City-Verkehr

Freie Fahrt auf Celles "Äußerem Ring"

Dank Corona ist das große Verkehrsprojekt deutlich schneller fertig als geplant - mit vielen Neuerungen. Das müssen Verkehrsteilnehmer jetzt wissen. MIT VIDEO.

  • Von Michael Ende
  • 18. Dec 2020 | 17:02 Uhr
  • 14. Jun 2022
  • Von Michael Ende
  • 18. Dec 2020 | 17:02 Uhr
  • 14. Jun 2022
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Celle.

Erst im Schneckentempo und dann schnell wie der Blitz – falls der Verkehr auf Celles "Äußerem Ring" genau so laufen sollte wie dessen Bau, dann müsste man auf der Strecke, die jetzt freigegeben wurde, ganz besonders aufpassen. Nach Planungen vom Beginn des Jahrtausends sollte das Projekt, das die Umgestaltung des Neumarktes und den gegenläufigen Ausbau des Nordwalls beinhaltet, bereits 2007 fertig sein. Es folgte jahrelanger Stillstand. In diesem Jahr hieß es, der Nordwall werde erst Mitte 2021 vollendet. Das ist bereits jetzt der Fall – Corona sei Dank.

40.000 Fahrzeuge quälen sich jeden Tag über das Nadelöhr Neumarkt

Rund 40.000 Fahrzeuge quälen sich jeden Tag über das Nadelöhr Neumarkt – Celles meistbefahrenen Knotenpunkt. 2004 hatten die Planer noch vorgesehen, den Verkehr am Neumarkt auf zwei Ebenen fließen zu lassen. Die Fußgänger wollte Celles damaliger Oberbürgermeister Martin Biermann in luftiger Höhe über den Neumarkt führen - mittels eines vier Millionen Euro teuren Skywalks. Die Fußgängerbrücke wurde nie gebaut. Stattdessen blieb man auf dem Boden der Tatsachen und auf einer Ebene. Hier sollen nun in Zukunft alle zu ihrem Recht kommen: Fußgänger, Radler, der ÖPNV und Autofahrer. Klar, dass das auf dem beengten Raum zu Konflikten führt, für die es keine idealen Lösungen gibt.

Ergänzung zum Celler Innenstadtring

Der Äußere Ring ist als Ergänzung zum Innenstadtring konzipiert, mit dem der Verkehr entgegen dem Uhrzeigersinn vom Schloßplatz über Südwall, Heiliges Kreuz, Schuhstraße bis zur Kanzleistraße um die Fußgängerzone geführt wird.

Halbes Jahr früher fertig - dank Corona

Oberbürgermeister Jörg Nigge nannte es bei der offiziellen Verkehrsfreigabe ein "Meisterstück", dass nach anderthalb Jahren Bauzeit eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte der Stadt sogar rund sechs Monate früher als geplant fertig geworden sei. Dass habe man auch dem Virus zu verdanken, so Stadtbaurat Ulrich Kinder: „Die Pandemie hat uns vor neue Herausforderungen gestellt, aber so konnten wir Sperrzeiten anpassen, Baufelder optimieren – kurz: Wir und vor allem die am Bau beteiligten Firmen konnten effizienter arbeiten." Die Baukosten für das Vorhaben betragen rund 6,5 Millionen Euro.

Neue Verkehrsführung

"Hier bleibt nichts so, wie es jetzt ist", hatte Verkehrsplaner Jörg Frohnert vor 16 Jahren gesagt – und Recht behalten. Verkehrsteilnehmer müssen sich jetzt an eine ganze Reihe von Neuerungen gewöhnen. Mit Öffnung des Nordwalls für den Zwei-Richtungs-Verkehr werden gleichzeitig im Zuge von Nigges "Fahrradoffensive" die gesamte Fritzenwiese und die Theo-Wilkens-Straße zu Fahrradstraßen. Auto fahren dürfen dort nur noch Anlieger. Künftig kann aus dem Nordwall nicht mehr direkt in die Hehlentorstraße eingebogen werden. Aus Richtung Nordwall führt ein Fahrstreifen zur Mühlenstraße. Für alle, die von der Allerbrücke zum Nordwall unterwegs sind, steht ein Linksabbiegestreifen zur Verfügung, über diesen geht es auch in die Hehlentorstraße. Südlich der Allerbrücke weitet sich die Verkehrsfläche für einen weiteren Geradeausstreifen vor der Ampel auf. Nach 100 Metern endet dieser vor dem einspurigen Kreisel Hafenstraße/Mühlenstraße/Neumarkt.

Runde Sache?

Dieser Kreisel ist jetzt wieder komplett – inklusive der üblicherweise dazu gehörenden Fußgängerüberwege, von denen einer abgesperrt war, um einen besseren Auto-Verkehrsfluss zu gewährleisten. Ob das Ganze jetzt mit dem "Problem-Zebrastreifen" funktioniert? Nigge macht aus seiner Skepsis keinen Hehl: „Glücklich bin ich darüber nicht, aber leider sind die Zebrastreifen an dieser Stelle vom Gesetzgeber verpflichtend vorgeschrieben.“

Verkehr fließt tadellos

Man habe versucht, die Interessen der verschiedenen Verkehrsteilnehmer "unter einen Hut zu bringen", so Nigge: "Kritiker werden schnell verstimmen, wenn sie das hier selbst ausprobiert haben." Zumindest gestern konnte sich niemand beklagen. Der Verkehr floss reibungslos – auch das dürfte zum Teil Corona und dem durch die Seuche stark verminderten Verkehrsaufkommen zu danken sein.

Eine Bildergalerie zum neuen Neumarkt und zum geöffneten Nordwall finden Sie im Internet auf der CZ-Homepagewww.cz.de