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Celle Stadt Steuern 2010 – Was ändert sich?
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Steuern 2010 – Was ändert sich?
13:05 13.06.2010
Besonders Familien sollen ab Anfang nächsten Jahres finanziell entlastet werden, erklärt Steuerberater Manfred Beck. Steuern 2010 – Was ändert sich? - - Der Koalitionsvertrag ist unterschrieben, Union und FDP wollen ihre Wahlversprechen halten und die Steuern in nächstem Jahr senken. Doch was genau ändert sich? Wen betreffen die neuen Maßnahmen und was sollte noch dringend bis Jahresende angeschoben werden? Zu diesen und anderen Fragen ist die CZ im Gespräch mit Manfred Beck, Steuerberater aus Celle. - CZ: Herr Beck, muss man Profi sein, um den den Steuer-Dschungel zu durchblicken? - Beck: Allerdings. Das gesamte Steuerrecht ist dermaßen vielschichtig und mit Ausnahmeregelungen und Einzelfallentscheidungen gespickt, dass es Otto Normalverbraucher verständlicherweise schwer fällt, sich darin zurecht zu finden. Die neue Regierung will aber umsetzen, dass zumindest die Steuervordrucke verständlicher werden. Für viele bleibt in den meisten Fällen aber trotzdem nur der Gang zum Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein. - CZ: Die neue Regierung hat mehr Netto vom Brutto versprochen, gilt das für jeden Arbeitnehmer? - Beck: Grundsätzlich ja, aber es betrifft natürlich nur diejenigen, die steuerpflichtige Einkommen haben. Geringverdiener dürfen sich darüber freuen, dass der Grundfreibetrag 2010 um 170 Euro auf 8.004 Euro angehoben wird. Beschlossen ist, dass mittelfristig der progressive Tarif in einen Stufentarif umgewandelt wird – bereits ab Januar 2010 soll es keine kalte Progression mehr geben, also dass ein Arbeitnehmer nach einer Gehaltserhöhung weniger Netto-Lohn zur Verfügung hat, weil er durch den höheren Brutto-Lohn mehr Steuern zahlen muss. - CZ: Bisher konnten sich Ehepaare mit den Steuerklassen 3 und 5 eintragen lassen, mussten aber am Jahresende oft Steuern nachzahlen. Gibt es hier geplante Nachbesserungen? - Beck: Ab nächstem Jahr gibt es die Möglichkeit des so genannten Faktorverfahrens. Hierbei können sich Ehepaare der Steuerk
Besonders Familien sollen ab Anfang nächsten Jahres finanziell entlastet werden, erklärt Steuerberater Manfred Beck. Steuern 2010 – Was ändert sich? - - Der Koalitionsvertrag ist unterschrieben, Union und FDP wollen ihre Wahlversprechen halten und die Steuern in nächstem Jahr senken. Doch was genau ändert sich? Wen betreffen die neuen Maßnahmen und was sollte noch dringend bis Jahresende angeschoben werden? Zu diesen und anderen Fragen ist die CZ im Gespräch mit Manfred Beck, Steuerberater aus Celle. - CZ: Herr Beck, muss man Profi sein, um den den Steuer-Dschungel zu durchblicken? - Beck: Allerdings. Das gesamte Steuerrecht ist dermaßen vielschichtig und mit Ausnahmeregelungen und Einzelfallentscheidungen gespickt, dass es Otto Normalverbraucher verständlicherweise schwer fällt, sich darin zurecht zu finden. Die neue Regierung will aber umsetzen, dass zumindest die Steuervordrucke verständlicher werden. Für viele bleibt in den meisten Fällen aber trotzdem nur der Gang zum Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein. - CZ: Die neue Regierung hat mehr Netto vom Brutto versprochen, gilt das für jeden Arbeitnehmer? - Beck: Grundsätzlich ja, aber es betrifft natürlich nur diejenigen, die steuerpflichtige Einkommen haben. Geringverdiener dürfen sich darüber freuen, dass der Grundfreibetrag 2010 um 170 Euro auf 8.004 Euro angehoben wird. Beschlossen ist, dass mittelfristig der progressive Tarif in einen Stufentarif umgewandelt wird – bereits ab Januar 2010 soll es keine kalte Progression mehr geben, also dass ein Arbeitnehmer nach einer Gehaltserhöhung weniger Netto-Lohn zur Verfügung hat, weil er durch den höheren Brutto-Lohn mehr Steuern zahlen muss. - CZ: Bisher konnten sich Ehepaare mit den Steuerklassen 3 und 5 eintragen lassen, mussten aber am Jahresende oft Steuern nachzahlen. Gibt es hier geplante Nachbesserungen? - Beck: Ab nächstem Jahr gibt es die Möglichkeit des so genannten Faktorverfahrens. Hierbei können sich Ehepaare der Steuerk Quelle: nicht zugewiesen
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CZ: Herr Beck, muss man Profi sein, um den den Steuer-Dschungel zu durchblicken?

