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Celle Stadt Temperamentvoll, mitreißend und begeisternd
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Temperamentvoll, mitreißend und begeisternd
22:59 20.12.2015
Celle Stadt

„Vergessen Sie den Weihnachtsstress und fahren Sie mal herunter“, lud Mehls das Publikum ein, „und (an ihr Orchester gewandt) wir fahren rauf.“ Das brauchte sie ihren Musikern nicht zweimal zu sagen, die bei diesem Weihnachtskonzert einmal mehr offenbarten, wieviel Temperament sich zwischen den jeweils 17 Falten ihrer Akkordeons verbirgt. Und zwischendurch präsentierte Mehls humorige Geschichten, etwa vom „Advent in Stenkelfeld“, wo das Einschalten einer simplen Kaffeemaschine das „Strom-Fass“ der pompösen vorweihnachtlichen Beleuchtung in der Siedlung zum Überlaufen und das Kohlekraftwerk zum Erliegen bringt. Zuvor jedoch hatten Michelle und Jan Kalantchouk als jüngste Akkordeonisten des CAC das Konzert mit sorgfältig dargebotenen traditionellen Weihnachtsliedern eröffnen dürfen.

Wie ein Chor aus Engels- und fein ziselierten Orgelstimmen belebte das Hauptorchester in der weiteren Programmfolge beschaulich-verträumte Winterlandschaften und verwandelte sie in sinfonisch gestaltete musikalische Bilder. Mal mit introvertierten, aber spannungsvollen Kantilenen, verknüpft mit schnellen Läufen und Tremoli, mal mit dynamischer Stufendynamik im Bigband-Sound, immer aber mit melodisch-koloristischem Reiz. Das Orchester gehört zu den Vorzeige-Ensembles, die das Akkordeon kontinuierlich und erfolgreich aus den „Quetschkommoden“-Schubladen von Hafenkneipen, weinseligen Dorffesten und Musikantenstadln herausgeholt haben. Ob „Leise rieselt der Schnee“ oder „Es ist ein Ros’ entsprungen“, ob „White Christmas“ oder „Stille Nacht“ – mit atmosphärischen Klängen, vibrierenden Tonclustern, melodischem Pathos und polyphonen Raffinessen sorgten die Musiker für immer neue Stimmungsnuancen. Dabei ließen sie mit swingender Eleganz sogar die sonst eher bedächtig besungene Maria förmlich „durch den Dornwald“ tanzen. Und wie die einzelnen Stimmen mitunter – etwa beim assoziationsreich-melancholischen „Winter in Kanada“ – kaskadenartig wie aus einem plätschernden Bach emporstiegen und sich schließlich geradezu zärtlich aneinanderschmiegten, war ein wahrer Ohrenschmaus. Mit der traditionellen Achterbahn-Version der „Petersburger Schlittenfahrt“ ging unter tosenden Standing Ovations ein mitreißendes Konzert zu Ende, das gleichermaßen stimmungsvoll und begeisternd war.

Von Rolf-Dieter Diehl