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Celle Stadt Und morgen bin ich ein Star…
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Und morgen bin ich ein Star…
12:54 13.06.2010
Von Oliver Gatz
Marisa Planck
Marisa Planck Quelle: Oliver Gatz
Celle Stadt

Ob Superstar, Supertalent oder Supermodel: Viele Jugendliche wollen die Schulbank vorzeitig verlassen und ins Showgeschäft einsteigen. Dabei sinkt das Alter immer weiter - sogar Achtjährige wollen ihren Traum von der großen Karriere verwirklichen. Dabei ist nicht die Erfahrung oder gar eine Ausbildung von Bedeutung - Talent ist alles, was zählt. Talentshows im Fernsehen gibt es genug. Besonders populär ist derzeit die neue Staffel der RTL-Show „Deutschland sucht den Superstar“. Wie bewerten junge Leute diese Shows? Und verspüren sie selbst den Drang, im Rampenlicht zu stehen?

Juliane Klawatz (17) aus Winsen sieht die Shows, ihre Macher und die Zuschauer, die die Sendungen verfolgen, sehr kritisch. Das sei alberne Unterhaltung, sagt sie. Dabei werde den jungen Menschen Hoffnung auf eine erfolgreiche Karriere gemacht. Was nicht berücksichtigt werde, sei die „unglaubliche Verzweiflung und Orientierungslosigkeit“ vieler Teenies, die sich Illusionen hingäben. „Vielleicht hat man das Erfolgsgefühl, etwas als Starkandidat erreicht und Anerkennung bekommen zu haben. Aber wie lange hält das an? Und wie sieht dann die Zukunft aus?“, fragt sich die 17-Jährige.

Junge Leute sollten sich Gedanken über eine berufliche Perspektive machen und nicht irgendwelchen Idolen nacheifern, meint Juliane. „Meistens ist es doch so: Mit 15 Jahren träumt man von einer Karriere als Sängerin. Erst später bilden sich die wirklichen Interessen heraus“, gibt die Winserin zu bedenken. Nachher säße man ohne Job und Zukunft da. „Das gibt es in Deutschland schon genug.“

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Eine andere Meinung vertritt die 16-jährige Marisa Planck. Die gebürtige Cellerin kann sich für Castings und Talentshows begeistern, obwohl sie selbst nicht davon träumt, auf der Bühne zu stehen. Trotzdem sei es doch nur fair, wenn künstlerische Berufe genauso gefördert werden wie andere, sagt sie. „Was wäre das Fernsehprogramm ohne Stars, MTV und Soaps?“, fragt sich Marisa. Ohne Sänger, Schauspieler und Comedians sei es langweilig auf der Mattscheibe. Außerdem hätten Klatschblätter dann gar nichts mehr, worüber sie schreiben könnten, meint die 16-Jährige.

Und was hält sie davon, dass die angehenden Superstars und Supertalente häufig sehr jung sind? „Ich finde, dass das diese Leute schon selber wissen müssen. Wenn sie sich entscheiden, unbedingt singen zu wollen, und das Bühnenleben mögen - warum nicht?“

Patrick Zilinski hält überhaupt nichts von Talentshows wie „DSDS“. „Ich muss mir so etwas wirklich nicht antun“, betont der 18-Jährige genervt. Den Celler interessieren im Fernsehen hauptsächlich Sportsendungen. Er habe „DSDS“ einmal gesehen, das habe ihm gereicht, sagt Patrick. Die Personen, die dort auftraten, seien entweder total untalentiert oder komplett überfordert gewesen, meint er. „Dieses hysterische Getue um den Sieger-Kandidaten ist einfach zu schrecklich, um es sich noch einmal anzusehen“, kritisiert der 18-Jährige. „Schlimmer geht es echt nicht.“

„Es gibt viele Leute, die sehr übertrieben von sich überzeugt sind, die sich aber auch völlig überschätzen“, sagt Sebastian Werniger (19) aus Eschede. Trotzdem schaut er sich Castingshows im Fernsehen gerne an und sieht darin ein großes Unterhaltungspotenzial. Allerdings überzeugen ihn die Talente meistens nicht.

Und was hält er davon, dass die Casting-Kandidaten häufig sehr jung sind? Sebastian zuckt mit den Achseln. „Das ist schwer zu beantworten.“ Es sei ihm aufgefallen, dass die potenziellen Jungstars ziemlich selbstbewusst auftreten und die Bühne lieben. Der 19-Jährige glaubt allerdings nicht, dass Deutschland so viele junge Idole braucht. Es gebe viel zu viele Castings. Trotzdem: „Das Publikum wird in jedem Fall prächtig unterhalten“, sagt der Escheder. „Es ist eben mehr Show als alles andere.“