Trinkwasser auffällig

Noch immer keine Entwarnung bei Keimen in Celle

Bewohner von Celler Stadtteil Osterloh müssen Wasser immer noch abkochen. So viele Haushalte sind betroffen.

  • Von Gunther Meinrenken
  • 05. Nov. 2019 | 07:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Gunther Meinrenken
  • 05. Nov. 2019 | 07:00 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Celle.

Wer akribisch sucht, der wird irgendwann auch fündig. So könnte man wohl die Situation beschreiben, die sich derzeit hinsichtlich der Trinkwasserqualität in Osterloh abspielt. Nachdem Anfang Oktober eine erhöhte Belastung mit coliformen Keimen und Enterokokken festgestellt wurde, gilt in dem abgelegenen Celler Ortsteil wieder das Gebot, das Wasser vor dem Verbrauch abzukochen. Die Anwohner, aktuell ist von etwa 110 Haushalten die Rede, sind genervt, sind sie doch innerhalb von fast einem Jahr zum zweiten Mal von Keimen im Trinkwasser betroffen – mit allen damit verbundenen Unannehmlichkeiten.

Zum zweiten Mal trifft es Osterloh

Der scheinbar nicht enden wollende Kreislauf aus Proben nehmen und Leitung spülen nahm im Dezember vergangenen Jahres seinen Lauf. Damals wurde bei einer Routinebeprobung eine minimale Überschreitung der Grenzwerte für coliforme Keime festgestellt. Auch wenn nach Auskunft der Stadtwerke "zu keinem Zeitpunkt eine Gesundheitsgefährdung" vorgelegen habe, musste das Gesundheitsamt auf Nummer sicher gehen. In Absprache mit den Stadtwerken wurde ein Proben- und Spülplan erstellt.

"Darüber hinaus haben wir die Verbräuche analysiert, um festzustellen, ob sich irgendwo ein verlassenes Haus befindet, das kein Wasser mehr abnimmt", erklärt Rohrnetzmeister Stefan Krauße. Hintergrund: Ohne Wasserzirkulation kann sich bei "toten" Hausanschlüssen" stehendes Wasser bilden, in dem sich die Keime besser vermehren können. Außerdem seien Hydranten ausgetauscht worden. Endgültige Entwarnung gab es jedoch erst nach ein paar Monaten.

Probleme wegen Stichleitung?

In der Bevölkerung des Ortsteils hat man allerdings noch eine ganz andere Vermutung, woher die erhöhte Keimbelastung kommen könnte. Bei einer Informationsveranstaltung am 23. Oktober im Allerkrug, zu der etwa 60 Anwohner gekommen waren, äußerten Osterloher Bürger den Verdacht, dass die Probleme daher rührten, dass in dem Ortsteil keine Ringleitung, sondern eine Stichleitung verlaufe. In den "Sackgassen" würde sich so leichter stehendes Wasser bilden können.

Ringleitung "würde nichts bringen"

Netzingenieur Volker Söhnholz tritt diesen Bedenken entgegen. "Nach dem ersten Vorfall haben wir in Osterloh an zwei Endpunkten des Rohrnetzes bauliche Veränderungen vorgenommen. Am Ende der Stichleitung ist jetzt auch immer ein Verbraucher angeschlossen." Außerdem würde durch eine Ringleitung nicht garantiert, dass das Leitungsvolumen komplett ausgetauscht würde. "Für eine bessere Durchströmung würde das nichts bringen", ist sich Söhnholz sicher.

Besonders ärgerlich an der aktuellen Situation: Die Keimbelastung stammt eventuell gar nicht aus dem Trinkwasser, sondern ist womöglich auf eine verunreinigte Probe zurückzuführen. Der Nachweis dafür lässt sich allerdings nicht mehr erbringen. "Am 8. Oktober, als wir die Probe entnommen haben, gab es Starkregen", so Krauße. Daher sei es gut möglich, dass die Verunreinigung mit den Keimen von außen in die Probe gelangt sein könnte. Doch wegen der strengen Vorschriften, die ja letztlich zum Schutz der Bevölkerung sinnvoll seien, müsse man auf ein solches Probenergebnis reagieren. "Wenn man einmal so eine Probe hat, ist man voll drin in der Folgenanalytik", so Krauße.

Erneut "kleine Auffälligkeit"

Und das bedeutet für Osterloh: Zusammen mit dem Gesundheitsamt wurde erneut ein strenger Proben- und Spülplan ausgearbeitet. An den neun Entnahmestellen wurde im Abstand von ein paar Tagen im Wechsel beprobt und gespült. "Der Trend ist gut", verkündete Krauße Ende vergangener Woche und ließ die Hoffnung aufkeimen, dass Anfang dieser Woche Entwarnung gegeben werden könnte. Voraussetzung: Sämtliche Vorsichtsmaßnahmen werden erst wieder aufgehoben, wenn in drei aufeinanderfolgenden Proben keine Keime mehr nachgewiesen werden. Doch dem ist leider nicht so. Auf Nachfrage der CZ teilte der Technische Leiter der Stadtwerke, Manfred Terlutter, gestern mit: "Leider gab es eine kleine Auffälligkeit. Wir haben nochmal Proben genommen und hoffen, dass zum Wochenende hin alles wieder in Ordnung ist."