Trotz Protesten:

Stadt Celle gegen Baumschutzsatzung

Eine Baumschutzsatzung wie In Hannover will die Stadt Celle nicht haben. So begründet die Stadt ihre Entscheidung.

  • Von Michael Ende
  • 11. März 2020 | 17:15 Uhr
  • 14. Juni 2022
  • Von Michael Ende
  • 11. März 2020 | 17:15 Uhr
  • 14. Juni 2022
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Celle.

„Grundsätzlich sind alle Laubbäume mit einem Stammumfang von 60 Zentimetern und alle Nadelbäume mit einem Stammumfang von 80 Zentimetern, in einem Meter Höhe gemessen, geschützt.“ So leicht wie es sich in diesem Beispiel die Stadt Hannover mit einer solchen ganz klaren Vorschrift macht, will Celle es sich nicht machen. Die hiesige Stadtverwaltung lehnt die Einführung einer Baumschutzsatzung ab. Die hatten die Sozialdemokraten im Stadtrat gefordert. Stattdessen will die Celler Verwaltung auch in Zukunft für jeden Baum gesondert beurteilen, ob er geschützt und erhalten werden muss, oder ob er bei Bedarf auch gefällt werden kann.

Immer wieder Proteste

Egal, ob die Stadt Bäume fällt, weil sie der Entwicklung der Kommune im Weg stehen oder weil sie so morsch oder gar tot sind, dass sie die Verkehrssicherheit gefährden, egal, ob ein Forstbetrieb seinem Alltagsgeschäft nachgeht und Bäume erntet oder ob Privatleute einen Baum umsägen, ganz einfach weil sie es dürfen: Immer wieder stoßen Baumfällungen bei Unbeteiligten auf Unverständnis. Dann setzt es in der Regel Proteste bis hin zu Demonstrationen.

Grüne und SPD wollen generellen Schutz

Bisher sind in Celle lediglich Bäume geschützt, die auf besonderen Listen der Stadt geführt werden. Generelle Unterschutzstellungen wie in Hannover gibt es nicht. Vor einem Jahr hatten die Grünen im Rat die Überarbeitung der gültigen städtischen Vegetationsschutzsatzung im Sinne einer Verordnung zum Schutz von mehr Bäumen und Baumgruppen gefordert. Im Juni hatte dann die SPD beantragt, dass die Stadt Celle eine „Baumschutzsatzung nach Hannoveraner Vorbild“ entwickeln solle: „Es werden dann nicht mehr Bäume in diese Satzung aufgenommen, für die eine Unterschutzstellung ausdrücklich beantragt wird. Vielmehr werden Bäume immer dann in die Satzung aufgenommen, wenn sie eine in der Satzung genannte Größe erreicht haben“, so SPD-Fraktionschef Patrick Brammer. Ein Entfernen solcher Bäume wäre dann jeweils gesondert zu beantragen und zu begründen.

Stadt verweist auf "durchweg positive" Erfahrungen

Die Stadtverwaltung hingegen möchte es bei der seit 1986 gültigen Vegetationsschutzsatzung belassen. „ Die Satzung ermöglicht einen flexiblen und nach fachlichen Kriterien ausgerichteten Umgang mit zu schützenden Landschaftsbestandteilen. Die Erfahrungen im Umgang mit der Vegetationssatzung sind durchweg positiv“, so Stadtbaurat Ulrich Kinder. Die Bürger seien für das Thema Baumschutz sensibilisiert und wendeten sich diesbezüglich an die Verwaltung und erhielten von dort eine kostenfreie Beratung: „Im Rahmen der Haushaltsmittel unterstützt die Stadt darüber hinaus Baumeigentümer bei der Baumpflege.“

Die Diskussion über eine Baumschutzsatzung nach dem Vorbild der Landeshauptstadt steht auf der Tagesordnung des städtischen Umweltausschusses, der am Donnerstag, 12. März, ab 17 Uhr in der Alten Exerzierhalle tagt.