Überfall auf Juwelier

Räuber hatten scharfe Waffe und Handschellen

Die beiden Leichen sind obduziert worden. Die Identität des zweiten Manns bleibt aber rätselhaft. Dafür werden weitere Details des Celler bekannt.

  • Von Christian Link
  • 18. Sep 2020 | 20:20 Uhr
  • 14. Jun 2022
  • Von Christian Link
  • 18. Sep 2020 | 20:20 Uhr
  • 14. Jun 2022
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Celle.

Fünf Tage nach dem tödlichen Überfall auf einen Celler Juwelierladen ist die Identität der zweiten Leiche immer noch ungeklärt. Bei seinem mutmaßlichen Komplizen handelt es sich um einen 35-jährigen Deutschen, der am Montagnachmittag noch im Geschäft an der Neuen Straße starb. "Er ist unmittelbar an den Folgen eines Schusses in den Brustbereich gestorben", fasst Oberstaatsanwalt Lars Janßen das Obduktionsergebnis zusammen. Der andere Mann erlag in der Nacht zu Dienstag seiner Schussverletzung. Er wurde in den Kopf getroffen, was offenbar auch die Identifizierung erschwert. Die Ermittler setzen jetzt auf eine DNA-Untersuchung durch das Bundeskriminalamt.

Räuber feilen Seriennummer aus Pistole

Die Schusswaffe, die die mutmaßlichen Täter dabei hatten, wird ebenfalls noch genauer untersucht. "Es handelt sich nach einer ersten Einschätzung der Polizei um scharfe Munition. Abschließend wird diese Frage durch ein waffentechnisches Gutachten geklärt werden", sagt Janßen. Die Seriennummer der Waffe sei unkenntlich gemacht, sodass der ursprüngliche Besitzer der Pistole nicht ermittelt werden kann.

Polizei findet drei Paar Handschellen

Die Männer hatten nicht nur eine Waffe dabei. "Am Tatort wurden drei Paar Handfesseln sowie zwei paar schwarze Handschuhe sichergestellt, die offenbar den mutmaßlichen Tätern zuzuordnen sind", berichtet Janßen. Zuvor hatte auch das Juweliers-Ehepaar in der "Bild"-Zeitung von Handschellen und Handschuhen berichtet. Auch der geschilderte Angriff auf die Ehefrau des Ladeninhabers wird durch die bisherigen Ermittlungsergebnisse gestützt. Die 72-Jährige ist direkt nach dem Überfall im AKH untersucht und behandelt worden. "Nach einer vorläufigen Bewertung durch die Rechtsmedizin wurden Zeichen von stumpfer Gewalteinwirkung festgestellt, darunter auch am Hals", so Janßen.

Erst kommt die "Bild", dann die Polizei

Das Ehepaar hat zwar am Tag nach dem Überfall der "Bild" ein Interview gegeben, aber noch immer nicht bei der Polizei ausgesag t. "Ein Termin zur Vernehmung des Ehepaars wurde für die kommende Woche vereinbart", sagt der Oberstaatsanwalt. Gegen den 71-jährigen Celler Juwelier läuft routinemäßig ein Ermittlungsverfahren. Der Verdacht: Totschlag. Rechtsanwalt Björn Nordmann fordert eine sofortige Einstellung des Verfahrens gegen seinen Mandanten. "Er hat aus Nothilfe und aus Notwehr gehandelt", sagt der Jurist aus Hannover.

Die Polizei ermittelt auch gegen die beiden Toten wegen schweren Raubs. Ziel ist aber nicht eine Verurteilung. "Eine Strafverfolgung gegen Verstorbene ist nach der deutschen Strafprozessordnung ausgeschlossen", erläutert Janßen: "In dem weiteren Verfahren wird geprüft, ob die mutmaßlichen Täter gegebenenfalls Mittäter oder Gehilfen gehabt haben."