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Celle Stadt Im Kindergarten ist er „ein echter Ritter“
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Sozialpädagogischer Assistent: Jobtraum für Celler Jan Ritter

13:51 24.11.2020
Azubi Jan Ritter erklärt den Kindern der Westerceller Kita An der Christuskirche bei der Verkehrserziehung die Funktion der Ampel.
Azubi Jan Ritter erklärt den Kindern der Westerceller Kita An der Christuskirche bei der Verkehrserziehung die Funktion der Ampel. Quelle: Lothar H. Bluhm
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Westercelle

Für die Brüder Julian und Konstantin Kiefer steht jetzt fest: „Mama, wir haben einen echten Ritter in der Kita!“ Und die Frage der Kinder an die Leiterin der Kindertagesstätte, Esther Netz, ob heute Herr Ritter wieder komme, ist inzwischen normal: Jan Ritter ist seit September Auszubildender im Bildungsgang sozialpädagogische Assistenz und arbeitet donnerstags und freitags im evangelischen Kindergarten An der Christuskirche in Westercelle. Dann ist er Ritter. Von Montag bis Mittwoch geht er in die Klasse BFSA19C der Berufsbildenden Schulen 3 in der Bahnhofstraße. Als Schüler.

Jan Ritter ist Quereinsteiger

„Kinder sind unsere Zukunft“, steht für Jan Ritter fest. „Das ist ein Grund, weshalb ich mich für diese zweijährige Ausbildung entschieden habe. Meine Ausbildungszeit verkürzt sich aufgrund meiner bisherigen Berufe um ein Jahr.“ Jan Ritter (34) ist Quereinsteiger: An der Fachoberschule für Verwaltung und Rechtspflege erwarb er die Fachhochschulreife. Danach erlernte er den Beruf des Versicherungskaufmanns und ergänzte noch ein Studium in Betriebswirtschaftslehre. „Eigentlich war das gar nichts. Ständig gilt es, sich auf Gewinnmaximierung zu konzentrieren“, sagt er heute, „Das war nicht mein Ding.“

Jan Ritter mit Paula Buchholz, Konstantin und Julian Kiefer (von links). Quelle: Lothar H. Bluhm

„Ich mag es, wenn Kinder Spaß haben“

Er besann sich darauf, dass er schon früh den Gedanken gehabt hatte, mit Kindern zu arbeiten. „Ich hatte schon immer einen guten Draht zu Kindern. Ich mag es, wenn sie Spaß haben.“ Meistens seien die Kinder offen und tolerant. „Sie nehmen jeden so wie er ist“, findet Ritter. So wie Paula, Julian, Konstantin und die anderen in der Tigerentengruppe oder in der Bärenhöhle, im Igelbau, in der Villa Kunterbunt oder in der Schatzkiste, wie die einzelnen Gruppen in der Kita in Westercelle genannt werden. Insgesamt 95 Kinder werden in den fünf Gruppen der Kindertagesstätte betreut. Alters- und zeitweise gruppenübergreifend.

Kinder als „kompetente Akteure ihres Lernens“

„Sicherlich ist das Spielen mit den Kindern ein großer und wichtiger Teil der Tätigkeit, aber der Beruf ist deutlich umfassender, denn es gibt den Erziehungs- und Bildungsauftrag gegenüber den Kindern“, verdeutlicht Ritter seine Arbeit. Emotionale Entwicklung und soziales Lernen, Entwicklung kognitiver Fähigkeiten, Sprache und Sprechen, ästhetische Bildung, Natur und Lebenswelt sowie Ethik und Religion sind Ziele der täglichen Kita-Arbeit. „Kinder sind von selbst bestrebt, die Welt zu entdecken, zu lernen und Kompetenzen zu erlangen“, sagt Ritter. Das wird auch im Leitbild des Trägers der evangelisch-lutherischen Kindertagesstätten im Kirchenkreis Celle deutlich: „Wir verstehen Kinder als kompetente Akteure ihres Lernens. In diesem Sinne ist Bildung Selbstbildung. Kinder lernen durch handeln und Erfahrungen.“

In Celle wollen 146 Menschen Sozialpädagogen werden

Der Bildungsgang „Sozialpädagogische Assistenz“ umfasst momentan zwei Klassen in der Unterstufe mit 50 Schülern sowie drei Vollzeitklassen in der Oberstufe mit 72 Schülern. Darüber hinaus noch eine Klasse der tätigkeitsbegleitenden Ausbildung in Teilzeit über eineinhalb Jahre (Oberstufe, 2. Jahr) mit 24 Schülern.

