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Celle Stadt Celler demonstrieren für Frieden und Klimaschutz
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Celler demonstrieren für Frieden und Klimaschutz
19:44 18.10.2019
Von Dagny Siebke
So grün wie noch nie: 250 Celler sind am Freitag gegen Krieg und Umweltzerstörung durch die Altstadt gezogen. Sie solidarisierten sich mit den Menschen der autonomen Region Rojava in Nordsyrien. Quelle: Oliver Knoblich
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Celle

Mit neuen Gesängen, Plakaten und vielen grün-rot-gelben Flaggen sind am Freitagnachmittag 250 Menschen durch die Celler Innenstadt gezogen. Eine Kostprobe lautete: „Die Rüstungskonzerne liefern Bomben in die Ferne, zerstören Mensch und Umwelt nur für ein Batzen Geld. Worin wir unsere Zukunft sehen? Mit Frieden muss es weitergehen.“

Unter dem Motto „Fridays for Peace“ organisierte „Fridays for Future Celle“ gemeinsam mit der Gruppe „Riseup4Rojava Celle“ den Protest gegen den türkischen Angriff auf die kurdische Selbstverwaltungszone Rojava in Nordsyrien. Bevor sich die Demonstranten in Bewegung setzten, brachten sie ihre Solidarität mit allen betroffenen Menschen mit einer Schweigeminute zum Ausdruck. Die Gedanken vieler Jugendlichen waren bei der „Fridays-for-Future-Ortsgruppe Rojava“.

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So grün wie noch nie: 250 Celler sind am Freitag gegen Krieg und Umweltzerstörung durch die Altstadt gezogen. Sie solidarisierten sich mit den Menschen der autonomen Region Rojava in Nordsyrien.

Zwei Organisatorinnen erklärten bei der Kundgebung, warum sie heute hergekommen sind: „Unsere Umwelt wird zerstört. Böden veröden, der Zugang zu Trinkwasser wird privatisiert, die klimatischen Bedingungen für den Anbau von Lebensmitteln verschlechtern sich, Wälder stehen in Flammen. Krieg und Umweltzerstörung folgen der gleichen Logik und betreffen alle Lebensbereiche.“ Sie forderten eine demokratische Lösung. Die Rüstungsindustrie bezeichneten sie als blinden Fleck und sie wiesen darauf hin, dass Krieg immer eine Fluchtursache sei. Sie zitierten Abdullah Öcalan, Führer der Arbeiterpartei Kurdistans PKK, die auch von Deutschland als terroristische Vereinigung eingestuft wird.

Kritik an Erdogan und Bundesregierung

Der Unterstützer einer kurdisch-ezidischen Organisation betonte, dass sich jeder für den Erhalt der Rechte für Frauen, Jugend, Natur und Religionsgemeinschaften einsetzen sollte. Und erläuterte: „In den vergangenen Jahren haben die meisten Geflüchteten aus dem Irak und Syrien in Rojava Zuflucht gefunden. Zum Beispiel auch die Eziden aus Shingal, die 2015 vor einem Massaker flohen. Sie hören es, wenn wir hier auf die Straße gehen und unsere Stimme erheben.“ Verschiedene Volks- und Religionsgemeinschaften hätten in den vergangenen Jahren wie in einem Mosaik vor Ort friedlich zusammengelebt.

„Unabhängig von einer Regierung, auch wenn das nicht in das Weltbild von Erdogan passt“, hieß er weiter. Der Sprecher kritisierte, dass der türkische Präsident die EU damit erpresse, drei Millionen Geflüchtete nach Europa zu schicken. Er tadelte auch die Bundesregierung, die sich nicht zu einem Waffenembargo durchringen könne. Mit dem Megafon in der Hand lud er zur Großdemonstration am Samstag, 19. Oktober, um 15 Uhr in die Innenstadt nach Hannover ein.

Pressemitteilung von „Riseup4Rojava Celle“:

"Am heutigen Freitag, den 18. Oktober demonstrierten über 300 Menschen durch die Celler Innenstadt gegen Krieg und Naturzerstörung. Unter dem Motto „Fridays for Peace“ hatten diesmal „Fridays for Future“ und „Riseup4Rojava Celle“ aufgerufen, um sich mit Nord- & Ostsyrien, auch Rojava genannt, zu solidarisieren. Denn in der selbstverwalteten Region Rojava tobt seit 10 Tagen ein Krieg aufgrund der Invasion des türkisch faschistischen Regimes.

Durch die Verbindung der Themenschwerpunkte von Krieg und Ökologie kamen viele unterschiedliche Menschen zu der Demonstration ab 16.30 Uhr auf der Stechbahn zusammen. „Wir stehen für eine bessere Welt, da ist es logisch, dass wir uns gegen Krieg und Naturzerstörung aussprechen.

Verhältnisse, in denen Profit, wie von deutschen Firmen durch Krieg oder Naturzerstörung gemacht wird, gehören verändert. Warum wird so etwas akzeptiert? Wie können wir da schweigen?“ äußerte eine Demonstrantin.

In der Kritik stehen unter anderem die Waffenverkäufe an den türkischen Staat. Das Geschäft boomt und die Bundesregierung konnte sich nicht zu einem Embargo durchringen. Und in Celle kommt dieser Irrsinn besonders

zusammen: es leben unzählige Kurd*innen in der Region und gleichzeitig werden hier im Landkreis, in Unterlüß bei Rheinmetall Waffen produziert, die in kurdischen Gebieten töten und Menschen zur Flucht zwingen.

„Wir tragen hier eine Mitverantwortung in der BRD. So viel Leid, was überall passiert. Die Ausbeutung für unseren Wohlstand nimmt in der ganzen Welt unerträgliche Ausmaße an. Das will ich nicht länger akzeptieren“ stellte Nina Kliens fest.

Die Vielfältigkeit der Demonstrantin drückte sich auch durch Plakate und Sprüche aus. So wurde Klimaschutz und Rüstungsstopp gefordert – und die Parole „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut“ hat auch im Zusammenhang mit Krieg eine starke Bedeutung. Klar war auch die Aussage, dass es ohne Frieden keine Zukunft geben wird.

Am heutigen Tag gab es auch in vielen anderen deutschen Städten gemeinsame Demonstrationen, die sich für eine friedliche und ökologische Welt stark gemacht haben.

Das Bündnis „Riseup 4 Rojava – Celle“ wird mit seinen Aktionen weitermachen. Für die zukünftige Zeit sind jeden Dienstag Demonstrationen geplant. Beginn ist immer um 17 Uhr an der Stechbahn."

Michael Ende 18.10.2019
Christian Link 18.10.2019
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