Celle Stadt

Stotterer spricht in Celle über sein Problem

„Jochen, jetzt tu doch mal normal.“ Diese Aufforderung eines Grundschullehrers jagte Jochen Praefcke in den 80ern einen Schauer über den Rücken. Er konnte sein Stottern damals nicht ablegen, um in den Augen des Lehrers, normal zu agieren, und er kann es heute auch nicht. Aber im Gegensatz zu den Jahren bis zu seinem 28. Geburtstag ist der Angestellte einer amerikanischen Bank mittlerweile in der Lage, damit umzugehen. Nicht aufgrund seines Buches „Ich stottere“, das er am Samstagabend auf der MS Loretta vorstellte, sondern weil er es geschafft hat, das Handicap als Teil seiner Person zu akzeptieren, es gleichzeitig aber nicht mehr sein Lebensgefühl beherrschen zu lassen.

  • Von Cellesche Zeitung
  • 22. Mai 2017 | 17:54 Uhr
  • 12. Juni 2022
Autor Jochen Praefcke an Bord des Kulturschiffes MS Loretta: „Ich stottere“ lautet der Titel seines Buches, der Professionalität seiner Präsentation tat dieses Handicap keinen Abbruch.
  • Von Cellesche Zeitung
  • 22. Mai 2017 | 17:54 Uhr
  • 12. Juni 2022
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Früher wachte er auf und dachte, „Ich stottere“, heute gelten seine ersten Gedanken dem Gitarrenspiel und seiner Instrumentensammlung. Er hat die Obsession der Beeinträchtigung durch eine positive Besessenheit ersetzt. Den Weg dahin beschreibt er in seinem „höchst subjektiven und zutiefst unwissenschaftlichen“ Buch.

Praefckes Präsentation fesselt von der ersten Minute an, einerseits weil er sich ein außergewöhnliches Thema ausgesucht hat, das er durch eigenes Erleben bis ins Kleinste durchdringt, andererseits weil sich seine Erfahrungen und Analysen übertragen lassen auf Handicaps im Allgemeinen. „Jede Abweichung von der Norm erzeugt Zurückgezogenheit“, sagt der Autor einen Satz, der über sein persönliches Thema hinausweist und das Buch – auch aufgrund der von Andrea Hoffmann vorgetragenen Kostproben – sehr zum Lesen empfiehlt.

Von Anke Schlicht

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