Esther Netz, Leiterin des Kindergartens An der Christuskirche in Westercelle. Quelle: Lothar H. Bluhm

Erst mal „was Vernünftiges“

Ritters Eltern rieten ihm nach der Realschule, beruflich erst mal „was Vernünftiges“ zu lernen. Danach könne er immer noch sehen. Und das macht er jetzt. „Wir sind sehr froh, dass sich immer mehr Männer für diesen Beruf interessieren“, sagt Esther Netz, die Leiterin der Einrichtung. „Wir sind ein Lernort für die Auszubildenden. Gleichzeitig bringen sie aber auch neue Kenntnisse mit in die Einrichtung. – wir freuen uns sehr, dass Jan Ritter hier ist.“

Sehr viele Möglichkeiten in dem Beruf

Der wohnt zurzeit in einer WG in der Celler Neustadt: „Das muss nicht meine Zukunft sein. Momentan gefällt es mir aber sehr gut.“ Wo er sich in 20 Jahren sieht, weiß Ritter noch nicht: Vielleicht eine Kita-Leitung, vielleicht aber auch Arbeit mit Jugendlichen „In dem Beruf hat man ja sehr viele Möglichkeiten. Ein Jahr bleibt Jan Ritter in der Kita An der Christuskirche. Draußen muss er erstmal die Vogelnest-Schaukel anstoßen, auf dem Holzpferd reiten oder im Rahmen der Verkehrserziehung die Funktion und Bedeutung einer Ampel erklären.

Inga-Lena Röper | Bildungsgangleiterin Berufsfachschule Sozialpädagogische Assistenz Albrecht-Thaer-Schule Berufsbildende Schulen III Celle Standort: Bahnhofstraße Bahnhofstraße 9/10 29221 Celle Quelle: cz

Nachgefragt bei Inga-Lena Röper (BBS 3 Celle)

Inga-Lena Röper ist Bildungsgangsleiterin der zweijährigen berufsqualifizierenden Berufsfachschule Sozialpädagogische*r Assistent*in an der Albrecht-Thaer-Schule-BBS III Celle.

Wie lange dauert die Ausbildung zur Sozialpädagogischen Assistentin/ zum Sozialpädagogischen Assistenten?

Die vollzeitschulische Berufsausbildung dauert zwei Jahre. Die Schüler*innen besuchen durchgängig über zwei Jahre an drei Tagen in der Woche den Unterricht in der Schule und leisten an zwei Tage in der Woche den praktischen Anteil der Ausbildung in geeigneten sozialpädagogischen Einrichtungen ab.

Es besteht die Möglichkeit, direkt in das zweite Jahr (Klasse II- Quereinstieg; gemäß § 33 BbS-VO) einzusteigen und die Ausbildung zu verkürzen. Die Aufnahmevoraussetzungen sind auf der Homepage (Berufsfelder – Sozialpädagogik – Sozialpädagogische Assistenz) einzusehen.

Darüber hinaus kann die Klasse II tätigkeitsbegleitend (Teilzeit) über eineinhalb Schuljahre besucht werden. Ausbildungsbeginn ist Februar 2021. Bewerbungen können außerhalb des angegebenen Bewerbungszeitraumes noch abgegeben werden.

Worum geht es in der Ausbildung?

Die Ausbildung zeichnet sich durch eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis aus, die vor allem durch die Zusammenarbeit zwischen der Schule und sozialpädagogischen Einrichtungen gewährleistet wird. Der Unterricht gliedert sich in einen berufsübergreifenden Lernbereich mit den Fächern Deutsch/Kommunikation, Fremdsprache, Politik, Mathematik, Religion und Sport sowie in die berufsbezogenen Lernbereiche Theorie und Praxis. Diese weisen den höchsten Stundenanteil auf. Der berufsbezogene Lernbereich Theorie wird in Modulen unterrichtet. Zur Ausbildung gehört es, offen für neues zu sein, sich in die Welten der Kinder einfühlen zu können, theoretische Zusammenhänge zu ergründen, aber auch sich bspw. auf Spiele, Theaterpädagogik oder andere ästhetische Erfahrungen einzulassen.

Der berufsbezogene Lernbereich Praxis umfasst die Module Reflexion der praktischen Ausbildung sowie Durchführung der praktischen Ausbildung. Während des gesamten Bildungsganges findet eine praktische Ausbildung von insgesamt 840 Stunden in sozialpädagogischen Einrichtungen in den Alterststufen 0-3 ,3-6, 3-10 Jahren (1. Ausbildungsjahr – Kindergarten, 2. Ausbildungsjahr - Krippe, Kindergarten, Hort, die pädagogische Arbeit in Ganztagsgrundschulen) statt.