Beck: Allerdings. Das gesamte Steuerrecht ist dermaßen vielschichtig und mit Ausnahmeregelungen und Einzelfallentscheidungen gespickt, dass es Otto Normalverbraucher verständlicherweise schwer fällt, sich darin zurecht zu finden. Die neue Regierung will aber umsetzen, dass zumindest die Steuervordrucke verständlicher werden. Für viele bleibt in den meisten Fällen aber trotzdem nur der Gang zum Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein.

CZ: Die neue Regierung hat mehr Netto vom Brutto versprochen, gilt das für jeden Arbeitnehmer?

Beck: Grundsätzlich ja, aber es betrifft natürlich nur diejenigen, die steuerpflichtige Einkommen haben. Geringverdiener dürfen sich darüber freuen, dass der Grundfreibetrag 2010 um 170 Euro auf 8.004 Euro angehoben wird. Beschlossen ist, dass mittelfristig der progressive Tarif in einen Stufentarif umgewandelt wird – bereits ab Januar 2010 soll es keine kalte Progression mehr geben, also dass ein Arbeitnehmer nach einer Gehaltserhöhung weniger Netto-Lohn zur Verfügung hat, weil er durch den höheren Brutto-Lohn mehr Steuern zahlen muss.

CZ: Bisher konnten sich Ehepaare mit den Steuerklassen 3 und 5 eintragen lassen, mussten aber am Jahresende oft Steuern nachzahlen. Gibt es hier geplante Nachbesserungen?

Beck: Ab nächstem Jahr gibt es die Möglichkeit des so genannten Faktorverfahrens. Hierbei können sich Ehepaare der Steuerklassenkombination 3/5 einen Faktor auf der Lohnsteuerkarte eintragen lassen, der die steuerentlastenden Punkte berücksichtigt. Dadurch soll vermieden werden, dass zunächst zu viel Steuern gezahlt werden, die dann erst bei der Einkommens-steuererklärung zurück erstattet werden.

CZ: Wie sollen Familien in Zukunft gefördert werden?

Beck: Hier hat sich die neue Regierung einiges vorgenommen. Das Kindergeld wird von 164 Euro auf 184 Euro für das erste und zweite, auf 190 Euro für das dritte und auf 215 Euro für jedes weitere Kind angehoben. Besserverdienende profitieren von einer Anhebung des Kinderfreibetrags von 6.024 Euro auf 7.008 Euro.

CZ: Was ändert sich bei den Beiträgen zur Krankenversicherung?

Beck: Interessant für alle gesetzlich Versicherten ist sicher, dass die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ab nächstem Jahr in voller Höhe steuerlich geltend gemacht werden können. Bei den privat Krankenversicherten ist zumindest der Anteil der auf die Versicherungsleistungen, die dem Versorgungsniveau der Gesetzlichen entsprechen, absetzbar.

CZ: Haben auch die Arbeitgeber neue Vorteile ab 2010?

Beck: Ja, für Arbeitgeber ist besonders interessant, dass sie bei der Erhöhung der Solzialversicherungsbeiträge in Zukunft außen vor bleiben.

CZ: Haben Sie noch einen Tipp für unsere Leser, was noch bis Jahresende erledigt werden sollte?

Beck: Wer noch dieses Jahr seine Steuerklasse wechseln möchte, muss dies bis zum 30.11. bei Gemeinde oder Bürgeramt beantragen. Wichtig für Sparer: Rechtzeitig vor dem Jahreswechsel müssen sie ihre Freistellungsaufträge prüfen und gegebenenfalls anpassen. Nur wenn der Auftrag spätestens am 30.11. erteilt wird, wird die Freistellung bei der Zinsausschüttung am 31.12 sicher berücksichtigt.

CZ: Vielen Dank für das Gespräch.

