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Celle Stadt Theaterstück: Blick hinter Kritik an Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Theaterstück: Blick hinter Kritik an Celle
18:34 21.12.2015
Das Miteinander von Jung und Alt ist ein Punkt über den am Sonntag beim Stück "Celle - das nervt" in der Halle 19 diskutiert wurde. Joshua Taylor skizziert das Problem.
Das Miteinander von Jung und Alt ist ein Punkt über den am Sonntag beim Stück "Celle - das nervt" in der Halle 19 diskutiert wurde. Joshua Taylor skizziert das Problem. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Die Einkaufsmöglichkeiten, die Feiermöglichkeiten, das regionale Busnetz, zu wenig Hilfsbereitschaft, die fehlende Toleranz, das Miteinander von Jung und Alt. Die Liste der Kritikpunkte, welche die sechs Jugendlichen des Theaterprojekts zusammengetragen haben, war lang und umfangreich. Aus den mehrere Monate lang andauernden Vorarbeiten, Recherchen und Auswertungen entstand schließlich ein Szenen-Theaterstück mit Videoausschnitten und Tonaufnahmen.

Den Jugendlichen ging es mit ihrem Konzept für „Celle – das nervt“ nicht um eine bloße Auflistung aller scheinbaren Defizite der Stadt. Sie wollten auch hinter die Vorwürfe schauen: Inwieweit ist die Kritik berechtigt? Was fehlt tatsächlich oder ist tadelnswert? Oder gibt es tatsächlich eine Celler „Motz-Kultur“? Und was ist vorgegeben, was ist hausgemacht, wo und an wem liegt die Ursache und was lässt und ließe sich ändern?

Was und wen Kaja Beythien, Milena Fait, Dilovan Sam, Elisabeth Schrade, Audrey Struck und Joshua Taylor gefragt haben, haben die sechs gemeinsam entschieden, angesprochen haben sie alle Altersschichten. Das grobe Fazit ist: Die Kritik an Celle ist nicht unberechtigt, aber was Pauschalität und Intension betrifft unangemessen. Wer aber ist dieser „man“ in „man kann hier nicht einkaufen, feiern, sich entfalten“ oder nur „nicht ungestört Busfahren“? Die Antwort bekommen die Zuschauer prompt geliefert: „Wir sind Celle“, und damit sind der Tenor und auch die Moral von der Geschichte schon klar fixiert.

Wer erwartet, muss auch einbringen: Das gilt für die Einkaufsmöglichkeiten, die Celler auch nützen und wahrnehmen müssen, um die Geschäfte zu stützen, das gilt für den netten Ton zwischen Jung und Alt – und die gegenseitige Toleranz, auch untereinander. Das gilt für saubere Busse und Haltestellen, wo Celler eben den Müll in die Tonnen werfen, statt auf den Boden. Wer etwas geändert haben möchte, der muss auch bei sich anfangen. Aufmerksamkeit und Achtsamkeit sind die Stichworte. Man muss wahrnehmen, was toll an Celle ist, nicht nur, was nervt – oder man gehört zu den notorischen Motzern, die einfach an allem herummäkeln – oft ohne tatsächlichen Grund.

Unter der Leitung von Theaterpädagoge Hinrich Schrade und Liliane Bauer, die am Schlosstheater gerade ihr soziales Jahr im Kulturbereich absolviert, ist es den sechs Spielern gelungen, zwischen berechtigter Kritik den Cellern auch einen deutlichen Spiegel vors Gesicht zu halten. „Wir alle sind Celle.“ Das Theaterprojekt wird im Übrigen im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben“ gefördert. Am Ende der gelungenen und sehr gelobten Veranstaltung wurde vom Publikum offiziell bedauert, dass nur diese eine Aufführung von „Celle nervt“ angedacht ist. Aber auch daran könnte eine demokratische Mehrheit Änderung bewirken – man muss nur den Mund aufmachen.

Von Doris Hennies