Während Schulferien

Testpflicht macht Busfahrt zum Impfen unmöglich

Weil sie keinen Test machen können, hätten zwei Celler Kinder fast ihren Impftermin versäumt. Keine Option, findet die CZ und springt spontan als Taxi ein.

  • Von Marie Nehrenberg-Leppin
  • 08. Jan. 2022 | 09:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
  • Von Marie Nehrenberg-Leppin
  • 08. Jan. 2022 | 09:00 Uhr
  • 12. Juni 2022
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Celle.

Liam und Bennet (Namen von der Redaktion geändert) sind ein bisschen aufgeregt. Es steht ein wichtiger Termin an, auf den sie sich einerseits freuen, vor dem sie andererseits aber auch ein bisschen Angst haben. "Wir bekommen heute unsere Corona-Impfung", verkünden sie, als sie auf meiner Rücksitzbank Platz nehmen. Meine Rücksitzbank? Ja, genau. Ich agiere heute nicht nur als Reporterin, doch dazu später mehr.

Während Schulferien keine Möglichkeit zum Corona-Test

Ebenso froh, dass es nun losgehen kann, ist Sabine Meinicke, die neben mir Platz nimmt. Die Pflegemutter der neun- und zehnjährigen Jungen hatte relativ spontan einen freien Termin für den Anti-Corona-Piks in einer Kinderarztpraxis in Celle bekommen. Dass der Zeitpunkt auf die zweite Woche der Schulferien fallen würde, das war ihr zwar bewusst, doch weiter darüber nachgedacht hat sie eigentlich nicht. Zwei Tage, bevor es dann schließlich losgehen sollte, fiel es ihr dann aber wie Schuppen von den Augen. "Wir können im Moment ja gar nicht mit dem Bus in die Stadt fahren", erzählt sie.

Kein Testzentrum in fußläufiger Nähe

Der Hintergrund: Schulkinder brauchen während der unterrichtsfreien Zeit aktuell einen bescheinigten Corona-Schnelltest. Im normalen Schulbetrieb könne man dagegen davon ausgehen, dass die Kinder sowieso regelmäßig getestet würden. "An sich ja keine schlechte Maßnahme", findet Meinicke. "Für uns ist es aber ein gewaltiges Problem. Zum einen gäbe es fußläufig entfernt vom Wohnort keine Möglichkeit, einen zertifizierten Test zu machen. "Dafür müssten wir ja erstmal nach Celle kommen." Zum anderen sei der Neunjährige in seiner geistigen Entwicklung stark beeinträchtigt. Das erschwere den Testprozess enorm. "Er lässt sich partout nicht in der Nase testen, wir haben es selbst probiert, haben es medizinisches Fachpersonal versuchen lassen, keine Chance. Und ihn mit aller Kraft zwingen, das möchte ich selbstverständlich nicht", so Meinicke. "In der Schule darf er die Lolli-Tests nutzen, das ist auch kein Problem. Aber das bieten die Testzentren leider nicht an und ohne dürfen wir die Busse nicht betreten, auch wenn es nicht direkt kontrolliert wird. Aber das Risiko wollen wir nicht eingehen."

Cebus reagiert mit Verständnis, verweist aber auf Regeln

Die Cebus selbst hat Verständnis für die schwierige Situation der Familie. Helfen könne man aber trotzdem nicht. "Wir sind an das aktuelle Regelwerk der Bundesregierung gebunden und halten uns verbindlich daran", sagt Sprecherin Birgit Peters. "Einige Fahrgäste haben sich erkundigt, ob sie zunächst ohne einen 3G-Nachweis mitfahren dürfen, da sie mangels offiziell anerkannter Teststelle vor Ort keine Gelegenheit haben, sich vor Fahrtbeginn testen zu lassen. Sicher haben wir großes Verständnis für die Fahrgäste, die kein Testangebot in ihrer Nähe haben, dennoch können und dürfen wir keine Ausnahmen gelten lassen."

CZ-Reporterin springt spontan als Impf-Taxi ein

Die Situation scheint also ausweglos für Sabine Meinicke. Und hier kommt die CZ ins Spiel. Da es aktuell aus meiner Sicht keine Option ist, den Impftermin sausen zu lassen, habe ich mich spontan entschlossen, der Familie zu helfen. Pünktlich stehe ich also vor ihrer Tür, um beide Jungen und Pflegemutter einzusammeln. "Dafür sind wir sehr dankbar", sagt Meinicke. "Wir wären sonst auch mit dem Fahrrad gefahren, aber das ist bei diesem Wetter eigentlich keine Option." Auf der Fahrt nach Celle, während der wir alle FFP2-Masken tragen, löchern mich die Kinder mit Fragen. "Bist du schon geboostert? Wie kommt der Artikel dann in die Zeitung? Warum bist du Reporterin?" – Dank der neugierigen Impflinge, die in die dritte Klasse gehen, verfliegt die Zeit wie im Flug.

Zweite Impfung für Kinder schon in drei Wochen

Angekommen beim Kinderarzt steigt die Familie aus. "Wir hoffen, dass es nicht lange dauert. Wartest du auf uns?", fragt der Zehnjährige. Ich kann ihn beruhigen. Nicht mal eine halbe Stunde später kommen sie dann schon zurück. "War gar nicht schlimm und ging ganz schnell", resümieren sie. "Am 26. Januar müssen wir zur zweiten Impfung wiederkommen." Spätestens dann hat sich das lästige Testen für die Jungs vorm Busfahren erledigt. Als 3G-Nachweis gilt im Cebus neben einem aktuellen Testzertifikat, das nicht älter als 24 Stunden ist, auch ein Impfausweis. Sobald die Schule wieder startet, reichen außerdem die Tests, die im Rahmen des Unterrichtsbesuch sowieso gemacht werden, als Nachweis.