Die Leistungen, die die Auszubildenden während dieser Zeit erbringen, werden von betreuenden Lehrkräften und Praxismentoren/Praxismentorinnen beurteilt. Schüler*innen, die in Klasse II aufgenommen werden, absolvieren eine praktische Ausbildung von 600 Zeitstunden.

Wie gliedert sich die Ausbildung?

Am Ende der Ausbildung erfolgen drei schriftliche sowie eine praktische Abschlussprüfung. Bei der praktischen Prüfung stehen die Planung, Durchführung sowie Reflexion eines Bildungsangebotes im Mittelpunkt. Mit Bestehen der Prüfung erhalten die Auszubildenden den Berufsabschluss „Staatlich geprüfte Sozialpädagogische Assistentin/ bzw. Staatlich geprüfter Sozialpädagogischer Assistent“. Darüber hinaus erwerben sie mit dem erfolgreichen Abschluss der Ausbildung den erweiterten Sekundarabschluss I – Realschulabschluss.

Wem würden Sie die Ausbildung empfehlen?

Diese Ausbildung ist besonders interessant für Menschen, die einen anspruchsvollen und abwechslungsreichen Beruf erlernen und Kinder und Jugendliche in vielfältigen Arbeitsfeldern in ihrer Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit begleiten, erziehen, bilden und fördern möchten. Sie sollten empathisch, wertschätzend, offen (auch für eigene Lernprozesse), kommunikativ und sozial kompetent sein, da diese Punkte die Grundlage für die pädagogische Arbeit darstellen. Eigene Interessen und Fähigkeiten werden in die Arbeit, bspw. bei Bildungsangeboten, Projekten, beim Spiel, in den Bereichen Musik, Bewegung und Umwelt etc. mit eingebracht. Die Begleitung und Unterstützung der Kinder/ Jugendlichen erfolgt in vielfältiger Weise, bspw. beim (sozialen) Lernen, Spielen, Forschen und Entdecken etc. Die Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen und Eltern ist dabei besonders wichtig.

Wie sind die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt?

Aufgrund des Fachkräftemangels sind die Aussichten, in verschiedenen sozialpädagogischen Arbeitsfeldern tätig zu werden, sehr gut. Ein sicherer Arbeitsplatz mit Perspektiven ist garantiert. Nach der Ausbildung werden die Auszubildenden vorrangig als Zweitkräfte in Kindertagesstätten, aber auch in Einrichtungen der Kinder- und Jugendpflege, eingesetzt. Darüber hinaus bietet das Berufsfeld vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten. Auch besteht nach erfolgreichem Abschluss unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, die zweijährige Fachschule Sozialpädagogik (Anschlussausbildung) zu besuchen und einen Abschluss zur staatlich anerkannten Erzieherin/ zum staatlich anerkannten Erzieher zu erreichen.

Von Lothar H. Bluhm

Sozialpädagogische Assistenten

Was macht man in diesem Beruf?
Sozialpädagogische Assistententinnen und Assistenten unterstützen Erzieherinnen und Erzieher bei der sozialpädagogischen Arbeit mit Kinder in verschiedenen Alterstufen. Auch die Eltern und Erziehungsberechtigten beziehen sie mit in ihre Tätigkeit ein. Sie sorgen für Spielmaterial und leiten die Kinder beim Spielen an. Je nach Altersgruppe basteln, musizieren und turnen sie mit den Kindern. Teilweise unterstützen sie auch die pädagogische Arbeit mit Jugendlichen.
Wo arbeitet man?
• in Kinderkrippen, Kindertagesstätten und Kinderhorten
• in Kinderheimen  
• in Erholungs- und Ferienheimen
Welcher Schulabschluss wird erwartet?
Für die Ausbildung wird ein mittlerer Bildungsabschluss vorausgesetzt. Die Berufsfachschulen wählen Bewerber nach persönlicher Eignung und Leistung aus.
Anforderungen:
• Freude am Umgang mit Menschen
• Verantwortungsbewusstsein
• Einfühlungsvermögen und Konfliktfähigkeit  
• Psychische Stabilität (professionelle Distanz)
• Gute Sprachkenntnisse
Vergütung:
Während der schulischen Ausbildung erhält man keine Vergütung. DieAusbildung ist förderungswürdig nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG).  

Christian Link 24.11.2020
Christian Link 24.11.2020
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