys "Grande Sonate brillante" op. 10 Quelle: Rolf-Dieter Diehl
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Von Debütanten über bereits bekannte „Jugend musiziert“-Gesichter bis hin zur inzwischen an der Musikhochschule Detmold immatrikulierten Musikstudentin – die Klavierklasse Sabine Salzer von der Kreismusikschule Celle präsentierte bei ihrem Konzert im Beckmannsaal eindrucksvoll die Entwicklungsstufen bei der Ausbildung von Klavierschülern, aber auch den kontinuierlich steigenden Anspruch an die Musikliteratur. Die elf Mädchen und Jungen boten vom einfachen Übungsstück bis zu virtuosen Vorträgen ein überaus abwechslungsreiches Programm: Vom „Indianertanz“ bis zur polnischen Mazurka, vom Volkslied bis zu Mendelssohns „Lieder ohne Worte“, von Etüden und Miniaturen bis zu Bach-Präludium und Chopin-Nocturne. Und je ausgereifter sich die jungen Interpreten bei den ausgewählten Balladen und Sonatensätzen zeigten, desto deutlicher wurden auch ihre gestalterischen Vorlieben und Charaktere: Hier Pathos und mondäne Koketterie, dort Verträumtheit und sentimentales Verfließen.

Höhepunkt und Abschluss bildete die vierhändig zu spielende „Grande Sonate brillante“ op. 10 des Beethoven-Schülers und Liszt-Lehrers Carl Czerny, in mitreißender Manier und geradezu entfesselt dargeboten von Anne Steinkrauß und Kerstin Sachs. Die jungen Musikstudentinnen näherten sich dem Werk mit viel Verve, verzichteten aber auf vordergründige Virtuosität und legten vielmehr gesteigerten Wert auf das subtile Ineinandergreifen der Stimmen, auf die Entfaltung der musikalischen Charakterzüge der Komposition. Und die breiteten sie mit viel Spielwitz und gestalterischem Genuss vor dem begeisterten Publikum aus. Das war ein inspiriertes Miteinander zweier hoch talentierter und sorgfältig geschulter Nachwuchspianistinnen, die spielfreudig und musikbesessen die Wirkung des Ganzen im Auge bzw. in den Händen behielten. Gerade dadurch gelang es ihnen, die ganze Pracht und Klangfülle dieses für den disziplinierten Czerny ungewöhnlich enthusiastischen Werkes auf den 88 Tasten zum Tanzen zu bringen.

Von Rolf-Dieter Diehl