Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Anmelden
Celle Stadt Splitt und Scherben vermiesen jede Frühjahrsradtour
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Splitt und Scherben vermiesen jede Frühjahrsradtour
13:14 13.06.2010
Scherben und Flaschen auf Celler Radwegen
Scherben und Flaschen auf Celler Radwegen Quelle: Peter Müller
Celle Stadt

CELLE (isa). Kerstin Konetzki fährt jeden Tag kreuz und quer durch Celle. Ihr Fahrrad ist ihre Lebensgrundlage, ohne es kommt sie nicht zu den zwei Jobs, die sie so dringend benötigt. Doch in den letzten sechs Wochen musste sie bereits viermal die Werkstatt aufsuchen. „Das Problem wird langsam zu einer Existenzfrage für mich“, klagt die verzweifelte Cellerin, „lasse ich das Fahrrad reparieren oder esse ich?“ Auch Taxi- und Busfahrten zur Arbeit haben sie schon hohe Summen gekostet.

Besonders schlimm soll die Situation an der Hannoverschen Straße und in der Altenceller Schneede sein, betroffen sind aber unzählige Fahrradwege. Für die Landesstraßenmeisterei ist dieses Problem nur schwer in den Griff zu bekommen: „Natürlich wünschen wir uns, dass die Wege komplett sauber sind“, stellt Leiter Matthias Reinecke klar, „aber das wäre für die Bürger auch einfach viel zu teuer.“ Zu jeder Zeit saubere Wege zu haben, hieße auch einen permanenten Räumdienst einzurichten. Dies ist nur mit viel Personal und Geld umsetzbar – und würde von den meisten Bürgern wohl kaum gewünscht werden.

Derzeit haben die Straßenmeistereien neben der Reinigung der Wege auch viel mit deren Ausbesserung zu tun. Nach dem harten Winter ist dies jedoch ein ungewöhnlich hoher Kostenpunkt, sowohl in Bezug auf finanzielle Mittel, als auch auf Arbeitsstunden. Für Reinigung bleibt da nur wenig übrig. Nach Konetzkis Beschwerde sandte Reinecke dennoch einen Mann aus – Abends, nach Feierabend. Ergebnis: „Eine einzelne Flasche fand er vor.“

An der Tatsache, dass es derzeit viel Schutt und Müll auf den Celler Wegen gibt, ändert dies wenig: „Die Leute haben eben nichts Besseres zu tun, als ihren Müll auf die Straßen zu schütten“, äußerte sich am Donnerstag ein ärgerlicher Bürger und traf damit den Auslöser allen Übels wohl am besten.

Tatsächlich hat die Straßenmeisterei in dieser Woche bereits begonnen, die Radwege reinigen zu lassen. Eine Fremdfirma fährt seit Dienstag die Strecken ab. Doch dabei hat man buchstäblich noch einen sehr langen Weg vor sich: Für die rund 350 Kilometer Weg um Celle steht nur ein einziges Fahrzeug zur Verfügung. Die Arbeiten werden bis spätestens Ende April abgeschlossen sein.

Erfolgreich sein können sie jedoch nur, wenn die Celler endlich aufhören, Glasflaschen auf ihre Radwege zu schmeißen.

Cellerin begibt sich auf Spurensuche:

Auch Kerstin Konetzki hat sich noch einmal auf Recherche begeben und nach der Veröffentlichung des Artikels weitere Beweisfotos geschossen (siehe Galerie). Sie sei keine Querulantin, so Konetzki. Durch die Fotos möchte sie Matthias Reinecke zeigen, dass es ein ernstes Problem mit dem Dreck auf den Radwegen gibt und dass dieses Problem nicht zu verharmlosen sei.

Räumung ab Dienstag

Der Winter ist vorbei – Überbleibsel sind allerdings noch allerorten zu sehen. Vor allem auf den Wegen im Stadtgebiet liegt noch an vielen Stellen das Streumaterial, mit dem die Celler gegen Eis und Schnee vorgegangen sind. Für eine Touristenstadt wie Celle nicht gerade ein Aushängeschild, wirkt doch das mit Splitt und Glas übersäte Pflaster dreckig und ungepflegt. Beispiele dafür gibt es zuhauf, etwa im Schlosspark, an den Triftanlagen oder selbst vor dem Neuen Rathaus sieht es nicht gerade sehr repräsentativ aus. Weiteres Ärgernis: Solange nicht geräumt wird, bleiben auch die sich langsam ansammelnden Scherben zerplatzter Flaschen liegen – die Radfahrer sind mäßig begeistert.

Die Stadt hatte den Winterdienst an eine Fremdfirma vergeben. Gegenstand der Ausschreibung war auch, dass das Streumaterial wieder entsorgt wird. „Das wird ab kommendem Dienstag auch geschehen. Bis zum Ende der Woche wollen wir damit fertig sein“, versprach gestern Achim Rosinsky von der gleichnamigen Winser Dienstleistungsgesellschaft, die den Zuschlag für den Auftrag erhalten hatte.

Dafür, dass die öffentlichen Wege, für die Rosinsky zuständig sei, bisher noch nicht gesäubert wurden, gebe es mehrere Gründe. „Wir sind für 38000 laufende Meter an Wegen verantwortlich. Eine Reinigung kostet da 15000 Euro. Wenn wir früher geräumt hätten und es hätte noch einmal geschneit, wäre dieser Betrag zweimal auf uns zugekommen“, so der Firmenchef. Vertraglich sei zudem mit der Stadt geregelt, dass seine Firma ab 1. April anfangen kann und bis zum 15. April fertig zu sein hat. „Das schaffen wir“, meinte Rosinsky, der auch mitteilte, dass die Privatkunden zuerst bedient worden seien.

Von Isabell Prophet