Rentensteuer im Visier

Nicht nur das Finanzamt ist am Rotieren, auch viele Rentner werden jetzt unruhig. Was ist passiert? Im Herbst 2009 erfolgte ein Datenabgleich durch die Ämter, der den Rentnern ein böses Erwachen bescherte: Seit der Änderung der Rentenbesteuerung im Jahr 2005 sind viele von ihnen steuerpflichtig – ohne davon zu wissen. Denn die meisten von ihnen waren bis dahin steuerfrei, und die wenigen, die Steuern hätten zahlen müssen, wurden teilweise übersehen. Doch damit ist es jetzt vorbei, flächendeckend wird nun mit Hilfe der so genannten Rentenbezugsmitteilungen geprüft, welcher Rentner woher Einkünfte hat und wieviel. Rückwirkend bis 2005! „Spätestens Anfang des kommenden Jahres wird in vielen Briefkästen die Aufforderung landen, umgehend die Steuererklärung vorzulegen“, so Barbara Sumpf, Amtsleiterin beim Finanzamt Celle. Betroffen sind nach vorsichtigen Schätzungen etwa eine halbe Million bis zwei Millionen Haushalte. „Es könnte sich lohnen, jetzt noch schnell eine Steuererklärung abzugeben, um einer eventuell drohenden Geldstrafe wegen Steuerhinterziehung zu entgehen, die sonst auch noch auf dem Fuße folgen würde. So müssen im Fall des Falles nur die bisher nicht erhobenen Steuern nachgezahlt werden“, rät Sumpf. Immerhin bleibt beim Bezug der gesetzlichen Rente ohne weiteren Zuverdienst die Hälfte davon grundsätzlich steuerfrei, zumindest für jene, die vor 2005 in Rente gegangen sind. Für diejenigen, die in den Jahren danach in Rente gegangen sind, staffelt sich der steuerpflichtige Anteil entsprechend. Diverse Freibeträge und Abzugsmöglichkeiten lassen dann aber doch dem einen oder anderen etwas mehr Geld in der Tasche.

Tipp: Wer unverbindlich überprüfen möchte, ob Rentensteuer nachgezahlt werden muss oder nicht, kann auf der Internetseite "http://www.bagso.de/"www.bagso.de einen kostenlosen Check durchführen. Dort gibt die Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen zusammen mit dem Renten Service der Deutschen Post individuelle Antworten zur Rentensteuer.

Auch der Ratgeber „Steuererklärung für Rentner“ von Stiftung Warentest hilft, die persönliche steuerliche Situation besser einschätzen zu können (12,90 Euro, zu bestellen über Tel. 01805-002467 oder im Buchhandel).

Steuerberater oder Hilfeverein?

Fast jeder muss einmal im Jahr eine Steuererklärung einreichen - aber nicht jeder fühlt sich auch in der Lage das mehrseitige Formular bis ins Detail auszufüllen. Obwohl immer mehr, auch empfehlenswerte, Computerprogramme zur Steuererklärung als Hilfe zur Selbsthilfe angeboten werden, bleibe der alljährliche Run auf fachkundige Anlaufstellen wie den Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein nicht aus, weiß Barbara Schimeck von der Rechtsanwaltsgesellschaft Abel & Dr. Schuhmann. Manchen Tipp oder Hinweis könne eben auch die beste Software nicht vermitteln, gibt Schimeck zu bedenken.

Dabei gibt es wichtige Unterschiede zwischen den Ansprechpartnern:

Lohnsteuerhilfeverein

Diese von der Oberfinanzdirektion überwachte Institution kümmert sich ausschließlich um die steuerlichen Belange von Arbeitnehmern, Beamten und Rentnern. Die also Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit oder sonstige regelmäßige Bezüge (z.B. Renten) vorweisen können. Ausnahmen sind Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft. Mitglieder, die arbeitslos geworden sind, werden ebenfalls betreut. Da es sich um einen Verein handele, müsse eine Mitgliedschaft bestehen und ein Jahresmitgliedsbeitrag abgeführt werden, so Anja Fromm vom Lohnsteuerhilfeverein Hanse e.V. in Celle. Dieser sei sozial gestaffelt, in Beitragsklassen eingeteilt und beträgt zur Zeit etwa 40 bis 200 Euro. Kosten für die Erstellung einer Steuererklärung würden dann aber nicht mehr anfallen, bestätigt Fromm. Lohnsteuerhilfevereine sind überregional vertreten und können über das örtliche Telefonbuch ausfindig gemacht werden.

Steuerberater

Wer neben dem Gehalt noch Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung hat oder Kapitalvermögen von mehr als 13.000 Euro (Verheiratete: 26.000 Euro) vorweisen kann, fällt aus der Betreuung der Lohnsteuerhilfevereine heraus. In diesem Fall kommt der Steuerberater zu Hilfe. Das gilt auch für Selbständige oder Gewerbetreibende, die sich im Bedarfsfall an den Steuerberater wenden müssen. Die Bezahlung, das Honorar, erfolgt nach der Gebührenverordnung für Steuerberater. Die Kosten richten sich nach der Höhe der Einkünfte des Mandanten. Dies ist allerdings nur ein Gebührenrahmen. Kriterien sind daneben auch der erforderliche zeitliche Aufwand und der Schwierigkeitsgrad, so dass je nach Steuerberater die Kosten variieren können. Vergleichen lohnt sich also.

Tipp: Auch das Finanzamt ist gesetzlich verpflichtet Auskünfte rund um die Steuererklärung zu geben. Die gegebenen Informationen und Empfehlungen müssen dabei zu Gunsten des Arbeitnehmers ausfallen.

Von D. Sedlmayer