Traumjob auf Wangerooge

Celler Polizist reif für die Insel

Für Kriminelle ist die Insel Wangerooge nicht nur ein unspektakuläres, sondern auch gefährliches Pflaster. Ein Celler Polizist sorgt dort für Ordnung.

  • Von Michael Ende
  • 20. Mai 2020 | 09:25 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Michael Ende
  • 20. Mai 2020 | 09:25 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Celle.

Er fühlte, dass er reif war für die Insel. Und jetzt lebt er auf dem, wie er sagt, „schönsten Sandhaufen der Welt“: Der Celler Holger Lackner hat sein Haus in Garßen mit einem Domizil auf Wangerooge getauscht. Dort arbeitet der 53-jährige Kriminalhauptkommissar, der bisher im Landeskriminalamt in Hannover ermittelte, seit Anfang Mai als Insel-Polizist. Statt Autolärm und Abgasen nun die Rufe der Seevögel, Meeresrauschen und eine frische Brise in der Nase. Was für ein Tausch. Und kein Job wie jeder andere.

"Seltsame Atmosphäre"

Auch wenn er froh und zufrieden ist, hat er sich seinen Start in der Polizeistation Wangerooge ganz sicher anders vorgestellt. Neben dem sichtbaren Fehlen der vielen Touristen spürt er, dass die Coronakrise bei den Menschen auf der Insel Spuren hinterlässt. „Hier ist es nicht nur stiller als sonst, hier sind auch viele Menschen stiller als sonst“, sagt Lackner. Auf der Insel leben rund 1300 Einwohner, in der Hochsaison kommen bis zu 10.000 Gäste dazu: „Derzeit fehlen die Touristen, das ist eine seltsame Atmosphäre.“

"Das probieren wir"

Um für die Insulaner voll und ganz da zu sein, haben Holger Lackner und seine 51-jährige Ehefrau Anke „aus Überzeugung und mit großer Freude“ ihren Wohnsitz und damit ihren Lebensmittelpunkt aus Celle in die Inselgemeinde verlegt. Die Entscheidung sei beiden nicht schwergefallen: „Als die Stelle ausgeschrieben wurde, haben wir darüber beraten, ob ich mich bewerben solle – und dann schnell gesagt: Das probieren wir.“ Auch seine Ehefrau hat sich beruflich neu orientiert und nach über 30 Jahren bei der Hubergroup in einem Büro für Ferienimmobilienverwaltung eine Tätigkeit auf der Insel gefunden.

Das Beste am Schluss

Der Sprung auf die Insel war für Lackner keiner ins kalte Wasser. Er wusste, was ihn erwartet: „Ich habe schon in jungen Polizeijahren Inselerfahrungen gesammelt.“ So sei er bereits Mitte der 90er Jahre wie andere Festlands-Beamte auch in den Sommermonaten als Verstärkung für die „Insel-Sheriffs“ eingesprungen, so Lackner. „Ich habe mir schon damals gesagt: Das wäre auch noch mal was für das Ende deiner Polizeizeit.“

Korruptions-Experte

Lackner begann vor fast 35 Jahren seine polizeiliche Laufbahn bei der Schutzpolizei und wechselte nach einigen Jahren zur Kriminalpolizei. Dort ermittelte er überwiegend im Bereich der Organisierten Kriminalität. Zuletzt bekämpfte er im Landeskriminalamt Delikte der Korruptionskriminalität. Mit Lackner wird die im vergangenen Sommer durch die Polizeidirektion Oldenburg beschlossene Verstärkung der Insel-Polizeistation nun vollends umgesetzt.

