Urlaub trotz Corona

Abflug ins Leben: Celler wollen nach Mallorca

Michaela Berg gehört das Celler Reisebüro "Easy Travel". Sie hat harte Zeiten hinter sich und dachte ans Aufgeben. Doch nun scheint es bergauf zu gehen.

  • Von Marie Nehrenberg-Leppin
  • 29. Mai 2021 | 16:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Marie Nehrenberg-Leppin
  • 29. Mai 2021 | 16:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Celle.

Es war am vergangenen Dienstag, als Michaela Berg zum ersten Mal seit langer Zeit das Gefühl hatte, dass schon alles gut werden wird. Den ganzen Tag über blieb kaum eine Minute Zeit zum Verschnaufen für die Inhaberin des Celler Reisebüros „Easy Travel“ an der Hasenbahn. „Das hat sich angefühlt wie früher“, sagt sie. „Ich bin mit den Beratungen kaum hinterhergekommen. Ich habe den Eindruck, dass den Cellern endlich wieder nach Urlaub zumute ist.“

Easy Travel im Real-Center

Michaela Berg führt das kleine Reisebüro im Real-Einkaufscenter seit sieben Jahren. Nicht selten dachte sie in den vergangenen Monaten ans Aufgeben. Eine harte Zeit, auch für ihre Mitarbeiterinnen. Melissa Spillner ist noch in der Ausbildung, konnte ein Jahr lang kaum Praxiserfahrung sammeln. Und Christin Wolff ist seit Beginn der Pandemie zu einhundert Prozent in Kurzarbeit. „Anfangs war ich tatsächlich manchmal ganz froh drum, weil ich es kaum ertragen habe, zu sehen, wie Michaela leidet und um ihre Existenz bangt“, sagt sie. Die drei Frauen sind nicht nur Kolleginnen, sondern mit der Zeit auch zu Freundinnen geworden. „Ich habe die Chefin oft weinen gesehen, weil sie keine Perspektive mehr gesehen hat. Aber irgendwie haben wir uns immer gegenseitig ermutigt, weiter positiv zu denken“, erzählt Wolff.

Informationen gibt es vom Auswärtigen Amt

Doch nun ist endlich Licht am Ende des Tunnels zu sehen. „In dieser Woche hatten wir so viele Buchungen wie im ganzen vergangenen Jahr zusammen nicht. Von jetzt auf gleich hat das Telefon quasi nicht mehr stillgestanden“, berichtet Berg mit einem Strahlen im Gesicht. „Die Menschen freuen sich, dass Urlaub endlich wieder möglich scheint. Trotzdem sind sie weiterhin unsicher.“ Fragen nach drohender Quarantäne bei der Rückkehr, Corona-Beschränkungen am Urlaubsort oder Maskenpflicht am Strand – alles Themen, die aktuell zum Tagesgeschäft gehören. „Manchmal sind wir da aber auch überfragt. Wir können Erfahrungen weitergeben, aber letztlich ist die beste Anlaufstelle für Fragen solcher Art das Gesundheitsamt oder das Auswärtige Amt.“

Pauschalreisen nach Mallorca gefragt

Gefragt unter den Cellern sind besonders Pauschalreisen. „Das macht aktuell auch wirklich Sinn“, meint Berg. „Die Veranstalter haben in den meisten Fällen coronabedingt gute Stornierungsbedingungen. Heißt, dass im Falle einer Reisewarnung Flug und Hotel in einem Wisch storniert werden können.“ Die beliebtesten Reiseziele unter Cellern sind in diesem Sommer Mallorca, die Kanaren und die Türkei. „Hauptsächlich wollen die Menschen wirklich nach Mallorca, da haben wir mit Abstand die meisten Buchungen.“ Fernreisen und Kreuzfahrten hingegen laufen eher noch schlecht. „Heute hatten wir zum Beispiel eine Buchung für die Kapverden, also zumindest eine halbe Fernreise. Bei Kreuzfahrten ist es so, dass viele Menschen von der Maskenpflicht abgeschreckt sind. Und viele haben auch noch die Szenarien im Kopf, dass Corona ausbricht und man wochenlang in Zwangsquarantäne auf dem Schiff bleiben muss.“

Coronakrise als Chance für Reisebüros

Trotz der harten Zeit, die hinter den Reisebüros liegt, glaubt Berg, dass die aktuelle Lage auch eine Chance für ihre Branche bietet. „Viele Menschen sind unsicher und schätzen die Beratung im Reisebüro wieder mehr als vor Corona“, sagt sie. „Unsere Kundschaft in den vergangenen Tagen war gut gemischt. Unser ältester Urlauber ist 88 Jahre alt.“