Streit um Neubau im Wald

Ameisen weichen der Feuerwehr

Was weg ist, ist weg: Darum hat die Stadt Celle jetzt Ameisen, die dem Bau der Westercelller Feuerwehr im Weg waren, umgesiedelt.

  • Von Michael Ende
  • 03. Sept. 2020 | 16:02 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Michael Ende
  • 03. Sept. 2020 | 16:02 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Westercelle.

Unter anderem mit dem Hinweis darauf, dass auf dem Gelände, auf dem die Stadt Celle das neue Westerceller Feuerwehrhaus bauen will, Ameisen leben, möchte der örtliche BUND das Projekt stoppen. Bei den Insekten handelt es sich um eine weit verbreitete Waldameise. Jetzt hat die Stadt Fakten geschaffen und dafür gesorgt, dass die Krabbler dem Bauvorhaben nicht mehr im Weg stehen können. Sie lässt die Ameisennester von einem Fachmann umsiedeln. Und während sich die Ameisen in ihrer neuen Umgebung im Wald einleben, geht der Ärger in Westercelle jetzt erst richtig los. Ein Bürger hat die Stadt wegen der seiner Meinung nach illegalen Umsiedelungsaktion angezeigt, und grüne Politiker fragen sich: Durfte die Stadt das überhaupt? Denn ein gültiger Bebauungsplan für das Feuerwehrareal in spe liegt noch nicht vor.

Anzeige erstattet

Ein Bürger, der beobachtet hatte, dass auf dem Gelände zwischen Triftweg und Hannoverscher Heerstraße, das bisher an Privatleute und den Reit- und Fahrverein Westercelle verpachtet war, Anmeisenhaufen in Tonnen verpackt und abtransportiert wurden, hat jetzt bei der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Celle Anzeige erstattet. Der Bürger, der meint, man dürfe die Waldameisen nicht umsiedeln, ist erbost: „Diese grundlose Entnahme der streng geschützten Waldameisen aus einem Waldgebiet stellt für mich keine Ordnungswidrigkeit dar, sondern eine Straftat.“

Auch den „Täter“ hat der Zeuge erkannt

Es war Vorsitzende der Deutschen Ameisenschutzwarte Kreisgruppe Uelzen, Alfred Rabe – ein anerkannter Ameisen-Fachmann, der nach eigenen Angaben bereits über 100 Ameisenvölker umgesiedelt hat – immer legal, versteht sich. Auch hier sei alles legal zugegangen, sagt Rabe auf CZ-Nachfrage. Er sei von der Umweltbehörde der Stadt für die Aktion angeheuert worden – und Ameisen der Art „Kahlrückige Waldameise“ (Formica polyctena) dürfe man sehr wohl umsiedeln: „Ich habe für die Völker schöne neue Plätze im Neustädter Holz gefunden.“

Werden Ameisen die neuen Fledermäuse?

Auch vor dem Hintergrund, dass der örtliche BUND jahrelang den Bau der Celler B3-Ostumgehung zu verhindern versuchte, indem er den Fledermausschutz thematisierte und jetzt die Westerceller Ameisen für sich entdeckt hat, war man im Celler Rathaus schnell damit bei der Sache, die Ameisenhaufen aus dem Weg zu schaffen.

„Schockiert“

Grünen-Ratsherr Stephan Ohl kritisiert, dass die Stadt die „Aktion bei Nacht und Nebel durchgezogen“ habe. Er sei „schockiert“, so Ohl: „Klammheimlich Fakten schaffen ist ein Skandal. Dieses Verhalten wird nicht zur Versöhnung und zur Akzeptanz beitragen. Eine Verhärtung der Fronten ist jetzt leider zu befürchten. Damit hat die Verwaltung der Natur, den Bürgern und den Feuerwehrkameraden vor Ort einen Bärendienst erwiesen.“ Ohl fragt, ob es rechtlich möglich sei, Ameisen umzusiedeln, bevor es einen rechtskräftigen Bebauungsplan gebe.

„Vorgezogene Ausgleichsmaßnahme“

„Die Umsiedlung der Ameisen ist eine der sogenannten CEF-Maßnahmen, die begründet auf dem Artenschutz vor einer Baumaßnahme im Rahmen eines Bauleitplanverfahrens notwendig werden“, sagt dazu die städtische Pressesprecherin Myriam Meißner. CEF stehe für „continuous ecological functionality measures“ und meine eine vorgezogene Ausgleichsmaßnahme: „Diese werden und müssen häufig für Vögel und Fledermäuse im Vorfeld einer Baumaßnahme angewendet. In diesem Falle sind es die Ameisen.“

Alles mit Genehmigung

Nach Einschätzung des Fachmanns der Ameisenschutzwarte habe man die Tiere umsiedeln können, so Meißner: „Die Untere Naturschutzbehörde hat daher die Genehmigung erteilt. Selbstverständlich haben wir uns vorher mit unserer zuständigen Fachbehörde, dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), abgestimmt.“

Die Ameisen sind weg, und wie geht es mit dem Feuerwehrhaus weiter? Das ist Thema der Sitzung des Ortsrates Westercelle, die am Mittwoch, 9. September, um 18.30 Uhr in der Alten Exerzierhalle beginnt.