„Schlake und Lackner" ermitteln

Gemeinsam mit Polizeihauptkommissarin Anke Schlake, die bereits seit Oktober 2019 auf der Insel lebt und ihren Dienst versieht, wird Holger Lackner fortan das polizeiliche Bild auf Wangerooge prägen. Der Dienst-Alltag habe allerdings wenig mit den beliebten Insel-Fernsehkrimis zu tun, lacht Lackner: „Das ist wirklich komisch! Diese Assoziation hat fast jeder, der von meinem neuen Job erfährt.“ Ein bisschen schade – schließlich klingt „Schlake und Lackner – Mord auf Wangerooge“ stark nach einer TV-Erfolgsserie. Doch was auf Wangerooge in der Regel an Polizeiarbeit anfällt, ist eher unspektakulär. In der jüngsten Zeit gab es Einbruchsversuche, bei denen es die dilettantischen Täter nicht schafften, Türen aufzuhebeln, einen Fahrradzusammenstoß und das Rätsel um zwei gestohlene Bau-Strahler. Nicht gerade der Stoff, aus dem Krimi-Kassenschlager sind.

Am liebsten „Freund und Helfer“

Und das sei auch ganz gut so, sagt Lackner: „In der Hochsaison schlagen vielleicht mal Jugendliche am Strand über die Stränge oder wir müssen dafür sorgen, dass Radler in der Fußgängerzone Rücksicht auf andere nehmen.“ Der Job des Wangerooger Polizei-Teams sei es, sichtbar zu sein, Ansprechpartner zu sein – im besten Sinne der „Schutzmann an der Ecke“ als „Freund und Helfer“.

Gutes Team

Peter Beer, Leiter des vorgesetzten Polizeikommissariates Jever, ist mit der Verstärkung der Insel-Polizei sehr zufrieden: „Es können Situationen auf der Insel entstehen, die die Anwesenheit von zwei Polizisten sofort erforderlich machen. Dies ist für die Bürger, aber auch die hoffentlich bald wieder zahlreich anwesenden Touristen, durchgehend und professionell gewährleistet. Zudem verfügt das Team mit Anke Schlake und Holger Lackner über einen großen und sich gegenseitig gut ergänzenden Erfahrungsschatz.“

Nicht für immer Insulaner

Ewig will Lackner nicht auf Wangerooge bleiben: „Ich habe noch acht Jahre bis zu meiner Pensionierung und wir planen, danach nach Garßen zurückzukehren. Wir haben dort ein kleines Baugrundstück. Von der Insel aus wollen wir in einigen Jahren mit der Bauplanung beginnen, um bei Rückkehr in ein neues Haus einziehen zu können.“ Dem SV Garßen bleibe er nicht nur als Mitglied treu, sondern werde dort auch weiterhin im Vorstand – „wenn auch in reduzierter Form“ – aktiv sein: „Und zu guter Letzt werde ich wie seit fast 40 Jahren weiterhin mit meinen alten Leichtathletikfreunden vom MTVE Celle einmal im Monat Doppelkopf spielen. Ein- bis zweimal im Jahr findet der Spielabend dann auf der Insel statt.“

Besser Sport statt Mord

Wenig Hektik, viel Natur und diese norddeutsche Gelassenheit der Insulaner. Lackner liebt bereits nach wenigen Wochen seinen neuen Job: „Ich arbeite da, wo andere Urlaub machen.“ Dass das Polizei-Inselleben nicht immer beschaulich sein muss, weiß Lackner aus Erzählungen seines Vaters, der ebenfalls Kriminalbeamter war und genauso wie der Sohn das Inselleben ausprobierte: „Als der vor vielen Jahren als Sommer-Verstärkung auf Norderney eintraf, hatte er sofort eine Leiche, um die er sich kümmern musste. Das muss ich nicht haben.“ Bleibt zu hoffen, dass den Insel-Polizisten Tatorte erspart bleiben, wie man sie für Krimis la „Mord auf Wangerooge“ bräuchte. Lackner nutzt seine Freizeit für Dauerläufe am Strand und Radfahren auf dem Deich – für „Sport auf Wangerooge“. Klingt auch nicht übel und ist viel besser.