Trinkwasserversorgung

Celler Wasserschutzgebiet wird verkleinert

Kleiner ist nicht gleich schlechter? Das steckt hinter der neuen Festsetzung des Wasserschutzgebiets in Celle.

  • Von Gunther Meinrenken
  • 20. Jun 2022 | 16:59 Uhr
  • 21. Jun 2022
  • Von Gunther Meinrenken
  • 20. Jun 2022 | 16:59 Uhr
  • 21. Jun 2022
Anzeige
Celle.

Wasser ist unser wichtigstes Lebensmittel. Ergibt es da Sinn, ein Wasserschutzgebiet zu verkleinern? Diese Frage stellten sich viele Mitglieder des Celler Umweltausschusses, als die Neufestsetzung des Wasserschutzgebiets Garßen in der jüngsten Sitzung des Gremiums auf der Tagesordnung stand. So hatte Diplom-Ingenieurin Stephanie Düe, zuständige Mitarbeiterin im Neuen Rathaus, auch einige Mühe, die Lokalpolitiker davon zu überzeugen, dass kleiner nicht gleich schlechter heißt.

Letzte Festsetzung vor 40 Jahren

Das aktuelle Wasserschutzgebiet, das 1981 festgelegt wurde, umfasst etwa 13.000 Hektar und verläuft südlich von Celle in Richtung Eschede und weiter nach Unterlüß. Daran wird sich grundlegend nichts ändern, nur dass die neuen Festsetzungen wesentlich schmaler, aber auch länger sein werden. Die Fläche des neuen Wasserschutzgebiets wird sich insgesamt auf 6170 Hektar reduzieren (minus 53 Prozent), der Anteil im Stadtgebiet von Celle von 5600 auf 2000 Hektar (minus 65 Prozent).

Aktuelles Gebiet zu groß angelegt

Angesichts dieser Änderungen wirkten die meisten Ausschussmitglieder irritiert. "Das ist ja eine Verkleinerung. Wo liegen denn da die Vorteile?", fragte etwa Ralf Blidon (FDP) nach. Düe erklärte: "Seit das jetzige Wasserschutzgebiet festgelegt wurde, hat sich technisch bei den Berechnungsmethoden einiges getan. Bei unseren Untersuchungen hat sich gezeigt, dass das aktuelle Gebiet zu groß angelegt war."

Wohin fließen die Tropfen?

Entscheidend für diese Berechnungen seien die Strömungsverhältnisse der Regentropfen oder anders ausgedrückt: Erreichen die Niederschläge auch wirklich den Wassergewinnungsbereich der Brunnen? Nach den neuen Untersuchungen seien eben nur die Flächen in das Wasserschutzgebiet aufgenommen worden, von denen aus "die Tropfen" auch wirklich zu den Brunnen gelangen. Es gelte das Übermaß-Verbot, sprich: Den Behörden ist es nicht erlaubt, das Gebiet größer festzulegen, als es die Strömungsverhältnisse erforderlich machen.

Celler Landwirte bitten um einheitliche Grenzen

"Dann sind die Landwirte, deren Flächen nun nicht mehr im Wasserschutzgebiet liegen, die Gewinner", stellte Torsten Schoeps (Wählergemeinschaft) vor dem Hintergrund fest, dass diese Landwirte nun weniger Schutzauflagen bei der Bewirtschaftung ihrer Felder hätten. Friedrich Lodemann, Vertreter des Landvolks, merkte hingegen an, dass die Grenze des Schutzgebietes teilweise genau durch die Flurstücke verlaufe. "Das erschwert die Bewirtschaftung. Wir bitten darum, die Grenzen einheitlicher zu ziehen", so Lodemann. Dües Antwort: "Für diese Fälle von durchschnittenen Feldblöcken gibt es Förderungen. Dazu müssten Sie sich an den Wasserversorger wenden."

Entnahmekapazität nicht ausgeschöpft

Bereits bewilligt ist die Kapazität der Wasserentnahme. Bis 2041 dürfen aus dem Wasserschutzgebiet 9 Millionen Kubikmeter Wasser gefördert werden. Zuvor waren es zusammen mit der mittlerweile stillgelegten Entnahmestelle Bostel (2 Millionen Kubikmeter) 10 Millionen Kubikmeter. Doch diese Menge wird bei Weitem nicht ausgeschöpft. Tatsächlich werden jährlich nur 6,5 Millionen Kubikmeter Wasser aus der zweiten Grundwasserschicht in einer Tiefe von 60 Metern gefördert, erklärte Düe den Mitgliedern des Umweltausschusses.